Analyse

Die SRG-Gegner verlieren ihr Feindbild

Im Herbst 2017, noch vor Erreichen des Pensionsalters, wird de Weck sein Amt abgeben.

Im Herbst 2017, noch vor Erreichen des Pensionsalters, wird de Weck sein Amt abgeben.

die Analyse zum baldigen Wechsel an der SRG-Spitze.

Es kann nicht schaden, wenn man zuerst denkt und dann handelt», wurde Roger de Weck einmal in einem Porträt zitiert. Es klang wie ein Leitspruch: Nie in den vergangenen fünfeinhalb Jahren als SRG-Generaldirektor hielt er eine Rede, die ungeschliffen daherkam, nie wusste er auf eine Frage keine Antwort (auch wenn er oft ausweichend antwortete), nie brachte ihn eine Anfeindung sichtlich aus dem Konzept.

Und auch jetzt wirkt alles gut durchdacht: Im Herbst 2017, noch vor Erreichen des Pensionsalters, wird de Weck sein Amt gemäss «NZZ am Sonntag» abgeben. Die SRG bestätigt zumindest entsprechende Überlegungen. Zwar kursieren Gerüchte, sein baldiger Rücktritt erfolge nicht so freiwillig, wie es das Sonntagsblatt darstellt – vielmehr forciere die aus Medienministerin Doris Leuthard und dem künftigen SRG-Präsidenten Jean-Michel Cina bestehende CVP-Connection einen Wechsel. Wie dem auch sei: de Wecks Ablösung hat Sinn.

Denn auch wenn der 62-Jährige einer der brillantesten Köpfe im Schweizer Medienzirkus ist: Dem Ruf der SRG hat er eher geschadet als genutzt. Obwohl er auf drei Generaldirektoren mit CVP-Parteibuch folgte, entpolitisierte der Parteilose das Amt nicht etwa, sondern er setzte die SRG mit seinem streitbaren Auftreten noch stärker dem aufziehenden Sturm aus. Bereits vor seiner Wahl wurde er als «Euroturbo» verschrien und von der SVP ultimativ zu einer Aussprache aufgefordert. Bis heute hörten die Angriffe nie auf. Roger de Weck war daran nicht schuldlos: Mit seiner elitär und zuweilen überheblich wirkenden Art gab er seinen Gegnern ein ideales Feindbild ab.

Entscheidender dafür, dass seine Bilanz bestenfalls gemischt ausfallen kann, ist freilich etwas anderes: Viel zu lange wähnte de Weck seine SRG in Sicherheit. Die immer lauter werdende Kritik vor allem an den überhöhten Billag-Gebühren antizipierte er nicht – als Bildungsbürger konnte er sich wohl schlicht nicht vorstellen, dass der Service public jemals so sehr in die Kritik geraten könnte. Jener Service public, der in seinen Augen allein befähigt ist, den Zusammenhalt des viersprachigen Landes zu bewahren.

Die SRG will in Zukunft wohl wieder demütiger auftreten

Im Unterschied zu de Weck ist Gilles Marchand, der bisherige Direktor des Westschweizer Radios und Fernsehens und designierte Nachfolger, zumindest in der Deutschschweiz ein unbeschriebenes Blatt. In der vergifteten Service-public-Debatte, während der die Verleger de Weck auch schon den «Krieg» erklärten, kann dies eine Chance sein: Hatte man sich von de Weck 2011 noch erhofft, er möge der unter Vorgänger Armin Walpen manchmal schwer fassbaren SRG ein Gesicht geben, lässt die Ernennung Marchands zum Kronprinzen nun nämlich eher eine entgegengesetzte Strategie vermuten – genauso wie die Überlegung, die Stelle nicht auszuschreiben, sondern auf dem Berufungsweg zu vergeben: Die SRG will in Zukunft wohl wieder demütiger auftreten.

Ob sich die Wogen allein damit glätten, ist dennoch fraglich – zu klar abgesteckt sind die Positionen, zu verhärtet die Fronten. Die komplette SVP und weite Teile der FDP haben sich den Kampf für eine bescheidener alimentierte SRG auf die Fahne geschrieben, auf der Gegenseite fechten SP, Kleinparteien und die CVP (mit Ausnahme von Präsident Gerhard Pfister).

Harte Schlachten stehen bevor: Ende 2017 läuft die gegenwärtige Konzession aus, voraussichtlich 2018 kommt die «No Billag»-Initiative zur Abstimmung. Und nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von letzter Woche muss sich der Bundesrat noch einmal mit der Beteiligung der SRG an der Werbeallianz Admeira befassen, der auch Swisscom und Ringier angehören. Gilles Marchand ist nicht zu beneiden.

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