Affäre Mörgeli
Die Universität Zürich kündigt Christoph Mörgeli und stellt ihn als Kurator frei

Der SVP-Politiker muss seinen Arbeitsplatz im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich räumen. Die Hochschule hat die Kündigung und die sofortige Freistellung von Mörgeli angekündigt. Er kann den Entscheid innert 30 Tagen anfechten.

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Pressekonferenz zum Fall Mörgeli
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Rektor der Uni, Andreas Fischer
Hautpgebäude der Uni Zürich, Raum E 13 Die Medien richten sich ein.
Die Kündigung von Chrisotph Mörgeli im Wortlaut

Pressekonferenz zum Fall Mörgeli

Keystone

Nach «medial ausgetragenen Konflikten und schweren Vorwürfen» von Mörgeli sei das Vertrauensverhältnis unwiederbringlich zerstört, sagte Andreas Fischer, Rektor der Universität Zürich vor den Medien. Mörgeli habe die Loyalitätspflicht verletzt, eine Rückkehr ins Museum sei undenkbar.

Deshalb erfolge die sofortige Freistellung, sagte Fischer weiter. Hauptursache für die Kündigung ist jedoch die von der Universität als ungenügend eingestufte Arbeitsleistung von Mörgeli als Kurator.

Die Kündigung erfolgt unter Einhaltung der sechsmonatigen Kündigungsfrist. Christoph Mörgeli werde die Kündigung anfechten, sagte sein Anwalt Valentin Landmann gegenüber Keystone/AWP.

Nicht betroffen von der Kündigung ist Mörgelis Stellung als Titularprofessor. Somit könnte er weiterhin an der Universität Vorlesungen halten.
Mörgeli war am Dienstag vergangener Woche in die Schlagzeilen geraten, nachdem der «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» Auszüge aus einem Bericht publik gemacht hatten. Darin war seine Arbeit als Konservator im Medizinhistorischen Museum der Universität Zürich kritisiert worden.
Er habe vom Bericht erst durch den «Tages-Anzeiger» erfahren, sagte Mörgeli darauf in den Medien, er sei «erstaunt über die Kritik». Später räumte er ein, dass er zwar im November 2011 mit Kritik konfrontiert worden sei. Den Bericht, aus dem der «Tages- Anzeiger» zitiert hatte, habe er aber erst am Dienstagabend erhalten.

Uni hat Strafanzeige eingereicht
Bei diesem Bericht handelt es sich um den sogenannten «Akademischen Bericht des Medizinhistorischen Instituts und Museums 2011». Dieser wurde nun von der Uni als Folge der bereits in die Medien gelangten Passagen zur Veröffentlichung freigegeben.

Gegen die unautorisierte Herausgabe des bis vor kurzem noch nicht freigegebenen Akademischen Berichts hat die Universität Zürich am Mittwoch Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Amtsgeheimnisverletzung erstattet, wie der Rektor ausführte. Dieser Bericht bilde jedoch nicht die Grundlage für Mörgelis Mitarbeiterbeurteilung, sagte Fischer.

Im Rahmen dieser Mitarbeiterbeurteilung war seit langem auf Freitag ein zweites Gespräch mit Mörgeli angesetzt worden. Aufgrund der Kündigung wäre das Gespräch jedoch «sinnlos» gewesen, sagte Rektor Fischer. Deshalb habe es nicht stattgefunden.

Uni weist Mobbingvorwürfe zurück
Wie der Rektor ausführte, hat Mörgeli der Universität sowie Mitarbeitenden der Universität Mobbing vorgeworfen. Zudem habe dieser geltend gemacht, er erhalte als SVP-Mitglied keine Unterstützung durch die Uni, er werde ungerecht behandelt und überdies habe es offensichtlich keinen Platz an der Uni für ein SVP- Mitglied.
Fischer wies die Mobbingvorwürfe aufs schärfste zurück. Die Uni habe alle personalrechtlichen Verfahren korrekt eingehalten. Dass Mörgeli prominentes Mitglied einer Partei sei, spiele für die Universität keine Rolle, sagte der Rektor. Laut Fischer bedauern sämtliche involvierten Personen und Institutionen die Vorkommnisse.

SVP-Präsident fordert Aufarbeitung
Für den Präsidenten der SVP Schweiz, Toni Brunner, ist die Entlassung von Christoph Mörgeli «skandalös» und «inakzeptabel», wie er gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Offensichtlich habe man eine «missbliebige Partei» treffen wollen.

Brunner fordert eine konsequente Aufarbeitung dieses «staatspolitisch höchst bedenklichen» Falles. Auch die SVP des Kantons Zürich verlangt in einem Communiqué, die politische Aufarbeitung der «unkontrollierten Vorgänge».

Die Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin des Universitätsrates, Regine Aeppli (SP), wollte den Entscheid nicht inhaltlich kommentieren. Sie sei aber froh, dass ein Entscheid gefällt worden sei und am Institut wieder Ruhe einkehren könne, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Kantonsratskommission will Auskunft
In ihrer Sitzung vom kommenden Donnerstag wird sich auch die Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit (ABG) des Zürcher Kantonsrates mit der Entlassung befassen. Zur Sitzung sind auch Regierungsrätin Aeppli und Unirektor Fischer aufgeboten worden.

Laut ABG-Präsident Hans-Peter Portmann (FDP, Thalwil) will sich die Kommission aus erster Hand über den Fall Mörgeli informieren. Eine aufsichtsrechtliche Untersuchung steht zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht zur Diskussion.(sda)