Wangen a.d. Aare

Die Verwaltung soll frisiert werden

Steht zur Diskussion: Soll das Innenleben des Gemeindehauses neu organisiert werden?

Wangen a.d. Aare

Steht zur Diskussion: Soll das Innenleben des Gemeindehauses neu organisiert werden?

Wangens Behörden stossen «fachlich und zeitlich» an ihre Grenzen, das hat ein Vergleich zwischen Gemeinden gezeigt. Nun will der Gemeinderat handeln und die Verwaltung ausbauen. Eine Idee, die an der Gemeindeversammlung heiss diskutiert werden dürfte.

Marisa Cordeiro

Der Wandel der Zeit lässt sich selbst von «Bürogummis» nicht einfach wegradieren: Deshalb sieht sich die Gemeinde Wangen an der Aare damit konfrontiert, die Gemeindestruktur neu zu organisieren. Will heissen: Sie gedenkt, den Verwaltungsapparat «aufzumotzen». Ja, Tuning ist in. Doch wer dabei an Bildschirm-Spoiler oder verchromte Mäuse denkt, ist weit von der Absicht entfernt. Viel mehr sollen ein Geschäftsführer und ein Bauverwalter den Gemeinderat entlasten, während dieser von gegenwärtig sieben auf fünf Mitglieder verkleinert werden soll.

Der Gemeinderat solle sich künftig aufs Strategische konzentrieren und die operativen Aufgaben an die Verwaltung abtreten können, schreibt der Gemeinderat in der Orientierungsschrift. An der Gemeindeversammlung soll die Idee vor- und zur Diskussion gestellt werden.

Milizsystem ist am Anschlag

Dass Wangens Behörden «fachlich und zeitlich überfordert sind», zu diesem Schluss kam auch das Büro Finances Publiques, das in der Zeit zwischen August 2007 und Oktober 2008 ein Benchmarking zwischen sechs vergleichbaren Gemeinden durchgeführt hat (wir berichteten). «Allmählich stösst das Milizsystem an seine Grenzen», folgert daraus Gemeindepräsident Fritz Scheidegger (SVP). Ein politisches Amt erfordere immer mehr Aufwand und Fachkompetenz. Gleichzeitig werde die Freizeit neben Beruf und Familie immer knapper. «Die zeitliche Belastung ist stets das Thema Nummer eins, wenn es darum geht, jemanden neu für ein Mandat zu gewinnen», weiss Scheidegger. «Wir wollen deshalb die Ämter wieder attraktiver machen, indem wir sie entlasten.»

Scheidegger nennt das Ressort Bau als Beispiel: Dort seien stets viele Besprechungen nötig, die meist davon könnten wegen den Milizen erst am Abend stattfinden. Ein Bauverwalter (80 Prozent) würde das Ressort erheblich entlasten, die Behördenwege verkürzen und die bisweilen unterstellte Trägheit der Behörden überwinden, sagt Scheidegger.

Wie aber rechtfertigen sich die 80 Stellenprozent, wenn beispielsweise Wiedlisbach - eine Gemeinde vergleichbarer Grösse - gegenwärig auch dabei ist, eine Bauverwalterstelle mit 20-Prozent zu schaffen? «Das hängt von den Aufgaben ab, womit der Bauverwalter betraut sein wird», sagt Scheidegger. In Wangen sollte ein Bauverwalter auch Personalführung, die Verwaltung öffentlicher Anlagen sowie die Baugesuche übernehmen. Scheidegger sagt: «Als Vergleich könnte man deshalb auch die kleinere Nachbarin, Oberbipp heranziehen. Dort gibt es auch einen Bauverwalter im 80-Prozent-Pensum.»

Neu könnte den drei Verwaltungsleitern (Finanz-, Bau- und Gemeinde-) zudem ein Geschäftsführer vorstehen, «der alle Stricke in den Händen hält», beschreibt Scheidegger. Die Position verstehe er als Drehscheibe nach oben und unten. Sie würde von einem der drei Verwaltungsleitern besetzt.

Verständnis für Skepsis

Ob dadurch die Geschicke der Gemeinde nicht unter die Fittiche der Verwaltung gerieten? «Natürlich besteht ein gewisses Restrisiko», gesteht Scheidegger und sagt, er habe Verständnis für ein solches Empfinden. «Allerdings ist es auch schwierig, wenn Milizen, und damit Laien die Chefs sind», gibt er zu bedenken. Natürlich gäbe es weitere mögliche Strukturmodelle, sagt Scheidegger. Doch gehe es gegenwärtig auch erst darum den Puls der Bevölkerung zu fühlen, hält er deutlich fest. Die Umsetzung würde nämlich etwa zwei Jahre dauern.

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