Basel
«Die Testkäufe sind sehr hilfreich»

Im Baselbiet haben Alkohol- und Tabak-Testkäufe präventive Wirkung, sagt Irène Renz von der Gesundheitsförderung.

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Hans-Martin Jermann

Frau Renz, im Baselbiet sind bei über einem Drittel der Testkäufe Zigaretten an Minderjährige verkauft worden. Damit können Sie nicht zufrieden sein.
Irène Renz: Stimmt. Es ist für Minderjährige im Baselbiet nach wie vor zu leicht, an Zigaretten zu gelangen. Immerhin zeigt der Trend in die richtige Richtung: Bei den letztes Jahr erstmals durchgeführten Testkäufen wurde das Verkaufsverbot noch in mehr als der Hälfte der Fälle missachtet (siehe Box, d.Red.). Die Testkäufe haben also die gewünschte präventive Wirkung.

Tankstellenshops sowie klassische Tante-Emma-Läden befolgen das Tabak-Verkaufsverbot schlechter als Grossverteiler und Ketten. Weshalb?
Renz: Wir haben festgestellt, dass bei Grossbetrieben die Sensibilität grösser ist. Viele schulen ihr Personal systematisch und kennen bei Verstössen interne Sanktionen. Zudem werden an den Kassen Hinweisschilder angebracht. Dies ist in kleinen Läden oft nicht der Fall.

Ein Drittel missachtet Verbot

Von den 104 Läden und Shops, die im Baselbiet zwischen Februar und Juni 2009 getestet wurden, haben 38 (36,5%) Tabak an unter 18-Jährige verkauft. Bei der ersten Durchführung von Tabak-Testkäufen 2008 waren es noch 51 Prozent. Schlecht wird das Verbot laut Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion von Tankstellenshops eingehalten (12 Verkäufe bei 20 getesteten Shops); zudem verkaufen kleinere Läden öfter Zigaretten an Minderjährige (in 30 von 63 Fällen) als Grossverteiler und Ladenketten (in 8 von 41 Fällen). Die aktuelle Statistik für die Alkohol-Testkäufe, die von der Justizdirektion geführt wird, weist eine Verkaufsquote von 20 bis 25 Prozent auf. (haj)

Weshalb sind in Basel-Stadt mehr «schwarze Schafe» ins Netz gegangen, die Zigaretten und Alkohol an Jugendliche verkauft haben. Ist das eine Folge der Anonymität der Stadt?
Renz: Ich denke nicht. Ich könnte mir im Gegenteil vorstellen, dass auf dem Land die Versuchung grösser ist, Alkohol und Zigaretten an Minderjährige zu verkaufen, wenn diese dem Ladeninhaber bekannt und somit als Nicht-Testpersonen identifizierbar sind. Die im Vergleich zum Baselbiet höheren Verstoss-Quoten sind darauf zurückzuführen, dass die Testkäufe in der Stadt erstmals durchgeführt wurden, auf dem Land aber eine Tradition kennen.

Im Baselbiet wird das Verbot beim Alkohol besser beachtet als beim Tabak. Eigentlich unlogisch: Die Alterslimiten sind beim Alkohol nach Bier, Wein und Spirituosen getrennt und somit schwieriger umzusetzen.
Renz: Das stimmt grundsätzlich. Deshalb wünscht sich das Verkaufspersonal auch einheitliche Altersgrenzen beim Alkoholverkauf. Trotzdem wird im Baselbiet das Verkaufsverbot beim Alkohol besser beachtet als beim Tabak. Dies liegt daran, dass die Alkohol-Testkäufe seit mehreren Jahren durchgeführt werden. Die Baselbieter Läden wissen, dass der Kanton konsequent durchgreift, das Verkaufspersonal ist instruiert, und die Testkäufe sind in den Medien ein Thema. Bei der Durchsetzung des Alkoholverbots für Minderjährige sind wir auf gutem Weg.

Dennoch besteht grosses Verbesserungspotenzial. Mit welchen Massnahmen kann die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen beim Alkohol und Tabak forciert werden?
Renz: Die Testkäufe sind zwar sehr hilfreich. Die Verstösse gegen die Jugendschutzbestimmungen würden aber noch stärker abnehmen, wenn fehlbare Verkäufer angezeigt und gebüsst werden könnten. Die rechtliche Situation ist verworren: Das Kantonsgericht hat entschieden, dass Testkäufe nicht als Grundlage für strafrechtliche Verfahren in einem solchen Fall dienen dürfen. In diesem Punkt hoffe ich baldmöglichst auf eine Klärung durch das Bundesgericht. Eine andere Möglichkeit wäre, für den Tabakverkauf generell eine Bewilligungspflicht einzuführen. Doch das gibt es in der Schweiz noch nirgends. Beim Alkohol kennen wir im Baselbiet eine solche Bewilligungspflicht. Sie hilft dem Kanton angesichts der unklaren Rechtslage, gegen fehlbare Betriebe vorzugehen.

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