«Wir bedauern diesen Entscheid sehr», sagt Carmen Stahel, Vizeammann von Linn. Seit 92 Jahren werden Kinder aus Linn und Gallenkirch in der Gesamtschule unterrichtet. Momentan sind drei Lehrpersonen für die 14 Primarschüler von der 1. bis zur 5. Klasse zuständig. Nach den Sommerferien ist Schluss damit. «Wir haben kein Restaurant und keinen Laden im Dorf. Die Schule war der Mittelpunkt. Jetzt haben wir gar nichts mehr», so Stahel und betont: «Uns war bewusst, dass die Schule mit den geringen Schülerzahlen nicht hätte überleben können. Aber eine Schliessung unter diesen Umständen ist nicht schön. Das hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.»

«Vorwürfe sind gravierend»

Tatsächlich geht es in der kleinen Schule schon seit längerer Zeit turbulent zu und her. So kritisierten Eltern die Unterrichtsqualität, den Lehrerwechsel und die mangelnde Absprache unter den Lehrerinnen («Sonntag» vom 8. März). Der Unmut ist so gross, dass die Eltern aus Gallenkirch nach den letzten Sportferien gehandelt haben. Sie schicken ihre Kinder nach den Sommerferien in die Schule Oberbözberg. Das ist möglich, weil sie im Gegensatz zu den Schulkindern aus Linn vertraglich nicht an die Gesamtschule Linn gebunden sind. Somit waren nur noch acht bis neun Kinder aus Linn übrig. Damit ist die Mindestschülerzahl unterschritten. Diese liegt im Kanton Aargau bei zwölf Kindern. Ausnahmen sind möglich, wenn die Schule wichtige Gründe für die Weiterführung hat.

Im März reichten die Linner Behörden beim Bildungsdepartement ein Gesuch ein. Dieses haben sie inzwischen zurückgezogen. «Es fehlt an Unterstützung. Nachdem wir das Gesuch eingereicht hatten, konfrontierten Eltern die Behörden erneut mit gravierenden Vorwürfen. Sie sind unzufrieden, das Vertrauen in die Schule ist erschüttert», so Linner Vizeammann Carmen Stahel. Ist denn die Unterrichtsqualität wirklich so schlecht, wie die Eltern behaupten? «Die Schulleitung hat die Stoffpläne überprüft und festgestellt, dass die Kinder die Lernziele erreichen.»

Im Gegensatz zu den Linner Behörden hält Annerös Tanner, Gemeindeammann aus Gallenkirch, die Schliessung der Schule für richtig: «Es macht keinen Sinn, eine Schule mit so wenig Kindern zu betreiben. Die Primarschüler können sich besser untereinander vergleichen, wenn sie in einer grösseren Klasse unterrichtet werden.» Zudem sei es für eine Lehrperson schwierig, fünf Klassen gleichzeitig zu führen.

Schulpflege tritt zurück

So oder so: Bis zum Ende dieses Schuljahres wird die Schule Linn weitergeführt. Ersatz für die Lehrerin, die im Januar kündigte, wurde gefunden. Danach werden die Kinder aus Linn die umliegenden Schulen besuchen: «Wir werden mit den Eltern Kontakt aufnehmen. Momentan schliessen wir mit keiner Schule einen Vertrag ab», so Carmen Stahel. In den nächsten Wochen berät der Gemeinderat, wie das Schulgebäude in Zukunft genutzt werden soll.

Auch wenn die Schule zu ist, schreibt das Gesetz eine Schulpflege in der Gemeinde vor. Ende Juli gibt es dort Vakanzen, da Doris Wüthrich und Sandra Dörig zurücktreten: «Sie sind erschöpft. Sie waren einer grossen Belastung ausgesetzt, und die Vorwürfe wurden zunehmend persönlich», so Stahel.