Brugg
Die Region ist nicht im Abseits

Die Region Brugg-Windisch kann sich durchaus der Gefahr entziehen, durch die laufenden politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen ins Abseits zu geraten. Allerdings setzt das voraus, dass die Kräfte gebündelt werden und der Blick über Bezirks- und Agglomerationsgrenzen hinausgerichtet wird.

Drucken
Teilen
Podium Brugg/Windisch

Podium Brugg/Windisch

Aargauer Zeitung

Louis Probst

Im Kulturhaus Odeon haben diskutiert:

Regierungsrat Peter C. Beyeler, Silvia Kistler (Präsidentin Tourismus Region Brugg), Brigitte Schnyder (Frau Gemeindeammann Hausen), Richard Fischer (Unternehmer und Initiant von «Brugg braucht ein neues Gesicht») und Markus Leimbacher (Mediator, Projektleiter bei Gemeindefusionen sowie alt Grossrat und Gemeindeammann von Villigen). Die Gesprächsleitung hatte Werner Fässler (alt Gemeindeammann von Umiken und ehemaliger Präsident des Planungsverbandes Brugg Regio).

Organisiert wurde der Anlass durch «Region Brugg jetzt».

«Region Brugg-Windisch im Abseits?» hatte die Gruppierung «Region Brugg jetzt» - etwas provozierend - als Titel über die Podiumsveranstaltung gestellt. Bereits das Fazit, das Baudirektor Peter C. Beyeler in seinem Eingangsreferat zog, brachte allerdings eine gewisse Entwarnung.

«Die Region Brugg-Windisch steht keineswegs im Abseits», betonte er. «Aber die guten Standortqualitäten müssen regional wahrgenommen werden, um die grossen Entwicklungschancen und -potenziale - Beispiel Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz - optimal und zeitnah zu nutzen.»

Voraussetzung, mahnte der Baudirektor, sei jedoch die Zusammenarbeit und Koordination mit der Region Baden. Er verschwieg aber auch nicht: «Risiken bestehen in den zeitaufwändigen Entscheidprozessen aufgrund der kleinräumigen politischen Strukturen.»

Dass in der Region Brugg-Windisch selber auch einiges dafür getan wird, um nicht ins Abseits zu geraten, ging aus der von Werner Fässler geleiteten Podiumsdiskussion deutlich hervor.

Intakte Chancen durch clevere Raumentwicklung

«Brugg-Windisch - eine Region im Abseits? - nicht wenn wir intelligent planen und bauen», erklärte Baudirektor Peter C. Beyeler in seinem Referat «Raum und Verkehrsentwicklung in der Region Brugg-Windisch», das die Grundlage für die Podiumsdiskussion bildete. Aufgrund der baulichen Entwicklung in der Agglomeration Baden-Brugg, die längst dazu geführt hat, dass sich die Gemeindegrenzen verwischen, zog er den Schluss, dass die Regio Brugg keine eigene Agglomeration bilde, sondern Teil der Agglomeration Ostaargau sei.

«Die Entwicklung der Regio Brugg hängt direkt mit der Entwicklung der Agglomeration Ostaargau zusammen», betonte Regierungsrat Beyeler. «Die Chancen von Regio Brugg sind gemeinsame Chancen für den Ostaargau.» Aufgrund von Faktoren wie Steuerbelastung, Wohnqualität oder Ausbildungsstand der Bevölkerung zeigte er auf, dass sich die Regio Brugg zwar einer guten Standortqualität erfreuen kann. Nachteile würden sich aber durch die starke Belastung durch den Verkehr ergeben.

«Die Durchfahrt von Brugg und Windisch ist heute schon ein Engpass», stellte er fest. «Das Verkehrswachstum wird diese Situation zudem verschärfen. Daher muss die Nutzung der noch unüberbauten Bauzonen mit Qualität erfolgen. Inbesondere darf der Verkehr nicht überproportional erhöht werden. Denn ungenügende Erschliessung mit Stau und schlechter Erreichbarkeit führen zu einem Verlust an Attraktivität als Wirtschaftsstandort.»

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt erarbeite aktuell das Konzept für das Verkehrsmanagement von Brugg Regio, sagte er. Zentrales Problem sei der Engpass im Regionalzentrum. Ein wichtiges Projekt, das rasch realisiert werden sollte, daher die Südwestspange der Umfahrung von Windisch und Brugg. «Durch eine clevere Raumentwicklung bleiben die Chancen für die Region Brugg-Windisch intakt», betonte Regierungsrat Beyeler.

