Affäre Mörgeli
Die Sörgeli des Professor Mörgeli - und wer sie ihm abnehmen soll

Christoph Mörgeli, SVP-Nationalrat und Titularprofessor an der Uni Zürich, steht vor einer entscheidenden Woche. Nun steht seine fristlose Kündigung im Raum. Nun sollen seine Freunde den Medizinhistoriker retten.

Stefan Schmid
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Christoph Mörgeli im Medizinhistorischen Museum an der Zürcher Rämistrasse.

Christoph Mörgeli im Medizinhistorischen Museum an der Zürcher Rämistrasse.

Sabina Bobst

Christoph Mörgeli, SVP-Nationalrat und Privatdozent an der Uni Zürich, steht vor einer entscheidenden Woche. In den kommenden Tagen muss er bei seinem direkten Vorgesetzten Flurin Condrau antraben, den Mörgeli letzte Woche in einem Interview mit der «Nordwestschweiz» mit schweren Mobbingvorwürfen eingedeckt und eine Strafuntersuchung gegen ihn gefordert hat. Auch Uni-Rektor Andreas Fischer dürfte am Gespräch anwesend sein. Im Raum steht gemäss «Sonntag»-Recherchen Mörgelis fristlose Entlassung.

Ihm wird laut einer von der Universität verfügten ausserordentlichen Leistungsbeurteilung «mangelnde Arbeitsleistung» vorgeworfen. Mörgeli soll seine Arbeit als Professor und Museumsleiter systematisch vernachlässigt haben, vor allem zum Nachteil der weltweit grössten medizinhistorischen Sammlung, für deren Pflege Mörgeli als Konservator verantwortlich ist. Noch sei nichts entschieden, hielt die Universität gestern in einem Communiqué fest.

Claudio Schmid wieder aktiv

Christoph Mörgeli will sich nicht zu den Anschuldigungen äussern. Er verwies auf Anfrage der «Nordwestschweiz» auf die Aussagen der Universität. Dafür legen sich Parteifreunde für den SVP-Politiker ins Zeug. Das sei eine «unglaubliche Attacke» auf einen der profiliertesten Politiker, sagte Parteipräsident Toni Brunner. Er sehe die ganze Affäre als Mobbing an. Nebst Brunner hat sich auch Claudio Schmid eingeschaltet. Der Mörgeli-Vertraute sitzt für die SVP im Zürcher Kantonsrat. Er knöpft sich CVP-Nationalrätin Kathy Riklin vor.

«20 Minuten» kritisiert Mörgeli

Diese hatte sich vergangene Woche in «20 Minuten» kritisch zum Fall Mörgeli geäussert. In einem Mail, das der «Nordwestschweiz» vorliegt, verlangte Schmid, gegen den im Zusammenhang mit der Affäre Hildebrand ein Strafverfahren wegen Verletzung des Bankgeheimnisses läuft, von Riklin Erklärungen. Die CVP-Frau sitzt im Universitätsrat, der in besonders heiklen Fällen über Entlassungen von Dozenten entscheidet.

Schmid ist auch sonst kein Unbekannter. Er gelangte in der Hildebrand-Affäre zu nationaler Berühmtheit, als er im Bülacher Horse-Pub den Zürcher Oberstaatsanwalt Martin Bürgisser belauschte und dessen Äusserungen über Christoph Blocher Nationalrat Mörgeli übermittelte. Dem Vernehmen nach soll auch die SVP-nahe «Weltwoche» der CVP-Politikerin Riklin auf die Pelle rücken. Übrigens: Gegen seine Entlassung könnte Mörgeli innert 30 Tagen bei der Rekurskommission der Zürcher Hochschulen rekurrieren.