Nationalrat

Die SP-Neulinge im Bundesparlament: Der Juso-Schreck und die Jungsozialistin

Der Nationalrat hat zwei neue Mitglieder

Der Zürcher Daniel Frei und die Baselbieterin Samira Marti legten am Montag den Amtseid ab.

Daniel Frei und Samira Marti heissen die neuen SP-Nationalräte. Sie politisieren ganz unterschiedlich.

Daniel Frei ist gestern mitsamt Familie nach Bern gereist. Der 39-Jährige trat die Nachfolge von Chantal Galladé an, die seit Kurzem als Präsidentin eines Winterthurer Schulkreises amtet. Seiner Vorgängerin steht er politisch nahe. Wie sie zählt er zum sozialliberalen Flügel der Partei. «Politik ist für mich Mitgestaltung und Zusammenarbeit ohne ideologische Scheuklappen», sagt Frei, der in Uster lebt.

Grundwerte wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität seien zentral, man dürfe sich gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Neuerungen gegenüber jedoch nicht verschliessen. Die Partei brauche reformorientierte Kräfte, genauso wie sie auch die anderen Kräfte brauche. «Dieser Breite hat sie ihren Erfolg zu verdanken.»

«Dicke Haut zugelegt»

Wie kräftezehrend Konflikte zwischen den unterschiedlichen Strömungen sein können, hat Frei als Präsident der Zürcher SP erlebt. Zwischen Regierungsrat Mario Fehr und den Jungsozialisten musste er immer wieder schlichten.

Mal ging es um eine Spionagesoftware, mal um ein Burkaverbot oder um Fehrs angeblich harte Politik abgewiesenen Asylsuchenden gegenüber. «Ich sah mich als Integrationsfigur», sagt Frei, der nicht die lauten Töne sucht. Es entspreche seinem Wesen, das Verbindende zu betonen. Als seine Vermittlungsversuche keinen Erfolg mehr zeigten, zog er die Konsequenzen.

Anfang 2017 trat er nach viereinhalb Jahren im Amt ernüchtert zurück. «Ich habe in dieser Zeit viel gelernt und mir dabei eine dickere Haut zugelegt.»

Frei sei eine angenehme Person, sagt Hans-Jakob Boesch, Präsident der Kantonalen FDP. «Er kann gut auf andere zugehen und mit anderen zusammenarbeiten.» SVP-Nationalrat Claudio Zanetti bestätigt dies. «Er ist anständig und sachorientiert – einfach ein guter Typ.» Ebenso positiv äussert sich EVP-Nationalrat Nik Gugger. Frei sei engagiert, konziliant und lösungsorientiert.

Der Ratsneuling hat durch seine Mitarbeit in der Geschäftsleitung der SP Schweiz erste Kontakte nach Bern geknüpft. Nun will er im Parlamentsbetrieb möglichst rasch Fuss fassen. Von seiner Vorgängerin übernimmt er den Sitz in der Sicherheitspolitischen Kommission. «Das passt gut», sagt er und erwähnt, dass er sich bereits im Rahmen seines Studiums in Politikwissenschaft und später als Gemeinderat in Niederhasli mit Sicherheitsfragen auseinandergesetzt hat.

Daneben will er sich für den sozialen Zusammenhalt engagieren, den er angesichts populistischer Tendenzen gefährdet sieht. Und er wünscht sich eine engagiertere Debatte darüber, welche Rolle die Schweiz in Europa spielen soll. «Wir lösen immer nur anstehende Probleme, verdrängen aber die Grundsatzfrage, nämlich ob wir Teil des europäischen Integrationsprozesses sein wollen oder nicht.»

Im Hinblick auf sein Engagement in der grossen Kammer hat Daniel Frei sein berufliches Pensum als Geschäftsleiter Zweckverband Sozialdienste im Bezirk Dielsdorf reduziert. Vor einer Woche ist er zudem aus dem Kantonsrat ausgeschieden. Familie, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen, werde eine Herausforderung, sagt Frei, der mit einer SP-Kantonsrätin in einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern lebt. «Unser Alltag wird sich verändern.»

Die jüngste Nationalrätin

Frei ist also ein Nationalrat der leisen Töne, die Zürcher Juso machten ihm einst das Leben schwer. Er kommt vom sozialliberalen Flügel – und ist damit das Gegenteil seiner Parteikollegin Samira Marti. Die 24-jährige Baselbieterin ist seit gestern die jüngste Nationalrätin der Schweiz.

2016 verlor sie die Wahl zur Juso-Präsidentin gegen Tamara Funiciello. Damals wurde sie als ruhig, überlegt und analytisch beschrieben, ihre Konkurrentin als pointierter und frecher. Diese Schubladisierung wurde Marti indes kaum gerecht. Denn dieselben Medien schrieben auch schon vom «Marti-Vulkan». Emotionsgeladen und unerschrocken stellt die Neo-Nationalrätin auch schon mal Parteigrössen wie SP-Chef Christian Levrat oder Ständerat Claude Janiak (SP/BL) in den Senkel.

Marti studiert an der Uni Zürich Wirtschaftswissenschaften. Die Volkswirtschaftslehre liefere für das Verständnis des gesellschaftlichen Zusammenlebens wichtige Grundlagen. Um die Welt zu verändern, diene ein Wirtschaftsstudium mehr als ein Deutschstudium.

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