Als Treffpunkt für ein Gespräch schlägt Nicola Forster «The Corner» vor, eine kleine, gemütliche Kaffeebar im Universitätsviertel von Zürich. Der 26-jährige Jurist trägt Anzug und Krawatte und signalisiert damit seinen Anspruch, dass er trotz seines jungen Alters ernst genommen werden will.

Nicola Forster hat im Herbst 2009 den Verein «Forum Aussenpolitik» gegründet und sich inzwischen als kreativer Ideenlieferant für das Schweizer Aussenministerium und eine interessierte Öffentlichkeit etabliert.

«foraus» besteht aus 400 Mitgliedern, vorwiegend Jungakademikern aus allen Schweizer Universitäten. Sie verfassen in ihrer Freizeit umfangreiche Diskussionspapiere und organisieren Tagungen zu aktuellen aussenpolitischen Themen - und tragen so das Wissen aus dem Elfenbeinturm in die Schweizer Politik und in die Medien hinaus.

Die Idee für seinen aussenpolitischen Thinktank kam Forster vor drei Jahren, als er auf nationaler Ebene für die Jungparteien die Personenfreizügigkeits-Kampagne koordinierte. Sein Jura-Studium an der Uni Zürich sah er immer in Verbindung zur Politik.

«Ein Einstieg in die Juristerei hat mich nie gereizt», gibt Forster zu. «Ich wollte lernen, wo die Hebel sind und wo man ansetzen muss, um institutionell etwas bewirken zu können», sagt er.

Kritik am Schweizer Milizsystem

Während der Freizügigkeitskampagne merkte Forster, dass im Schweizer Milizsystem die Kompetenz fehlt, um wissenschaftliche Studien zu komplexen aussenpolitischen Fragen zu verfassen.

Die Parteien würden die Aussenpolitische Kommission leider oft stiefmütterlich behandeln und ihre Schwergewichte lieber in andere Kommissionen schicken, kritisiert der 26-Jährige. Den Milizpolitikern fehle zudem die Zeit, um diese zusätzliche Arbeit zu leisten.

Anders als ausländische Thinktanks mit gut dotierten Vollzeitstellen arbeiten die Mitglieder von «foraus» ehrenamtlich. Nur zwei Festangestellte und zwei Praktikanten beziehen einen fixen Lohn. «Ich verdiene 3000 Franken im Monat», präzisiert der Jurist auf Anfrage. Die Denkfabrik finanziert sich über Mitglieder- und Gönnerbeiträge sowie Zuschüsse von Stiftungen.

Das Forum hat bisher neun Studien veröffentlicht. Am meisten Echo fand laut Forster die Studie zur sicherheitspolitischen Zusammenarbeit der Schweiz mit der EU. Der Thinktank führte im Vorfeld mit allen Bundesratsparteien Hearings durch, Parlamentarier überwiesen später eine entsprechende Motion an den Bundesrat.

Der neue Thinktank produziert wissenschaftliche Analysen, leitet aber immer auch konkrete Politikempfehlungen ab. Im Herbst empfahl das Forum, die Schweiz solle Palästinas UNO-Mitgliedschafts-Initiative unterstützen. Die jungen Denker bewiesen damit, dass sie auch kontroverse Themen nicht anzugehen scheuen.

Bevor die Berichte veröffentlicht werden, holen die Jungakademiker jeweils Feedback von Praktikern im Aussenministerium sowie von etablierten Universitätsprofessoren ein.

Bessere Vertretung in Brüssel

Nach der Ära Calmy-Rey übernimmt nun ein neuer Aussenminister das EDA. Für Nicola Forster ist die Europafrage zurzeit die grösste aussenpolitische Baustelle. «Die Schweizer Präsenz in Brüssel muss verstärkt werden», fordert er, «die Schweiz sollte auch beim Decision-shaping in wichtigen Gremien in Brüssel vertreten sein.»

Auch bezüglich des Mythos Neutralität ist der 26-jährige Denker äusserst flexibel. «Neutralität darf nicht die heilige Kuh der Schweiz sein», so Forster. «Wenn der Schweiz etwas wirtschaftlich nützt, ist sie wohl auch bereit, ein kleines bisschen ihrer Souveränität preiszugeben», spricht der «foraus»-Präsident einer pragmatischen Aussenpolitik das Wort, bei der die nationalen Interessen im Vordergrund stehen sollen, nicht alte Zöpfe.