Kontrovers
Diese Genfer SVP-Hardlinerin attackiert mit Blocher das Völkerrecht

Die 35-jährige Céline Amaudruz vertritt die Genfer SVP im Nationalrat und macht an der Seite von Christoph Blocher Schlagzeilen für die SVP-Initiativprojekt «Landesrecht vor Völkerrecht». Und nimmt Morddrohungen in Kauf.

Denise Lachat
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Céline Amaudruz politisiert am rechten Rand der SVP.

Céline Amaudruz politisiert am rechten Rand der SVP.

Keystone

Es soll Parlamentarier geben, die geraten beim Anblick der blonden Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz in Wallung. Andere geraten in Wallung ob ihrer Politik. «Sie macht alles kaputt, was in Genf über Jahre hinweg parteiübergreifend aufgebaut worden ist», schimpft der Grüne Ueli Leuenberger, der ebenfalls den Kanton Genf im Nationalrat vertritt. Die traditionell gemässigte Genfer Asylpolitik, Genf als Hort der Menschenrechte, der Flüchtlingskonvention – hinter der charmanten und jovialen jungen Frau erkennt Leuenberger eine gefährliche, reaktionäre und fremdenfeindliche Politikerin, die ihn aus dem Stand in Rage bringt.

Céline Amaudruz, die im engen SVP-Shirt im roten Jeep mit weissem Schweizer Kreuz durch Genf fährt und per Megafon für die Ausschaffung krimineller Ausländer wirbt. Céline Amaudruz, die an der Seite von alt Nationalrat Christoph Blocher in Bern vor den Medien das SVP-Initiativprojekt «Landesrecht vor Völkerrecht» vertritt. An ihrem Berner Auftritt formulierte sie jenen Satz, der ihr im Westschweizer «Matin» einen bitterbösen Kommentar einbrachte – und persönlich anonyme Morddrohungen. «Per Post, und das nicht zum ersten Mal», seufzt Amaudruz zwei Tage später bei einem Gespräch mit der «Nordwestschweiz» in Genf. Es gehe doch nicht, dass die Schweiz zur Gefangenen der Menschenrechte werde, hatte Amaudruz in Bern gesagt.

Aspekt der Sicherheit

Im Gespräch verteidigt sie die höchst erstaunliche Aussage damit, dass sie ganz auf den Aspekt der Sicherheit gemünzt gewesen sei. Sie stelle nicht das zwingende Völkerrecht infrage und verlange auch keine Kündigung der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), sagt die studierte Juristin. Doch wenn man Pädophilen nicht verbieten könne, mit Kindern zusammenzuarbeiten, weil das gegen die Menschenrechte verstosse, dann bestehe sie auf ihrer Meinung, «dass wir in diesem Falle Gefangene sind».

Auf den Einwand, dass dies eine Verkürzung der Zusammenhänge sei, entgegnet sie flugs, die SVP werde in den Medien ebenfalls stets in Verkürzungen dargestellt. Ja, die SVP: Seit Céline Amaudruz vor vier Jahren das Präsidium der lange von internen Querelen geschüttelten Genfer Sektion übernahm, haben sich die Reihen nach aussen geschlossen, und die Partei hat ein Aushängeschild, das neben der populistischen Genfer Bürgerbewegung MCG besteht.

Amaudruz ist ein Siegertyp

Das Rennen in den Genfer Regierungsrat machte dann zwar der Kandidat des MCG und nicht die SVP. Doch so rasch wird Amaudruz nicht aufgeben. Sie sei ein Siegertyp, sagt die passionierte Sportlerin von sich. Wasserski, Schwimmen, Tennis, Reiten, Jogging: Für ihren täglichen Sport steht die Politikerin, die bei der UBS in einem Teilzeitpensum als Vermögensverwalterin arbeitet und mit fünf Stunden Schlaf über die Runden kommt, nicht selten um 4.30 Uhr auf. Das habe sie wohl von der Mutter geerbt, sagt Amaudruz und lacht. «Wenn wir einmal ausschlafen, dann stehen wir um halb sieben auf.» Mit dem Vater teilt sie nicht immer die Ansichten, aber die Partei: Michel Amaudruz, ein bekannter Genfer Anwalt, sass für die SVP im Verfassungsrat.

Er war es auch, der seine Tochter ins Spiel brachte, als ihm der damalige Genfer SVP-Chef sagte, es fehlten noch Frauen auf der Kantonsratsliste. Tochter Céline sagte halbherzig zu und fand dann doch Spass an der Kandidatur. Spätestens an der ersten Ratssitzung habe sie die Leidenschaft gepackt, versichert sie. 2011 gelang ihr der Sprung nach Bundesbern, wo sie sich entgegen der Usanz gleich ans Mikrofon wagte und eine flammende Rede gegen weitere Rauchverbote hielt, notabene als Nichtraucherin. Dabei hätten ihr die Beine geschlottert, gesteht die zierliche Frau, die dezent geschminkt zum Gespräch gekommen ist und ausgesprochen ruhig und höflich argumentiert.

Imagepflege in Bern

Das Bild kontrastiert mit jenem aus Bern, wo die 35-Jährige oft im knappen Tenue durch die Wandelhalle stöckelt und mit ätzenden Argumenten ficht. Oder radikale Vorstösse einreicht: das Einsetzen eines Chips bei gefährlichen Straftätern etwa. Sie nehme in Kauf, dass man sie als Hardlinerin bezeichne, trotzdem pralle Kritik nicht einfach an ihr ab. Darum passt sie inzwischen in Bundesbern auch besser auf ihr Image auf – «mehr als ein Mann dies müsste», fügt sie an.