F/A-18-Absturz

Die Rolle des Fluglotsen: «Wäre der Verdacht falsch, hätten sie ihn dementiert»

Die Unfallstelle auf dem Sustenpass

Die Unfallstelle auf dem Sustenpass

Pilot und Controller müssen sich blind verstehen. Was ging schief über dem Susten?

Geschah der Fehler am Boden? Die Frage wurde, gestützt auf die Aussage eines Piloten, letzten Mittwoch in dieser Zeitung aufgeworfen. Am Donnerstagabend berichtete «10 vor 10» von eigenen Recherchen, die bestätigten: Der den Unglücksflug begleitende Fluglotse – oder die Lotsin, viele sind Frauen – hat dem Piloten eine falsche Höhe angegeben. Skyguide, für die Flugsicherung verantwortlich, wollte am Donnerstag die Vermutung weder bestätigen noch dementieren.

Für Hansjörg Egger, langjähriger Fotograf der Schweizer Luftwaffe und Präsident der Schweizer Aviatik-Journalisten (SAJ), ein deutliches Zeichen: «Für die Fluglotsen ist der Verdacht eine ungeheure Belastung. Wäre er falsch, hätten sie ihn sicher umgehend dementiert.»

Egger ist sich sicher, dass die Luftwaffe bereits Klarheit über den Ablauf hat. Aufgrund der laufenden Ermittlungen wird aber vonseiten der Militärjustiz noch nicht darüber kommuniziert. Dies ist laut Aussage ihres Sprechers frühestens nächste Woche zu erwarten.

Schwierige Route

Der genaue Hergang des Unglücks bleibt so lange eine Mutmassung. Dennoch steht die Frage im Raum: Hat es sich wie vermutet zugetragen – wie kann es zu einem solchen Missverständnis kommen?

Viele Experten möchten oder können sich nicht äussern, ein Zivilpilot mit Erfahrungen bei der Luftwaffe sowie Hansjörg Egger von den SAJ geben dann doch Auskunft. Einen Flug wie denjenigen vom Montag kann man sich demnach wie folgt vorstellen: Vor dem Start plant der Pilot seine Route nach vorgegebenen Regeln. Er weiss also bereits im Voraus genau, wie er fliegen muss. Bei einem Flug von Meiringen über das Sustengebiet ist der Pilot voll gefordert: Er muss schnell steigen, darf aber auch nicht zu hoch fliegen, weil sich über dem Susten eine zivile Luftstrasse befindet.

Blindflug

Starke Auf-, Ab- oder Seitenwinde, wie sie in den Alpen oft herrschen, können den Piloten schnell einige 100 Meter von seinem errechneten Flugkorridor abbringen. Hier ist er auf seine Controllerin angewiesen, die ihn auf dem Radar überwacht und ihn auf Abweichungen aufmerksam macht. Üblicherweise kennen sich die beiden gut, Piloten und Lotsen pflegen einen engen Austausch, feiern zusammen, es gibt enge Freundschaften, auch Liebespaare.
Bei Verhältnissen wie letzten Montag sieht der Pilot aus dem Fenster nur grau.

Theoretisch könnte er die Flughöhe mit seinen Messgeräten selber nachprüfen – er muss sich jedoch bei Geschwindigkeiten um die 500 Stundenkilometer auf so viele Dinge gleichzeitig konzentrieren, dass er sich in aller Regel voll auf die Angaben der Lotsin verlässt. Diese hat ein Quadratraster der Landschaft vor sich, jedes Quadrat gibt ein Minimum an, das der Pilot nur bei Sicht unterschreiten darf. Egger sagt, es könne genau so gut sein, dass der Pilot den Controller falsch verstanden hat – der Fehler muss also nicht unbedingt bei ihm liegen. Überhaupt liege die Verantwortung für den Flug in erster Linie beim Piloten.

Sicher ist: Der Kampfjet flog rund 1000 Meter zu tief. Diese Höhe kann ein F/A-18 in rund vier Sekunden überwinden. Pilot und Fluglotse müssen den tragischen Irrtum also so spät bemerkt haben, dass auch keine Zeit mehr für den Schleudersitz blieb.

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