Kartografie

Die Rolex unter den Landkarten feiert Geburtstag

Die Schweiz ist im Ausland nicht nur bekannt für Schokolade und Uhren, sondern auch für die besten Landkarten. Die Arbeit des Bundesamts für Landestopografie gilt in der Kartografie seit 175 Jahren als Mass aller Dinge.

Die Qualität musste die beste der Welt sein. Das nahm sich der Direktor des Boston Museum of Science vor, als er seinen Kindheitstraum erfüllen und eine Karte des Mount Everest erstellen wollte. Für Bradford Washburn war klar: Auf der Welt gab es nur einen Anbieter von Landkarten, der seinen Qualitätsanspruch erfüllen konnte, nämlich das Bundesamt für Landestopografie in der Schweiz (Swisstopo).

Der Amerikaner reiste nach Wabern bei Bern. In den folgenden zehn Jahren entstand eine Karte des Everest, die in der Fachwelt Entzücken auslöste – eine solch kunstvolle und gleichzeitig präzise Darstellung von Gletschern und Felsen war in der Branche einzigartig. 11 Millionen Mal wurde die Karte gedruckt. Das war 1988.

175 Jahre Schweizer Innovation

Was Lindor-Kugeln im weltweiten Schokoladenmarkt und Rolex in der Uhrenindustrie ist, ist Swisstopo in der Kartenkunst: eine legendäre Schweizer Marke. Dieses Jahr feiert Swisstopo das 175-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass geht heute Kartenmaterial seit 1938 online. Nutzer können mittels Zeitraffer mitverfolgen, wie sich Siedlungen entwickelt haben und wie sich die Kartenoptik veränderte.

Jede Karte von Swisstopo hat einen Nachführzyklus von sechs Jahren, das heisst, sie wird nach dieser Zeit neu aufgelegt. Das Bundesamt hat zwei Flugzeuge zur Verfügung, die eine Digitalkamera ADS80 von Leica eingebaut haben. Sie fotografieren die Schweiz so detailliert, dass man auf den Bildern einen Fussball erkennen kann. Auf die ganze Schweiz gerechnet entsteht dabei ein Datenvolumen von 8 Terabyte.

Den ersten grossen Erfolg hatte Swisstopo 1855, als die Dufourkarte an der Weltausstellung in Paris die Goldmedaille der Landkarten gewann. «Die ästhetische Darstellung und die Präzision waren damals schon einzigartig», sagt Martin Rickenbacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Swisstopo und Experte in historischer Kartografie. In der Folge wurden die Schweizer Karten regelmässig ausgezeichnet und begründeten ihren Weltruf in Fachkreisen. Unter anderem wurde 1991 die Abbildung des Vierwaldstättersees an einem internationalen Kartografie-Kongress zur besten Karte der Welt erkoren.

Druckverfahren als Weltneuheit

Ein wichtiger Quantensprung war 1952, als der Schweizer Chemiker Daniel Chervet ein neues Druckverfahren erfand, das ohne Kupferplatten auskam. Das Problem bei den Kupferplatten war, dass Fehler neu ausgegossen oder ausgehämmert werden mussten. Chervets Verfahren basierte auf Glasplatten, auf denen Irrtümer mit Korrekturflüssigkeit einfach weggewischt werden konnten. Mit diesem Verfahren wurde auch eine Karte des Mount McKinley im US-Staat Alaska hergestellt. Auftraggeber war der Museumsdirektor Bradford Washburn aus Boston. Er beschloss, dass seine Everest-Karte ebenso aussehen musste.

Damit der Amerikaner seinen Kindheitstraum bezahlen konnte, wandte er sich an die National Geographic Society. Diese verschenkte die Karte ihren Mitgliedern zum 150-Jahr-Jubiläum. Noch 25 Jahre später gilt die Karte als Juwel und als präziseste Vermessung, die je am höchsten Berg der Welt durchgeführt wurde.

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