Aarau
Die Stadt Aarau wird Mehrheitsaktionär bei den Busbetrieben BBA

Die Stadt Aarau wird Mehrheitsaktionärin bei der Busbetrieb Aarau AG. Der Einwohnerrat stimmte mit 25 Ja gegen 22 Nein dem Kauf der BBA-Anteile von Suhr, Erlinsbach und Buchs zu.

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BBA Aarau

BBA Aarau

Aargauer Zeitung

Hermann Rauber

Noch vor zwei Jahren wollte eine Mehrheit des Stadtparlamentes die Aarauer BBA-Aktien verkaufen. Das rief die SP auf den Plan, die mit ihrer Volksinitiative «Der Busbetrieb Aarau gehört uns allen!» den Spiess umdrehte. Das Begehren erreichte an der Urne eine Mehrheit von 76,8 Prozent der Stimmenden, die nicht nur die bisherigen Anteile halten wollte, sondern den Stadtrat dazu anhielt, «weitere Aktien des BBA zu Marktpreisen zu erwerben», falls diese zum Verkauf angeboten werden.

Genau mit dieser Situation sah sich die Behörde durch die Offerten der Nachbargemeinden Suhr, Buchs und Erlinsbach konfrontiert. Allerdings zu Konditionen, die im Einwohnerrat zu reden gaben. Denn der Kanton hatte seinen Anteil (11 Prozent) zu Beginn des Jahres an das private Aargauer Transportunternehmen Knecht AG verkauft, zu einem Preis, der um 320 Franken pro Aktie gelegen haben dürfte. Das brachte die Gemeinden auf den Geschmack, sie erhöhten ihr Angebot von einst 240 auf neu 320 Franken.

«Zu teuer», meinte Mario Serratore (FDP), der «Markt» spiele in diesem Falle nicht, das gebundene Kapital - immerhin 1,7 Millionen Franken - werfe keinen Ertrag ab, die Mitsprache der Aktionäre sei gering, weil der Kanton als Besteller im öffentlichen Verkehr das letzte Wort habe. Die FDP sei nicht grundsätzlich gegen einen Kauf, «aber nicht zu jedem Preis», sagte Serratore. Gleicher Meinung war laut Sonja Eisenring die CVP. Der effektive Substanzwert einer BBA-Aktie liege bei rund 200 Franken, die Partei habe unter diesen Bedingungen «kein Interesse» an einem solchen Handel.

Anders tönte es bei den Sozialdemokraten. Lotty Fehlmann Stark pochte auf die Volksintiative, die klar zum Ausdruck gebracht habe, dass der Busbetrieb Aarau im Besitz der öffentlichen Hand bleiben müsse. Es gehe um die Gewährleistung des Service public und um die regionale Verankerung. Ein privates Unternehmen bringe in diesem Fall «nicht die richtige Geschäftslogik» mit. Aarau könne als künftige Mehrheitsaktionärin durchaus mitreden und habe beim Kanton «direkte Einflussmöglichkeiten». Fehlmann drohte mit dem Referendum, falls der Rat sich nicht zu einem Kauf entschliessen könne.

Kein Verständnis für die Privatisierung des öffentlichen Verkehrs in der Region Aarau hatte auch Therese Dietiker (EVP/EW). Für Micha Siegrist (Grüne) war klar, dass der Kauf mit dem Volksbegehren «zwingend» gegeben ist. Je länger man zuwarte, desto teurer komme die ganze Sache. Marc Alain Bonorand (SVP) hingegen mochte mit Blick auf die gebotenen 320 Franken nicht von einem «Marktpreis» reden. Das Geschäft sei mit «finanziellen Risiken» verbunden, es mache überhaupt keinen Sinn, die Mehrheit der Aktien an der Busbetrieb Aarau AG zu erwerben, ein «Zusatznutzen» sei nicht erkennbar.

Stadtammann Marcel Guignard erinnerte daran, dass im Text der Volksinitiative keine Obergrenze für den Anteil der Stadt Aarau fixiert worden sei. Der Stadtrat sei lediglich «gehalten», weitere Aktien zu Marktpreisen zu erwerben respektive mitzubieten. Entscheiden müsse abschliessend der Einwohnerrat. Was dieser nach gewalteter Diskussion auch tat. Er stimmte dem Kauf der BBA-Aktien mit 25 Ja gegen 22 Nein bei 2 Enthaltungen knapp zu. Damit erhöht Aarau seinen Anteil am Kapital des Busbetriebs von bisher knapp 36 auf neu 52,62 Prozent, die Stadt wird damit zum Mehrheitsaktionär.

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