Je wertvoller der Bitcoin wird, desto mehr Strom wird dafür investiert. Der überraschende Kursanstieg dieses Jahr hat deshalb nicht nur zu Diskussionen über Spekulationsblasen und staatliche Regulierungen geführt, sondern auch zu hitzigen Debatten über den ökologischen Fussabdruck der Technologie.

Genaue Angaben zum totalen Stromverbrauch gibt es nicht und die Schätzungen von Experten gehen weit auseinander. Fest steht aber, dass unterdessen mehrere Gigawatt Strom in den Betrieb des Netzwerks fliessen. Der bekannte Blog Digiconomist beispielsweise setzt den Elektrizitätsverbrauch des Bitcoins mit jenem von ganz Bulgarien gleich; das wären rund zwei Drittel des Schweizer Stromkonsums.

Diese Elektrizität wird jedoch nicht etwa dafür benötigt, Bitcoin-Transaktionen zu verarbeiten. Das wäre auch mit einem Bruchteil dieser Energie möglich, wie beispielsweise die Kreditkartensysteme Visa und Mastercard beweisen. Vielmehr wird der Strom für das «Mining» benötigt – jenen Mechanismus, der die Blockchain sichert.

Auch dieser Prozess würde grundsätzlich mit weniger Strom genau gleich gut funktionieren. Der hohe Elektrizitätsverbrauch kommt daher, dass «Mining» sehr lukrativ sein kann: Nutzer stellen bei diesem Prozess ihre Rechnerleistung zur Verfügung und werden dafür mit Bitcoins entschädigt. Je mehr ein solcher Coin wert ist, desto mehr Computerleistung wird investiert. Wenn der Bitcoin-Kurs also weiter steigt, wird das Netzwerk bald auch mehr Strom benötigen als die Schweiz.

Es gäbe Alternativen

Bitcoin-Enthusiasten argumentieren, dass auch für die Produktion und den Handel mit klassischen Währungen viel Energie benötigt wird. Das Schürfen von physischem Gold ist um einiges energieintensiver als das «Mining» von digitalem Geld. Zudem könnten Kryptowährungen wie Bitcoins die klassischen Banken langfristig zu einem gewissen Grad überflüssig machen, wodurch unter Umständen gar Strom gespart würde.

Gleichzeitig ist man sich jedoch einig, dass der aktuelle Mechanismus nicht ideal ist. Mittlerweile wurden nämlich diverse Methoden entwickelt, um die Blockchain mit Prozessen zu sichern, welche weniger Strom benötigen. Alternative Kryptowährungen nutzen diese Funktionen bereits. Aber dass auch die Bitcoin-Funktionsweise in naher Zukunft angepasst wird, ist unwahrscheinlich. Dies könnte der Währung langfristig sogar das Genick brechen.