Die Suhre fliesst jetzt durch Aarau

Die Fusion Aarau-Rohr ist am 1. Januar mit einem Festakt vor dem Rathaus vollzogen worden

Seit dem 1. Januar gehören die Stadt Aarau und die
Gemeinde Rohr zusammen. Der Vollzug der Fusion ist am Neujahrstag mit einer offiziellen Feier vor dem Rathaus von beiden Seiten gewürdigt worden.

Hermann Rauber

Hunderte liessen sich vom nasskalten Wetter nicht abschrecken und harrten am frühen Abend des 1. Januar geduldig unter den Schirmen vor dem städtischen Rathaus in der stimmungsvollen Aarauer Altstadt aus. Man hatte sich beim Drehbuch für den Festakt alle Mühe gegeben und die Inszenierung an Hannes Leo Meier vom Verein Szenart delegiert. So erstrahlte das Rathaus im modernen Farbdesign, während ab Band über Lautsprecher Stimmen zur Fusion zu hören waren, die Hoffnungen, Erwartungen, aber auch Ängste oder gar Kritik enthielten. Originell war auch das Zusammenführen der Musikgesellschaft Rohr mit den Kolleginnen und Kollegen von der Aarauer «Harmonie».

Wasser und Musik verbinden

Als erste Rednerin trat Regina Jäggi, bisher Frau Gemeindeammann von Rohr und neu Stadträtin von Aarau, auf den Rathausbalkon. Passend zum Wetter stellte sie fest, dass «Wasser die Menschen verbindet», etwa durch die Wogen der Aare, die seit Jahrtausenden durch die Auenlandschaft fliessen. Oder die Suhre, deren Bett dank der Fusion von Aarau und Rohr jetzt mitten durch die Stadt verläuft. Ein Element der Gemeinsamkeiten sei aber auch die Musik. «Es liegt jetzt an uns, den richtigen Ton zu finden und einander zuzuhören, damit ein melodiöses, harmonisches Stück entsteht», sagte Jäggi.

Aarau hat endlich ein Dorf

Der Historiker und Festredner Pirmin Meier griff auf eine Urkunde aus dem Jahre 1036 zurück, die die «Mal- und Freistätte» zu Rore erwähnt, allwo der Landgraf der Landschaft Aargäu seinen Landtag abhielt. Daneben symbolisiere auch der «Turm zu Rore», heute noch Bestandteil des Aarauer Rathauses, ein Stück Freiheit. Wenn Rohr und Aarau sich heute vereinigten, dürfe dies «nicht auf ein blosses Nivellieren hinauslaufen», betonte Meier. Das Dorf Rohr werde nicht «wegglobalisiert», die dörfliche Kultur und Tradition werde bestehen bleiben und sich weiterentwickeln. Aber so wie Zürich (mit dem Ober- oder Niederdorf) habe nun endlich auch die Stadt Aarau «ein Dorf, das in die Stadt kommt». Mit Blick auf den Neujahrsbrauch des mitternächtlichen Dreschens wünschte sich der Redner, dass auch die vollzogene Fusion von Aarau und Rohr «Früchte tragen soll», denn die beiden Gemeinden gewännen nur dann, «wenn sie nicht nur an Masse gewinnen wollen». In jeder Vereinigung gelte es, neben der Pflege des Gemeinsamen auch «das Eigene zu bewahren».

Neue Ära der Zusammenarbeit

Der Aarauer Stadtammann Marcel Guignard erinnerte zum Schluss an den historischen Akt am gleichen Ort, als Peter Ochs vom Aarauer Rathausbalkon aus am 12. April 1798 die Helvetische Republik ausrief. Ein direkter Vergleich sei zwar vermessen, und doch gehe es «auf der Ebene der Gemeinden in unserer Region um eine neu angebrochene Ära, jene des Zusammenfindens». Heute träfen «zwei Vergangenheiten» zusammen und blickten in eine gemeinsame Zukunft. Mit dem aus dem Sport bekannten Motto «Gring abe u seckle» komme man in der Politik nicht weit. «Wir stossen uns so nur selber und unser Gegenüber vor den Kopf», sagte Guignard. Vielversprechender sei die Maxime «Respekt vor der Vergangenheit zu bewahren und verantwortungsbewusst für die Zukunft zu handeln».

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