Susanne Hochuli 100 Tage im Amt
Die Sache mit dem frischen Wind

Nach 100 Tagen im Amt atmet Regierungsrätin Susanne Hochuli erst mal tief durch. Denn der früheren Biobäuerin fehlt im Büro die frische Luft. Und sie braucht einen langen Atem für eine neue gesundheitspolitische Gesamtplanung, die vielleicht nicht an Spitalschliessungen vorbeiführen wird.

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Aargauer Zeitung

Urs Moser

Alex Hürzeler hatte die Kleblatt-Vorlage contre coeur und gegen die eigene Partei zu vertreten, Urs Hofmann schnell die politischen Konsequenzen aus dem Mordfall Lucie zu ziehen. Da hatte Susanne Hochuli als dritte neu gewählte Regierungsrätin direkt einen vergleichsweise ruhigen Start ins Amt.

Vergleichsweise beschaulich dann auch der Auftakt ihrer 100-Tage-Bilanz gestern in Aarau. Der Wechsel vom Zwölfstundentag draussen bei Wind und Wetter zum Zwölfstunden-Bürotag praktisch ohne frische Luft: Das sei es, was ihr im neuen Amt manchmal Mühe mache. «Ich brauche Frischluft, um mich wohl zu fühlen. Und ich brauche Frischluft, um zu denken», erklärte sie zum Ort des Treffens im Freiluft-Restaurant «Summertime» an der Aare.

Schwerpunkt gilt dem Aargauer Alltag

Die Standortwahl diente freilich nicht nur dem Sinnieren über das Frischluftbedürfnis der Magistratin, sondern hatte schon auch eine tiefere Bedeutung: Der Naherholungsraum Aare, «wo die Leute etwas dafür tun, dass sie sich gut fühlen und dass sie gesund bleiben» als Symbol für das politische Programm der neuen Gesundheits- und Sozialdirektorin. Sie wolle Schwerpunkte nicht unbedingt dort setzen, wo sie einfach wichtig, weil hoch politisch sind. Sie wolle sie setzen, wo sie gesellschaftlich relevant sind und etwas mit dem Alltag der Aargauerinnen und Aargauer zu tun haben. Und sie sei davon überzeugt, dass es zahlreiche Beziehungen gibt zwischen intakten sozialen Strukturen und einer gesunden Gesellschaft.

Die neue Regierungsrätin distanziert sich davon, die Bürgerinnen und Bürger durch eine staatliche Anleitung zu einem sinnvollen und gesunden Leben führen zu wollen. Sie sei aber überzeugt, dass es verstärkte staatliche Anreize brauche, damit die Menschen die Veranwortung sich selber und der Gesellschaft gegenüber besser wahrnehmen können. Gesundheitsförderung und Familienpolitik sind deshalb zwei ihrer Schwerpunkte für die Legislatur. «Das sind für mich Themen, bei denen ich in dieser Amtszeit Resultate sehen will», so Hochuli. Konkret präsentierte sie die zwei Projekte «gesundheitsfördernde Schulen» und «aufsuchende Familienbegleitung».

Rosskur für Spitalwesen

Den dritten Schwerpunkt, wo Susanne Hochuli ebenfalls «Resultate sehen will», ist die gesundheitspolitische Gesamtplanung in Zusammenghang mitder Revision des Krankenversicherungsgesetzes und der neuen Pflegeheimfinanzierung. Durch die Neuerungen in der Spitalfinanzierung kommen massive Mehrkosten auf den Aargau zu. Handfestes zu den Konsequenzen liess sich Susanne Hochuli zwar gestern noch nicht entlocken. Ganz offensichtlich ist aber mit Vorschlägen aus ihrem Departement zu rechnen, die zu tiefen Einschnitten führen können.

Für den Kanton dränge sich wie nach einer Legislaturperiode vorgesehen eine Überarbeitung der gesundheitspolitischen Gesamtplanung auf. Die Strukturen der Gesundheitsversorgung seien zu überdenken, so Hochuli. Ohne sich konkret zu allfällig nötigen Spitalschliessungen zu äussern kündigte sie an: «Es muss über den ganzen Kanton eine realistische Bedarfsplanung stattfinden, die zum Abbau allfälliger Überkapazitäten führt.»

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