Barbara Rosenkranz
Diese zehnfache Mutter ist sogar der FPÖ zu rechts

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer darf sich auf eine triumphale Wiederwahl freuen. Seine beiden Herausforderer werden ihm wohl nicht einmal eine Stichwahl aufzwingen können. Vor allem Barbara Rosenkranz ist bei der österreichischen Präsidentenwahl chancenlos.

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Sie ist sogar der FPÖ zu rechts

Sie ist sogar der FPÖ zu rechts

Manfred Maurer, Wien

Der fadeste Wahlkampf seit langem mündet am Sonntag wohl in einen einschläfernden Wahlabend. Wenn überhaupt etwas spannend ist an der Bundespräsidentenwahl in Österreich, dann nur die Frage, ob der Amtsinhaber tatsächlich wie in Umfragen prognostiziert mehr als 80 Prozent der Stimmen holen wird.

Der Sieg jedenfalls wird dem Sozialdemokraten, der seine Parteimitgliedschaft als Bundespräsident ruhen lässt, nicht zu nehmen sein. Dafür fehlen Herausforderer mit dem entsprechenden Format. Die ÖVP hatte sich erst gar nicht auf das Risiko einer ziemlich sicheren Niederlage einlassen wollen und keinen Kandidaten ins Rennen geschickt.

Aufs falsche Pferd gesetzt

Das wollte die FPÖ nützen, um im bürgerlichen Lager auf Stimmenfang zu gehen. Inzwischen hat jedoch selbst Parteichef Heinz-Christian Strache eingesehen, dass er mit Barbara Rosenkranz aufs falsche Pferd gesetzt hat. Die niederösterreichische Landesrätin hatte zwar anfangs die volle Unterstützung der mächtigen «Kronen-Zeitung», verschreckte aber die christlich-demokratische Klientel: Die zehnfache Mutter spekulierte nicht nur aufs «Mutterkreuz» am Wahlzettel, sondern auch mit dem äussersten rechten Rand.

Das Äussern von Zweifeln an der Existenz von Gaskammern im Dritten Reich war für sie als «freie Meinungsäusserung» zulässig, bis ihr sogar die gar nicht linke «Krone» auf die Finger klopfte und ein eidesstattliches Bekenntnis zum NS-Verbotsgesetz einforderte. Das tat die 51-Jährige auch. Keine Distanzierung gab es aber von Aktivitäten ihres Gatten Horst Jakob, der die rechtsextreme Zeitschrift «Fakten» herausgibt. Als dann auch noch bekannt wurde, dass Rosenkranz aus der katholischen Kirche ausgetreten ist, brauchte sich die ÖVP keine Sorgen mehr um Seitensprünge ihrer Anhänger in die Arme der FPÖ-Kandidatin zu machen.

Selbst Strache hält sich mittlerweile von Rosenkranz fern, kritisierte sogar, dass sie in ihren Aussagen zum Nationalsozialismus «nicht sehr präzise» gewesen sei. Die 35 Prozent, die der FPÖ-Chef als Ziel vorgegeben hatte, sind in unerreichbare Ferne gerückt. Derzeit wird Rosenkranz in Umfragen bei höchstens 15 Prozent gesehen. Das liegt auch am zweiten Fischer-Herausforderer: Rudolf Gehring von der Christlichen Partei Österreichs (CPÖ) versucht ebenfalls mit ausländer- und EU-feindlichen Positionen zu punkten.

Der frömmelnde Pensionist, der keinen Wahlkampfauftritt ohne Gebet absolviert und als Bundespräsident die Minister zum öffentlichen Beten verdonnern will, ist ebenfalls für ein Minarettverbot, bewundert aber die Muslime dafür, «dass sie sich nicht in diese versaute Gesellschaft integrieren wollen».

Fischer, der Übervater der Nation

Heinz Fischer mag früher eher ein Linker gewesen sein, aber jetzt steht er so glaubwürdig über den Dingen, dass selbst ÖVP-Politiker seine Wiederwahl befürworten. Als Übervater der Nation, der nur gelegentlich mahnend den Finger hebt, entspricht er ganz des Österreichers Sehnsucht nach einem Ersatzkaiser.

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