Ein Team um Politologe Marc Bühlmann vom Institut für Politikwissenschaften der Universität Bern untersucht seit Anfang Juni RSS-Feeds von über sechzig Schweizer Online-Medien aus drei Sprachregionen, wie die Berner Hochschule mitteilt. Dabei erhält der Abonnent Titel, kurze Textanrisse und Links zu Originalartikeln – ähnlich einem Nachrichtenticker.

Darauf haben die Berner Politologen die Kurztexte auf Parteinennungen und sechs zentrale Wahlkampfthemen untersucht: EU, Migration, Verkehr, Energie und Umweltschutz, Steuern und Abgaben sowie Sozialwerke. Seit Juni enthalten demnach etwa sieben Prozent der rund 8000 erstellten Feeds täglich Nennungen einer Nationalratspartei oder eines entsprechenden Wahlkampfthemas. – Womit sich entsprechend auch eine sogenannte Konjunktur der Wahlkampfthemen nachzeichnen lässt.

Wichtige Parteipräsidenten

Für eine erste Auswertung haben sich die Forscher die gesammelten Feeds von Ende Juni bis Mitte September angeschaut. Sie fanden drei Muster, wie Parteien sich erfolgreich in die Schlagzeilen bringen. Erstens berichten Medien gerne über Parteiereignisse wie Wahlfeste, den Rücktritt einer Bundesrätin oder die Einreichung einer Initiative.

Zweitens steigern Auftritte von Parteiexponenten wie Bundesräten oder Parteipräsidenten die mediale Aufmerksamkeit. Ob diese dabei überlegt vorgehen oder sich eher ungeschickt verhalten, spielt offenbar keine Rolle. Die Ergebnisse zeigen zum Beispiel eine hohe Präsenz der FDP, die grösstenteils dem nationalen Parteipräsident Fulvio Pelli und seiner Velo-Tour durch die Schweiz zu verdanken sei (auch das az Langenthaler Tagblatt berichtete).

Gezielt provozieren

Die dritte Strategie besteht darin, mit Aktionen und Stellungnahmen Reaktionen von anderen politischen Akteuren zu provozieren und sich so über längere Zeit in den Medien zu halten. Das Kalkül dabei: Auch Negativberichterstattung verhilft zu Medienaufmerksamkeit und soll so zumindest die eigene Wählerschaft mobilisieren.

Erwartungsgemäss dominiert hier die SVP die Berichterstattung in den Online-Medien. Die Volkspartei deckt alle drei Muster ab. Durch sehr rasche Reaktionen auf aktuelle Ereignisse und provokative Zuspitzungen erreiche die Partei Reaktionen von allen Seiten, folgern die Wissenschaftler der Uni Bern in ihrer Mitteilung. Den anderen Parteien gelinge dies nicht im selben Ausmass. (sda)