Tourismus
Die Überwindung des Gärtli-Denkens

Ein neuer Plan soll die Gästezahlen in den Bergdestinationen steigern

Anna Wanner
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Streit um ein geplantes Asylzentrum: Laax GR. KEYSTONE

Streit um ein geplantes Asylzentrum: Laax GR. KEYSTONE

Walter Schwager

Die Einsicht reift, dass der Tourismus in der Schweiz einer Auffrischung bedarf. Kost und Logis alleine reichten nicht mehr, sagte gestern der St. Moritzer Hotelier Sandro Bernasconi gegenüber der «Nordwestschweiz». Trotz dieser Einsicht fallen gerade den alpinen Tourismusgebieten zusehends die Gäste weg: Während die Hotelübernachtungen seit 2008 im Alpenraum um 13 Prozent zurückgingen, konnten Städte wie Basel oder Zürich die Gäste einigermassen halten.

Doch die Konzepte, wie die Touristen wieder in die Berge gelockt werden können, sind vielfältig. Die einen Hotels bauen den Wellness-Bereich aus, die anderen übertrumpfen sich mit Schnäppchen-Angeboten für Gratis-Bergbahnen und -Skischule. Hotellerie-Suisse-Präsident Guglielmo Brentel schlägt hingegen vor, sich von den «faulen Eiern» unter den Herbergen zu verabschieden, indem man die «hundslausigen Hotels» ausbluten lassen soll. So könne der Ruf der Schweizer Hotellerie geschützt werden, wie er dem «SonntagsBlick» sagte.

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) hat nun eine Road Map vorgelegt, in welcher sie darlegt, wo sie die Probleme ortet und wie diese am besten zu lösen wären. Neben dem viel beklagten starken Franken und den wirtschaftlich schwierigen Zeiten in Europa, die sich nicht verändern lassen, müssen laut SAB «grundlegende strukturelle Probleme» angegangen werden. SAB-Direktor Thomas Egger erklärt das so: «Der Gast von heute will am liebsten alles aus einer Hand.» Darum müssten sich in jedem Tourismusort die Leistungsträger zusammenschliessen – zum Beispiel zu einer Aktiengesellschaft, wie dies progressive Hoteliers oder Unternehmer in der Walliser Gemeinde Grächen oder in Laax machten (siehe Box).

Kooperation ist das Zauberwort. Das sieht nicht nur Egger so, auch Hotellerie-Suisse-Präsident Brentel. Was so leicht dahergesagt ist, verlangt von den einzelnen Beteiligten das schier Unmögliche: Wieso soll ein Hotelier seinen direkten Konkurrenten unterstützen, wenn dieser ihm am Ende die Kunden wegschnappt?

Das Gärtchen- und Konkurrenzdenken müsse zwingend durchbrochen werden, damit sich ein Tourismusort verkaufen kann, sagt Egger. Wie die Form der Zusammenarbeit genau aussehen soll, ist nicht in Stein gemeisselt. Je enger und vielschichtiger, desto besser. Reto Gurtner, Verwaltungsratspräsident und CEO des Erfolgsmodells Weisse Arena AG in Laax, kann das bestätigen. Er sagt aber, das bedinge eine gemeinsame Vision. Denn die Kooperation alleine dauere nur so lange, wie alles gut laufe. Geht es bergab, breche unter den Bergbahnen, Wirten und Sportartikelverkäufern ein Verteilkampf aus. Darunter leide am Ende der Gast. Der Vorschlag: Einerseits müsse der Schweizer Tourismus zurück zu seinen Wurzeln und die einmaligen Landschaften preisen. Gleichzeitig brauche jede Destination ihr Alleinstellungsmerkmal, ein eigenes Profil. Egger ist da anderer Meinung: Der Erfolg hänge vom Angebot ab. «Das beste Marketing nützt nichts, wenn das Produkt nicht stimmt.» Sowieso: Hoteliers, Beizer, Bergbahnen und Gewerbler müssen künftig am gleichen Strick ziehen.