Der Skandal um den Pädagogen Jürg Jegge (74) jährt sich: Am 4. April 2017 machte sein ehemaliger Schüler Markus Zangger publik, wie ihn der einst gefeierte Sonderschullehrer sexuell missbraucht hatte. Ein Jahr später ist die Affäre nun juristisch abgeschlossen. Dieser Zeitung liegt die rechtskräftige Einstellungsverfügung vor.

Diese war bisher erst in Auszügen bekannt und liegt erst jetzt öffentlich auf. Sie wurde mit Verspätung rechtskräftig, weil sie nicht allen Parteien zugestellt werden konnte. Das Dokument zeigt, welche Spuren Staatsanwältin Corinne Kauf fand und weshalb sie diese nicht vor Gericht verwenden konnte.

Jürg Jegge gibt zu: «Es gab sexuelle Kontakte zu Markus Zangger»

Jürg Jegge Geständnis am 7. April 2017: «Es gab sexuelle Kontakte»

Ermittler gehen an die Wäsche

Eine Woche nach der Buchveröffentlichung im April 2017 führt die Staatsanwältin eine Hausdurchsuchung bei Jegge in Rorbas ZH durch. Die Ermittler finden einen Hinweis auf mögliche sexuelle Handlungen mit Kindern. Als sie Jegges Kleiderschrank durchwühlen, stossen sie auf eine Knabenunterhose. An ihr haften DNA-Spuren, mit denen die Ermittler ein DNA-Profil erstellen können. Das Gen-Material überlebt auch einen 60-Grad-Spülgang. Doch ein Abgleich mit der DNA-Datenbank führt zu keinem Treffer.

Zwei Tage nach der Hausdurchsuchung verhört die Staatsanwältin Jegge. Erst in Frage 129 konfrontiert sie ihn mit der Unterhose. Er antwortet, das Kleidungsstück müsse irrtümlich in seinen Schrank gelangt sein. Er habe früher eine Waschküche benutzt, die er mit drei anderen Wohnparteien geteilt habe. Seit einigen Jahren bringe er seine Kleidung in eine Wäscherei. Auf beiden Wegen habe die Kinderunterhose in seinem Schrank landen können.

In den vorangehenden Fragen hat er sexuelle Handlungen mit Kindern und Jugendlichen zugegeben. Es seien «weniger als zehn Schüler» gewesen. An die Namen der Jugendlichen könne er sich «nicht mehr genau erinnern», weshalb er dazu keine Angaben machen wolle. Jegge bestätigt allerdings, dass der damals minderjährige Zangger dazugehört habe. Nach 1985 habe er aber keine sexuellen Kontakte mit Minderjährigen mehr gehabt. Somit sind die Taten verjährt.

Eine Woche nach der Einvernahme ermittelt die Staatsanwältin bei der Stiftung Märtplatz die Personalien sämtlicher Lehrlinge, mit denen Jegge zu tun hatte. Es handelt sich um 160 Männer und 126 Frauen. Da sich Jegge nach der Buchpublikation als homosexuell geoutet hat, fokussiert sich die Staatsanwältin auf mögliche männliche Opfer. Sie filtert jene 18 Lehrlinge heraus, die beim Eintritt minderjährig waren. Die Polizei kontaktiert alle 18 Personen. Doch alle geben an, keine sexuellen Kontakte mit Jegge gehabt zu haben.

1000 Franken für DNA-Analyse

Die Staatsanwältin stellt die Untersuchung ein, weil sie ihm keine verfolgbare Tat nachweisen kann. Sie fordert von ihm aber die Kosten für das Verfahren, da er dieses ausgelöst habe. Es handelt sich um 4400 Franken, davon 1000 für die DNA-Analyse. Jegge hat anfangs bekannt gegeben, er werde die Rechnung anfechten. Doch schliesslich akzeptiert er sie. Sonst hätte sich ein Gericht mit der Affäre beschäftigen und weiter darin herumwühlen müssen.