Schweiz
Diese ungeschriebene Regel will Ständeratspräsident Hans Stöckli heute brechen

Heute ist die erste Session des neuen Ständerats. Die 22 neuen Mitglieder des Bundeshauses dürfen die ersten Wochen lang nicht zu Wort kommen - das möchte Ständeratspräsident Hans Stöckli (SP) ändern.

Deborah Gonzalez
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Ratspräsident Hans Stöckli (SP Bern) setzt sich für die 22 Neulinge des Ständerats ein und ist auch gewillt, dafür ungeschriebene Gesetze zu brechen.

Ratspräsident Hans Stöckli (SP Bern) setzt sich für die 22 Neulinge des Ständerats ein und ist auch gewillt, dafür ungeschriebene Gesetze zu brechen.

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Bei der heutigen Session bricht der Ständerat einen Rekord: 22 von insgesamt 46 Mitgliedern nehmen zum ersten Mal Platz in der Kammer. Darunter auch der grüne Flügel, der mit fünf neuen Mitgliedern vertreten ist. Das stellt den Ratsbetrieb vor Probleme, denn eigentlich gilt die ungeschriebene Regel, dass Neulinge bei den ersten Sessionen nicht zu Wort kommen können.

Insgesamt drei Wochen sollen sich die Neugewählten den Debatten enthalten und wer sich nicht daran hält, wird schnell bestraft. Ein Unding, wie der künftige Ratspräsident Hans Stöckli (SP) im SRF-Interview findet: «Das kann ja nicht sein, dass eine ganze Gruppe während einer ganzen Session nichts sagen kann.»

Deshalb sei auch er gut beraten, wenn er die Regel zwar beachte, aber auch so auslege, dass der politische Betrieb nicht gestört wird. «Das heisst, dass man in wichtigen Geschäften, mit Rücksicht auf diese spezielle Situation, die Wortmeldung nicht verteufelt.»

Aargau Knecht Hansjörg (SVP, 73'692 Stimmen, links im Bild) Burkart Thierry (FDP, 99'372 Stimmen, rechts im Bild)
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Appenzell Ausserrhoden Andrea Caroni (FDP, 11'490 Stimmen)
Appenzell Innerrhoden Daniel Fässler (CVP, bereits am 28. April 2019 gewählt)
Basel-Landschaft Maya Graf (Grüne, 32’581 Stimmen)
Basel-Stadt Eva Herzog (SP, 37'230 Stimmen)
Bern Werner Salzmann (SVP, 154'586 Stimmen, links im Bild) Hans Stöckli (SP, 157'750 Stimmen, rechts im Bild)
Freiburg Johanna Gapany (FDP, 31'122 Stimmen) Christian Levrat (SP, 38'337 Stimmen)
Genf Lisa Mazzone (Grüne, 45'998 Stimmen) Carlo Sommaruga (SP, 41'839 Stimmen)
Glarus Thomas Hefti (FDP, 7544 Stimmen) Mathias Zopfi (Grüne, 5684 Stimmen)
Graubünden Stefan Engler (CVP, 30'033 Stimmen) Martin Schmid (FDP, 26'629 Stimmen)
Jura Elisabeth Baume-Schneider (SP, 8895 Stimmen) Charles Juillard (CVP, 7630 Stimmen)
Luzern Andrea Gmür (CVP, in stiller Wahl bestätigt) Damian Müller (FDP, 65'784 Stimmen)
Neuenburg Philippe Bauer (FDP, 11’044 Stimmen) Céline Vara (Grüne, 10'035 Stimmen)
Nidwalden Hans Wicki (FDP, stille Wahl)
Obwalden Erich Ettlin (CVP, stille Wahl)
St. Gallen Paul Rechsteiner (SP, 62'750 Stimmen, links im Bild) Beni Würth (CVP, 77'893 Stimmen, rechts im Bild)
Schaffhausen Hannes Germann (SVP, 17'333 Stimmen) Thomas Minder (parteilos, 14'813 Stimmen)
Schwyz Othmar Reichmuth (CVP, 19'582 Stimmen) Alex Kuprecht (SVP, 24'695 Stimmen)
Solothurn Pirmin Bischof (CVP, 42'234 Stimmen) Roberto Zanetti (SP, 42'666 Stimmen)
Tessin Marina Carobbio Guscetti (SP, 36'469 Stimmen) Marco Chiesa (SVP, 42'552 Stimmen)
Thurgau Brigitte Häberli-Koller (CVP, 43'434 Stimmen) Jakob Stark (SVP, 37'913 Stimmen)
Die gewählten Ständeräte im Überblick
Waadt Olivier Français (FDP, 86'354 Stimmen) Adèle Thorens Goumaz (Grüne, 83'031 Stimmen)
Wallis Marianne Maret (CVP, 48'402 Stimmen) Beat Rieder (CVP, 52'355 Stimmen)
Zug Peter Hegglin (CVP, 19'909 Stimmen) Matthias Michel (FDP, 17'206 Stimmen)
Zürich Daniel Jositsch (SP, 216'679 Stimmen) Ruedi Noser (FDP, 185'276 Stimmen)

Aargau Knecht Hansjörg (SVP, 73'692 Stimmen, links im Bild) Burkart Thierry (FDP, 99'372 Stimmen, rechts im Bild)

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Auch in einem weiteren Punkt will Stöckli, der heute zum Präsidenten des Ständerats gewählt wird, einen anderen Weg einschlagen als vorgesehen: «Es gibt Geschäfte, wo es niemanden mehr gibt, der die eingereichten Minderheitsanträge begründen kann, weil alle Autoren der Anträge weg sind.»

Besonders markant sei dieses Problem bei der Debatte über das Datenschutzgesetz in der dritten Sessionswoche.«Wenn jemand Neues in diesem Rat diese Minderheit als unterstützungswürdig anschaut, bin ich gut beraten, wenn ich diesem Mitglied das Wort erteile», sagt Stöckli.

So könne er die Möglichkeit schaffen, diese Minderheit zu begründen. «Auch vom Präsidenten sind kreative Lösungen gefordert.» Nebst dem Rekord, wird der neue Ständerat in den kommenden drei Wochen wohl auch die strengen Regeln brechen oder zumindest lockern.

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