Keine Worte des Bedauerns, kein «Please don’t go», nichts dergleichen war gestern von der offiziellen EU zum «Schwexit», dem symbolischen Rückzug des EU-Beitrittsgesuch zu erfahren. Nur ein nüchternes «Wir nehmen den Entscheid des Parlaments zur Kenntnis - er wiederspiegelt die de facto Situation» gab es von Seiten der Kommission.

Schade. Dies, zumal Jean-Claude Juncker ja ein Freund der Schweiz ist, wie der Kommissionspräsident mehrmals erklärte. Nun ja, es war auch nicht wirklich anders zu erwarten. Seit 24 Jahren liegt das Dokument, unterzeichnet vom damaligen Bundespräsidenten René Felber, in einer Schublade in Brüssel.

Von den EU-Beamten wurde es zuweilen gar vergessen. So brauchte es beim Nachfragen hie und da auch einige Anschubhilfe, um überhaupt auf die Existenz des aus Sicht manch eines Schweizers kontroversen Schriftstücks zu sprechen zu kommen.

Zumindest im EU-Parlament mochte man sich aber dazu äussern, dass die Schweizer nun «reinen Tisch» machen, wie es FDP-Nationalrat Damian Müller ausdrückte. Andreas Schwab, CDU-Europaparlamentarier: «Der Beschluss sollte nicht überwertet werden. Die Dinge bleiben so wie sie sind». Zumal ja jeder wisse, dass die Schweiz «in den nächsten 20 Jahren der EU nicht beitreten wird», so Schwab.

Der Baden-Württemberger liess jedoch auch etwas Bedauern durchblicken, dass die Schweiz sich mit solch «irrationalen Debatten» beschäftige. Das findet auch Norbert Lins, ebenfalls CDU-Europaparlamentarier. Lins: «Wenn die Schweiz Symboldebatten führen will, dann soll sie das machen». Er ist sich denn auch sicher, dass der Rückzug des Beitrittsgesuchs in Brüssel kaum Resonanz findet und auch die Verhandlungen über die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative nicht tangieren wird.

Derselben Meinung ist übrigens auch Staatssekretär Mario Gattiker, der gestern in Brüssel im gemischten Ausschuss die Anwendung der Personenfreizügigkeit besprach. Er gehe nicht davon aus, dass der Rückzug des Beitrittsgesuchs das Verhandlungsklima beeinflussen werde, so Gattiker. Die nicht ganz ernstgemeinte Frage, ob er das Beitrittsgesuch gleich mit nach Hause nehme, liess er unbeantwortet.