Handball

Die Nottwilerin Gianna Calchini spielt neu in Dänemark Handball und kämpft mit der Sprachbarriere, der Konstanz und um die Nationalmannschaft

Gianna Calchini (am Ball) spielt neu für DHG Odense in Dänemark.

Gianna Calchini (am Ball) spielt neu für DHG Odense in Dänemark.

Nach vielen Jahren bei den Spono Eagles wagt sich Gianna Calchini nun an ihr erstes Abenteuer im Ausland. In Odense, Dänemark, erlebt sie eine Professionalisierung. Aber nicht auf allen Ebenen.

Die Sprachbarriere ist vorhanden. Vor allem in der Defensive, in der im Handball sehr viel kommuniziert werden muss. Gianna Calchini kann noch fast kein Dänisch, arbeitet aber mit Hochdruck daran, sich das handball-spezifische Vokabular anzueignen. «Wenn es schnell gehen muss, dann sagst du halt das, was dir zuerst in den Sinn kommt. Das ist dann meistens der englische Ausdruck», sagt die Nottwilerin.

Nicht ihr erstes Ausland-Abenteuer

Aber die Spielerinnen der DHG Odense versuchen, Calchini schnell zu integrieren. Sie ist neu in der Mannschaft, weil sie in der Stadt Odense ihr Masterstudium in Brand Management & Marketin Communication absolviert. Für zwei Jahre ist sie da und spielt beim dortigen Klub aus der 1. Division, der zweithöchsten Liga, Handball.

Nachdem sie 2018 während eines Semesters in Norwegen war und dort mit einer Mannschaft in Trondheim trainierte, sich aber nicht recht integrieren konnte, ist nun vieles anders. Die Spielerinnen in Odense seien sehr nett und hilfsbereit, sagt Gianna Calchini. Das habe wohl auch damit zu tun, dass alle wissen, dass sie nun zwei Jahre in dieser Mannschaft spielen werde und sich die Integration auch lohnt. In Norwegen sei das anders gewesen, da sie nach einem halben Jahr sowieso wieder weg gewesen sei. Calchini sagt:

Einen weiteren Grund, dass sie so schnell Anschluss im Team gefunden hat, sieht Calchini darin, dass sie sich selbst auch mehr Gedanken gemacht hat, als vor zwei Jahren. Dennoch sei plötzlich alles sehr schnell gegangen. Lange wusste sie nicht, ob sie nach Odense oder in eine andere Stadt gehen würde, um ihr Studium zu absolvieren. Mittlerweile ist sie aber sehr froh, in Odense zu sein. Auch von der Stadt mit rund 180'000 Einwohnern schwärmt sie und sagt, dass man gut «lädele» und «käfele» kann. Zudem habe sie sich ein Velo gekauft. Mit diesem fährt sie jeweils auch zum Training.

Die Stadt Odense lädt zum Flanieren und Verweilen ein.

Die Stadt Odense lädt zum Flanieren und Verweilen ein.

Das Zuhause vermisst sie bisher nicht allzu fest. Mit den heutigen technischen Voraussetzungen könne man dem Heimweh auch vorbeugen. Mit ihrer Familie telefoniert sie regelmässig, mit ihren besten Freundinnen verabredet sie sich zum Brunch am Sonntag – via Skype.

Das Auf und Ab: Die Sache mit der Konstanz

Zurück zur Mannschaft von DHG Odense und der Integration Calchinis: Sie kam in den bisherigen Freundschafts-, Cup- und Meisterschaftspartien sehr viel zum Einsatz und durchlebte bereits beide Seiten der Emotions-Skala. Sehr gute wie aber auch bescheidene Spiele halten sich die Waage. Nach der ersten Meisterschaftspartie anfangs September berichtete Calchini vom ersten Sieg und von einer zufriedenstellenden Leistung. Am vergangenen Samstag gab es allerdings dann die erste Niederlage und Calchini sparte mit Selbstkritik nicht. Man hätte gewinnen können, sei aber noch zu wenig konstant und habe in der Verteidigung «ein Chaos» gehabt.

Gianna Calchini (rechts) wünscht sich noch mehr Konstanz.

Gianna Calchini (rechts) wünscht sich noch mehr Konstanz.

Sie selbst wird am Mittwoch 26 Jahre alt und gehört damit zu den ältesten Spielerinnen im Kader von Odense. Zudem ist die Mannschaft auf diese Saison hin ordentlich durchgemischt worden, viele neue Spielerinnen kamen hinzu. Da fehlen die Abstimmungen noch und eben auch die Konstanz. Calchini sagt aber, dass sie zuversichtlich sei, was den Verlauf der Saison anbetrifft. Das erklärte Ziel des Vereins ist es, unter die ersten drei zu kommen und damit an den Aufsteigsspielen teilzunehmen.

Nati-Aufgebot vor Corona

Bei Odense spielt sie unter anderem auch wegen Martin Freulund Albertsen. Der Däne ist Nationaltrainer bei den Schweizer Handballfrauen und hat ihr den Kontakt zum Verein vermittelt. Seit ihrem Wechsel hatte Calchini noch einmal Kontakt mit ihm. Hofft sie, dank des Engagements in Dänemark, demnächst für das Nationalteam aufgeboten zu sein? Vor dem durch das Coronavirus bedingten Lockdown wäre sie in der Nati aufgeboten gewesen, jetzt sind Spielerinnen, die auch auf ihrer Position spielen können, wieder fit. Sie sagt:

Nach etlichen Jahren bei ihrem Stammverein den Spono Eagles ist Calchini nun in einem Land zuhause, in welchen Handball ein ganz anderes Standing geniesst. Bei den Männern, aber auch bei den Frauen. Die Mannschaft aus der zweithöchsten Liga trainiert vier Mal, dazu drei Mal im Kraftraum. Das ist eine Einheit mehr als bei Spono. Auch sonst ist vieles professioneller als in der Schweiz. Calchini erzählt, dass die Spielerinnen im Training genau wissen, was ansteht – auf fünf Minuten genau. Dank einer App, in der sie die Trainingsintensität bewerten kann, weiss die Physiotherapeutin, die in jedem Training dabei ist, ganz genau, wann die Spielerinnen allenfalls in die Gefahr einer Überbelastung laufen. Und so teilen sie dem Coach mit, welche Übungen die entsprechende Spielerin im Training auslassen soll. Darüber staunte Calchini nicht schlecht.

Mitgliederbeitrag und andere Feedback-Kultur

Nicht schlecht gestaunt hat sie allerdings auch nicht, als sie erfuhr, dass sie einen Mitgliederbeitrag bezahlen muss. Rund 30 Franken im Monat blättert sie hin. Spesen geschweige denn Lohn gibt es bei DHG Odense nicht.

Hingegen werde ein anderer Handball gespielt. Physischer sei er, sagt Calchini. Wohl deshalb ist auch eine Einheit mehr im Kraftraum eingeplant, als noch zuhause in der Schweiz. Dazu sagt sie: «Ich weiss nicht, ob mir das entgegenkommt», und lacht herzhaft. Auch die Feedback-Kultur sei anders, «viel netter», als sie es sich gewohnt gewesen sei. Wieder muss sie lachen.

Das zeigt, dass in Dänemark vieles anders ist, als hierzulande. Gianna Calchini fühlt sich in Odense aber wohl, trotz Sprachbarriere und noch nicht vorhandener Konstanz.

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