Betreuung

Diese Kantone betreuen ihre Heimbewohner besser – und sparen damit Geld

Alltag in den Schweizer Heimen 9,3 Tabletten nimmt ein Heimbewohner über 65 im Schnitt pro Tag.

Alltag in den Schweizer Heimen 9,3 Tabletten nimmt ein Heimbewohner über 65 im Schnitt pro Tag.

8.55 Franken kosten die Medikamente eines Pflegeheimbewohners über 65 im Durchschnitt pro Tag. Mit dem System eines Vertrauensapothekers lassen sich pro Heimbewohner und Tag Fr. 1.50 Franken sparen.

Dass sich durch pharmazeutische Betreuung der Patienten nicht nur die Gesundheit verbessern kann, sondern auch Kosten sparen lassen, liegt auf der Hand: Der Pillenmix (Polypharmazie) erhöht das Risiko für gefährliche Wirkungen. Und er führt auch zu unnötigen Therapien, weil Nebenwirkungen als neue Symptome behandelt werden. Trotzdem sind in vielen Kantonen die Bewohner von Pflegeheimen mit ihren Medikamenten auf sich allein gestellt.

Nicht im Kanton Freiburg und im Wallis, wo 2002 beziehungsweise 2008 ein Modell eingeführt wurde, das national Schule machen könnte: Jedes Pflegeheim verfügt über einen eigenen «Vertrauensapotheker», der für die Medikation der Heimbewohner mitverantwortlich ist und zwischen ihnen, Ärzten und Pflegepersonal moderiert. Oftmals erweisen sich diese Schnittstellen als Problem: Wird ein Patient vom Spital entlassen, erhält er neue Medikamente. Zurück im Heim, kommt der Hausarzt, der den Patienten gut kennt und weiss, welche Therapie seit Jahren funktioniert. Der Arzt ändert die Liste ab.

Der Vertrauensapotheker, der Medikamente, Dosierung und Nebenwirkungen kennt, prüft die Verträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und den Zweck neuer (und alter) Therapien – wobei der Arzt entscheidet, welche Medikamente er verschreiben will.

Tiefere Medikamentenkosten

Das Walliser Modell ist vergleichbar mit dem Dienst des Kantonsspitals Aarau, bei welchem eine Apothekerin die Medikamente der Heimbewohner kontrolliert und mit der Heimärztin abgleicht (siehe Text links). Weil aber jeder Kanton unterschiedliche Regeln kennt und nicht jedes Heim über einen eigenen Arzt verfügt, ist die Organisation oft schwierig: Per Gesetz darf der Patient den Arzt frei wählen. Das führe auch in den Walliser Heimen dazu, dass verschiedene Ärzte die Bewohner behandeln.

«Je mehr Ärzte in einem Heim ein- und ausgehen, desto länger geht es, bis das System fruchtet», sagt Marianne Eggenberger von Santésuisse. Sie hat sich mit dem Fall Wallis auseinandergesetzt und kommt zum Schluss, dass sich «das System auf jeden Fall lohnt». Deshalb honoriere Santésuisse die Leistungen der Apotheker.

Das funktioniert so: Das Heim zahlt dem Vertrauensapotheker Fr. 1.10 pro Tag und Bewohner. Diese Pauschale erhält das Heim von der Krankenkasse vergütet. Es handle sich um eine Mischrechnung, sagt Eggenberger. In jedem Heim gebe es Patienten mit einfachen und komplexen Behandlungen.

Das System lohnt sich, wie Zahlen der Santésuisse zeigen. Seit das System im Wallis eingeführt wurde, konnten die Medikamentenkosten pro Heimbewohner und Tag um F.r 1.50  gesenkt werden. Also von Fr. 8.70 im Jahr 2009 auf Fr. 7.20 2016. Der Grund dafür: Unter Kontrolle des Apothekers fallen überflüssige Medikamente weg. Zudem wechselt er teure Originalpräparate mit gleichwertigen Generika aus.

Initiative muss von Heim kommen

Wieso sind andere Kantone noch nicht aufgesprungen? Hauptgrund ist wohl, dass Heime wie Kantone sehr unterschiedlich funktionieren. Nicht überall erfolgt die Abrechnung der Medikamente pauschal, nach Anzahl Patienten pro Heim. Viele Heime entrichten Medikamente patientenspezifisch. Sie werden dann auch entsprechend von den Krankenkassen vergütet. In diesem Fall haben Heime einen geringen Anreiz, die Medikamentenkosten zu senken.

Und weil ein Systemwechsel von den Heimen ausgehen muss, fehlt vielerorts ein Anreiz. Noch. Marianne Eggenberger von Santésuisse weist darauf hin, dass bei den Heimen der finanzielle Druck steige und sich mehr und mehr die Frage stelle, wie viel Geld für Medikamente ausgegeben wird. Vor allem aber müsse auch die Qualität für Heimbewohner stimmen. Die pharmazeutische Betreuung biete beides.

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