Bahnverkehr

Die Schweiz ist nicht das zügigste Zug-Land

Im Gotthard-Basistunnel erreichen Züge eine Geschwindigkeit von 160 bis 200 km/h. (Archivbild)

Im Gotthard-Basistunnel erreichen Züge eine Geschwindigkeit von 160 bis 200 km/h. (Archivbild)

Die SBB gelten international als Vorzeige-Bahnbetrieb. Doch in Sachen Tempo fahren sie anderen Ländern hinterher.

Zisch-Zisch statt nur Tschu-Tschu: In Asien gehören ultraschnelle Eisenbahnen schon seit Jahren zum Alltag der Millionen von Pendlern. In China sind über 31'000 Kilometer an Hochgeschwindigkeitsschienen im ganzen Land verlegt – mehr als irgendwo sonst. Darüber rollen die Züge der China Railway Corporation mit bis zu 350 Kilometern pro Stunde – schneller als irgendwo sonst – und verbinden Metropolen wie Peking, Schanghai oder Chengdu.

Mit diesen Zahlen rangiert China an vorderster Stelle in einer neuen Studie der Reiseplattform Omio. Sie hat die «Highspeed»-Infrastrukturen in verschiedenen Ländern verglichen. Hinter China folgt Japan mit einem zehnmal kleineren Netz an Hochgeschwindigkeits-Trassees. Auf Platz drei rangiert Spanien, auf Platz vier Frankreich mit seinen Schienen für die TGV-Züge – die «trains à grande vitesse», die es theoretisch auf bis zu 575 Kilometer pro Stunde bringen, in der Praxis aber nicht schneller als 320 Kilometer pro Stunde verkehren. Frankreich war 1981 denn auch das europäische Pionierland mit der Einführung der damals orangen TGV-Züge.

Die Topografie ist schuld

Die Schweiz, die sich gerne als Vorzeige-Eisenbahnland brüstet, hinkt bei diesem Vergleich hinterher. Sie landet auf dem letzten Platz der Top-20-Liste mit einem 144 Kilometer langen Highspeed-Netz. Die SBB haben für das schlechte Abschneiden in der Studie eine Erklärung: «Der europäische Massstab mit Geschwindigkeiten von über 230 Kilometern pro Stunde ist auf dem engmaschigen Schweizer Schienennetz aufgrund der topografischen Besonderheit wirtschaftlich nicht rentabel und deshalb in naher Zukunft kein Thema», sagt ein Sprecher.

Hierzulande liege der Hochgeschwindigkeitsstandard bei 160 bis 200 Kilometern pro Stunde. Dieses Tempo werde auf der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist, auf der Ausbaustrecke Solothurn–Wanzwil sowie in den Neat-Basistunneln Gotthard und Lötschberg, nach Inbetriebnahme auch im Ceneri-Basistunnel gefahren. Der Lötschberg gehört zum Netz der BLS, alle anderen Strecken zum Netz der SBB.

Der SBB-Sprecher sagt, dass die Schweiz ein Schnittpunkt wichtiger Verkehrsachsen sei. «Bereits heute bedienen mit dem TGV oder dem ICE Hochgeschwindigkeitszüge aus unseren Nachbarländern unsere Zentren.» Damit die Schweiz künftig besser ans europäische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen sei, investiere der Bund bis Ende 2020 rund 1,1 Milliarden Franken.

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