Eidg. Wahlen

Die Wahlen in der Romandie: Grüne Coups, SVP-Schocks und die Folgen eines Nordkorea-Skandals

Triumphaler Einmarsch der Ständeratskandidaten an der Universität Genf: Carlo Sommaruga (SP) und Lisa Mazzone (Grüne) liegen nach dem ersten Wahlgang in Front.

Triumphaler Einmarsch der Ständeratskandidaten an der Universität Genf: Carlo Sommaruga (SP) und Lisa Mazzone (Grüne) liegen nach dem ersten Wahlgang in Front.

In den Westschweizer Kantonen kam es bei den Eidgenössischen Wahlen gleich zu mehreren faustdicken Überraschungen. Im Kanton Genf haben die Grünen die FDP als wählerstärkste Partei abgelöst. Und in Freiburg muss ein Polit-Urgestein abtreten.

Der Einzug war triumphal. Die beiden Nationalräte Lisa Mazzone (Grüne) und Carlo Sommaruga (SP), die für den Ständerat kandidieren, marschierten unter tosendem Applaus ins improvisierte Fernsehstudio in der Universität Genf. Ihre Anhänger, mit Sonnenblumen in den Händen, skandierten: «On est plus chaud que le climat!» – wir sind heisser als das Klima! Das absolute Mehr haben beide nicht erreicht, doch der grösste Konkurrent des linken Duos, der Freisinnige Hugues Hiltpold, liegt abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Dass es für den Ständeratskandidaten schwierig werden könnte, damit konnte die FDP rechnen. Überraschender ist die Ohrfeige bei den Nationalratswahlen. Die vor vier Jahren wählerstärksten Partei verliert einen Sitz, obwohl der Kanton wegen seines Bevölkerungswachstums einen zusätzlichen Vertreter nach Bern schicken darf.

Neue stärkste Macht im Kanton sind die Grünen. Sie gewinnen zwei Sitze hinzu und bringen es auf drei. Zudem können die Grünliberalen erstmals einen Parlamentssitz erobern. Für viele FDPler dürfte der Grund für die Schmach schnell gefunden sein: Die Affäre um ihren umstrittenen Staatsrat Pierre Maudet, der im Vorfeld der Wahlen für grosse Spannungen bei der FDP sorgte. Die SP muss ebenfalls einen Sitz im Parlament abgeben.

Der Schock in Freiburg

Auch andere Westschweizer Kantonen wurden von der grünen Welle erfasst. Für die wohl grösste Überraschung sorgte die Grüne Céline Vara in Neuenburg, die der SP den frei gewordenen Ständeratssitz abjagen konnte. Die FDP verteidigte ihren ebenfalls frei werdenden Sitz mit Philippe Bauer.

Derweil gelang dem ehemalige SVP-Nationalrat Yvan Perrin die Rückkehr ins Parlament nicht. In der Waadt dürften die Grünen gemäss Prognosen (Endresultate nach Redaktionsschluss, Anm. d. Red.) zwei Nationalratssitze hinzugewinnen. Die GLP gewinnt erstmals einen Sitz. Derweil ist Ex-Post-Chef Claude Béglé mit seiner Abwahl konfrontiert – wohl auch wegen seiner umstrittenen Fotos und Tweets aus Nordkorea, in denen er das Land lobte. Béglé wurde darauf heftig kritisiert.

In Freiburg wurde die SVP mit der Abwahl von Polit-Urgestein Jean-François Rime geschockt. Derweil müssen sich die Ständerats-Kandidaten Christian Levrat und Beat Vonlanthen einem zweiten Wahlgang stellen. Im Wallis war bei Redaktionsschluss noch nicht alles klar, die Grünen könnten aber erstmals einen Nationalrat stellen.

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