Stadion Zürich
Die Stadion-Volksaktie hat ein Vorbild

Fürs neue Hardturm-Stadion hofft die Stadt Zürich auf einen zweistelligen Millionen-Beitrag von Fussballfans – eine Folge des Debakels mit der CS.

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Matthias Scharrer

Und wieder plant die Stadt Zürich ein neues Hardturm-Stadion: Nach dem Scheitern des gemeinsam mit der Credit Suisse (CS) jahrelang vorangetriebenen Projekts Stadion Zürich mit integriertem Einkaufszentrum setzt sie nun auf ein reines Fussballstadion. Sie will es in eigener Regie bis frühestens 2014 erstellen.

«Fehlende Wirtschaftlichkeit»

Das Projekt Stadion Zürich ist beerdigt. Jahrelang hatten Anwohner, vertreten durch die IG Hardturmquartier, mit Rekursen dagegen angekämpft. Statt in Jubel auszubrechen, betont Monika Spring, Präsidentin der IG Hardturmquartier gegenüber «Tagesanzeiger.ch»: «Wir sind nie ans Bundesgericht gelangt, es war die CS, die sogar zweimal das Bundesgericht anrief, als wir nicht mehr weitergezogen hätten. Daher brachte nicht das Rechtsverfahren, sondern die fehlende Wirtschaftlichkeit das Projekt zu Fall.» Fakt ist: Anfang 2004 zogen Credit Suisse und Stadt Zürich den Fall «Stadion Zürich» ans Bundesgericht weiter. Das war das Aus für Euro-08-Spiele beim Hardturm. Damals ging es ums Verkehrsregime - für die Wirtschaftlichkeit des Stadion-Projekts mit Einkaufszentrum zentral. Das Bundesgericht bestätigte später die vom Regierungsrat angeordnete deutliche Reduktion der Autofahrten. Seither dümpelte das Projekt seinem Ende entgegen. (mts)

Zur Finanzierung des 100-Millionen-Projekts setzt die Stadt auf eine «Volks-Aktiengesellschaft». Konkret: Die Stadt Zürich beteiligt sich mit 5 Millionen Franken, die beiden Fussballklubs FCZ und GC mit je 2,5 Millionen, dazu könnten weitere Investoren kommen. 10 bis 15 Millionen Franken sollen zudem Fans beisteuern, indem sie Aktien erwerben. Das so angehäufte Eigenkapital von 20 bis 25 Millionen Franken würde es ermöglichen, den Rest mit Krediten zu finanzieren. Das ist die Idee.

«Wenn Firmen allein investieren, ist der emotionale Brückenschlag zur Bevölkerung nur schwer möglich. Das ist die Mutter der Idee», erklärte Alfons Sonderegger, Generalsekretär des Stadtzürcher Finanzdepartements, gestern auf Anfrage. Mit Tausenden von fussballbegeisterten Kleinaktionären sähe dies anders aus.

Sonderegger zieht einen Vergleich zum Zürcher Kongresshaus: Die Aktien der Betriebsgesellschaft Kongresshaus AG sind breit gestreut. Für die 1019 Aktionäre - 638 haben eine einzige Aktie gezeichnet - bringt der finanzielle Einsatz nebst Dividende und einem Essensgutschein vor allem emotionale Bindung an das Haus. «Von der Emotionalität her ist das aber eine kleinere Geschichte als ein Fussballstadion. FCZ und GC hätten mit ihren Fans ein viel grösseres Potenzial», so Sonderegger.

Als Alternative zum Hardturm-Stadion liegt auch das Projekt Duplex-Arena auf dem Reissbrett vor, eine Kombination aus Fussballstadion und Eishockey-Halle. Für die Stadt Zürich ist dies jedoch nach wie vor keine Option. Zum einen müsste die Stadt der CS dafür auf dem Hardturm-Areal viel Land abkaufen, «und das wäre sehr teuer», so Sonderegger.

Verhandlungen mit dem ZSC «auf gutem Weg»

Zum anderen sei die Stadt «in intensiven Verhandlungen» mit der ZSC-Spitze. Es geht um den Bau einer Eishockey-Arena. Die Verhandlungen seien «auf gutem Weg».