Raver-Herzen zucken, morgen steigt in Zürich die 28. Ausgabe der Street Parade. Zwar sprechen die eher trüben Wetteraussichten am Samstagnachmittag für Zuschauerzahlen, die deutlich unter der letztjährigen Millionenmarke bleiben. Trotzdem: Die Parade ist der grösste wiederkehrende Anlass der Schweiz unter freiem Himmel. Und ein Anlass mit mehreren Hunderttausend Besuchern geht nicht emissionsfrei über die Bühne.

Zwar versteht sich die Parade primär als politische Demonstration für Liebe, Frieden, Freiheit und Toleranz. Nun, im Jahr, in dem die Klimajugend die Umwelt zum grossen Thema gemacht hat, schreibt sich auch die Street Parade den Klimaschutz auf die Fahne. Erstmals will das OK Speiseabfälle zu Biogas verwerten. «Wir sammeln die Reste direkt bei den Essensständen ein und auch der Abfall wird nach Wertstoffen getrennt. Alles, was kompostierbar ist, wird nach der Parade zu einer Biogasanlage gebracht», sagt der Parade-Sprecher Stefan Epli.

Kein Depotsystem für Geschirr und Becher

Die Parade unterstreicht auch ihre nachhaltige Infrastruktur. So wurde Holz vom letztjährigen Wintersturm «Burglind» verwendet für den Bau der Hauptbühne. Teile davon standen bereits beim Züri Fäscht in der Stadt. Die durch die motorisierten Love Mobiles verursachten Emissionen werden laut OK mit Zahlungen in Klimaprojekte der Organisation Myclimate kompensiert.

Bleibt die Frage, weshalb führt die Parade nicht ein Depotsystem ein für Trinkbecher, Geschirr und Besteck? «Wir haben uns immer wieder Überlegungen in diese Richtung gemacht», betont Epli. «Aber es ist leider nicht machbar an der Parade, sie ist schlicht zu gross.» Epli nennt zwei Gründe: Zum einen müssten die Besucher Geschirr und Becher wieder zurückgeben, was zu mehr Geläuf und Bewegung in der zum Teil dicht gedrängten Menschenmasse führe.

Zum andern müssten solche Rückgabestationen immer mit ausreichend Münz versorgt werden, was beim Getümmel in der Parade, die sich mitten in der Stadt befindet und auch noch in Bewegung ist, schlicht unmöglich sei.

Epli kennt die Parade seit ihrem Beginn 1992. Er glaubt, einen Wandel beim Verhalten der Besucher zu erkennen: «Früher war die Grundhaltung die, den Abfall kann man einfach auf den Boden werfen, danach kommt ja sowieso die Putzequipe.» Das habe sich mit den Jahren verbessert. «Heute sehen sich die Besucher um nach einem Abfallcontainer und entsorgen ihren Müll dort.» Voraussetzung ist, dass überall genügend solcher Behälter stehen. So kommen dieses Jahr noch einmal 100 grosse Container dazu.

Klimafranken mittels Konsum

Neben Sponsoring finanziert sich die Parade vor allem vom Getränkeverkauf, Eintritt kostet der Umzug keinen. Zudem verspricht die Parade, dass pro verkauftes Getränk ein Franken in die Umwelt fliessen würde. Überschüsse landen als Spende bei lokalen Hilfsorganisationen.