Lebensmittel

Diese grossen Fleischskandale erschütterten das Vertrauen der Konsumenten

Es kam im Aargau zu unter anderem zur Neu-Etiketierung von abgelaufenen Fleischprodukten. Doch in Europa haben ganz andere Skandale für Aufsehen gesorgt. (Symbolbild)

Es kam im Aargau zu unter anderem zur Neu-Etiketierung von abgelaufenen Fleischprodukten. Doch in Europa haben ganz andere Skandale für Aufsehen gesorgt. (Symbolbild)

Der Fleischskandal im Aargau sorgt für Aufruhr. Ehemalige Mitarbeiter der Manor-Filiale in Baden sind in fast 4000 Betrugsfälle verstrickt. In Europa gab es im 20. und 21. Jahrhundert immer wieder einmal Betrugsfälle mit Lebensmitteln, die für Aufsehen sorgten.

Im Warenhaus Manor in Baden haben fünf ehemalige Mitarbeiter abgelaufene Fleischprodukte neu etikettiert und konventionelles Fleisch als Bio-Fleisch ausgegeben.

Den Beschuldigten wird von der Aargauer Staatsanwaltschaft vorgeworfen, während fünf Jahren Fleisch mit abgelaufenem Verkaufs- und Verbrauchsdaten neu etikettiert und wieder zum Verkauf angeboten zu haben. Pro Woche seien so rund 3 bis 4 Kilogramm Fleisch umgepackt worden.

Es ist nicht der erste Fleischskandal, der für Aufsehen sorgt. In Europa wurden in den vergangenen Jahrzehnten so einige Betrugsfälle aufgedeckt. Die Schlimmsten haben wir in diesem Artikel zusammengetragen.

1. Sülze aus Fleischabfällen

Einer der ersten datierten Fleischskandale wurde im Juni 1919 in Hamburg durch Zufall aufgedeckt. Der Industrielle Jacob Heil stellte aus verdorbenen Fleischabfällen Sülze her und verkaufte diese nach dem Ersten Weltkrieg an die hungernde Bevölkerung. 

Die Bekanntmachung des Skandals führte zu den so genannten Sülzeunruhen. Die Reichwehrs schlug sie brutal nieder, 80 Menschen starben. Der Fleischfabrikant Heil wurde vom Gericht im Oktober 1919 zu drei Monaten Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt.

Fleischskandal 1919 in Hamburg

 

2. Rinderwahnsinn

Als einer der grössten Lebensmittelskandale ging die Rinderseuche BSE, auch Rinderwahnsinn genannt, in die Geschichte ein. Erstmals wird BSE 1985 von einem britischen Tierarzt beschrieben. Als diese tödliche Erkrankung des Gehirns 1986 den seither gebräuchlichen Namen Bovine Spongiforme Encephalopathie (kurz BSE) erhält, werden bereits 60 kranke Tiere gezählt, im folgenden Jahr sind es 400. Bis zum heutigen Tag wird die Zahl der seit Ausbruch der Seuche erkrankten Rinder europaweit mit etwa knapp 180'000 Tieren angegeben.

Aus Angst vor Ansteckung wurden Tausende Tiere getötet. Der Konsum von Rindfleisch ging drastisch zurück. Als Auslöser der Krankheit gilt die Verfütterung von Tiermehl und Tierfett, was 2001 europaweit verboten wurde. 

1993: Der helle Rinderwahnsinn

3. Fleischskandal in München

2005 finden Ermittler bei einer Razzia in einem bayrischen Betrieb Schlachtabfälle in einem Kühlhaus für Lebensmittel. Die für den Verzehr ungeeigneten Abfälle wurden zu Lebensmitteln umdeklariert und nach ganz Europa verkauft. Dabei handelt es sich gemäss «Spiegel» um 2000 Tonnen Schlachtabfälle von Schweinen und Geflügel.

Fleischskandal in München im Jahr 2005

Fleischskandal in München im Jahr 2005

4. Gammelfleisch in Dönerkebabs

Eine Firma im bayrischen Wertingen hat im Zeitraum von Juni 2006 bis August 2007 rund 200 Tonnen für den menschlichen Verzehr ungeeignetes Fleisch umetikettiert und in Umlauf gebracht. Der Vorfall wurde in den deutschen Medien als «Gammelfleisch» bezeichnet und erhioelt ein grosses Medienecho auf der ganzen Welt. 

Wie spätere Ermittlungen zeigten, wurde das «Gammelfleisch» vorwiegend zur Herstellung von Dönerkebab in Berlin verwendet. Der Verkäufer aus Bayern wurde zu zwei Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Tricks mit Fleisch

5. Pferdefleisch-Skandal

Anfang 2013 werden erstmals in Grossbritannien Spuren von Pferdefleisch in Fleischprodukten gefunden, die nicht als solches deklariert waren. Nach und nach schwappt der Skandal auf andere europäische Länder - darunter auch die Schweiz - über.

Betroffen sind insbesondere Tiefkühlprodukte und Saucen mit Hackfleisch wie Lasagne oder Sauce Bolognese. Folge ist eine europaweite Rückrufaktion und ein grosser Vertrauensverlust in die Fleischindustrie.

Pferdefleisch-Skandal von 2013

 

6. Carna-Grischa-Skandal

Der Bündner Fleischhändler Carna Grischa sorgte für den grössten Fleisch-Skandal in der Schweiz. Carna Grischa hat im Zeitraum von Ende 2009 bis im Juli 2013 ungarisches Poulet als schweizerisches verkauft, Pferde- statt Rindfleisch geliefert, Gefrier- als Frischprodukte deklariert und Verfallsdaten manipuliert.

Abnehmer der Fleischprodukte waren Hotels und Restaurants in der Ostschweiz und in den Regionen Zürich und Aargau. Der Fleischhändler ging wegen den Folgen der Affäre 2015 konkurs. 27 Mitarbeiter verloren Ende Juni 2015 ihre Jobs. Im vergangenen November wurden zwei Geschäftsführer der Firma verurteilt. 

Nach den Vorwürfen der Falschdeklaration nimmt Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspräsident der Carna Grischa AG, vor den Medien stellung.

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