Diese clevere Raumentwicklung bedinge eine regionale Abstimmung der Nutzungsplanungen sowie der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, aber auch eine hohe Qualität der Bebauung. «Gefordert ist Qualität statt Quantität in der Ansiedlung», betonte der Baudirektor. Und in einem Gesamtfazit stellte er fest: «Mit den regionalen Highlights Campussaal, Flexgebäude und Industriehalle (auf dem Areal der Kabelwerke, Red.), dem Sportausbildungszentrum Mülimatt sowie den Entwicklungsschwerpunkten Eigenamt und PSI Villigen steht die Region Brugg-Windisch keineswegs im Abseits.» (lp)

Es geht nicht nichts in der Region

«Beim Projekt Entwicklungsschwerpunkt Eigenamt setzen sich fünf Gemeinden gemeinsam mit der räumlichen Entwicklung auseinander», erklärte Brigitte Schnyder. «Geplant ist dabei unter anderem ein interkommunaler Lastenausgleich, der zur Finanzierung von Projekten wie einer Bauland-Datenbank, einer Harmonisierung der Bau- und Nutzungsordnungen, eines Buserschliessungsprojektes sowie der Unterstützung der Anstrengungen zur Schliessung des S-Bahn-Ringes um den Heitersberg dienen soll.»

Auch Markus Leimbacher stellte fest: «Ich habe den Eindruck, dass auf der Ebene des Verkehrs relativ viel läuft.»

Aus dem Blickwinkel des Tourismus versicherte Silvia Kistler: «Tourismus endet nicht an Bezirksgrenzen. Wir schauen über diese Grenzen hinaus. Touristisch ist die Region Brugg-Windisch gar nicht im Abseits. Im Abseits befinden wir uns jedoch in Sachen Geschäftsstelle. Wir sind aber daran, das aufzuarbeiten.»

Aus der Sicht der Wirtschaft sagte Richard Fischer: «Man sieht, dass Industrieansiedlungen konzentriert erfolgen sollten. Wenn man die Verkehrsströme sieht, stellt man fest, dass es Lösungen braucht. Man spürt die Kraft der Wirtschaft. Aber wir müssen das kleinräumige politische Denken überwinden.»

Auf das Nachhaken von Werner Fässler, dass man zwar stets hören könne, «wir sind dran», dass aber doch zu wenig davon sichtbar werde, gab Markus Leimbacher zu bedenken: «Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwei oder drei Gemeinden, die zusammenstehen, ein ganz anderes Gewicht haben. Und ich stelle fest, dass das in der Region Brugg durch den Planungsverband gemacht wird. Hier ist man auf gutem Wege.»

«Die Gemeinden müssen sich finden»

Auf den Hinweis von Gesprächsleiter Werner Fässler auf das Beispiel von Gemeinden der Region Baden, die in einer Studie Möglichkeiten der Zusammenarbeit, aber auch der Zusammenlegung ausgelotet haben, gab Brigitte Schnyder zu bedenken: «Wir gehen in der Region Brugg schrittweise weiter.»

Richard Fischer meinte: «Wenn man die Siedlungsentwicklung betrachtet, sieht man, dass man aufeinander angewiesen ist. Es wäre daher falsch, zu Baden oder zu Aarau in Konkurrenz treten zu wollen. Es ist aber unsere Pflicht, gemeinschaftlich zu denken.»

Markus Leimbacher betonte: «Hier müsste unbedingt etwas passieren. Ich wünschte mir für die Region Brugg-Windisch einen offenen Prozess, in dem sämtliche Möglichkeiten aufgezeigt werden. Ich bin überzeugt, dass die Region ein grosses Gewicht haben und sich gut positionieren kann. Aber man muss das einmal angehen.» Auch Regierungsrat Beyeler gab sich überzeugt: «Die Gemeinden müssen sich finden - und sie werden sich auch finden.»

«Gemeinsame Strategie ist nötig»

Als «schwierig» bezeichnete Peter C. Beyeler die Frage von Werner Fässler, was der Kanton denn von Zentrum der Region Brugg-Windisch erwarte. Diplomatisch erklärte der Baudirektor: «Angenehm sind natürlich jene Regionen, die ihre Konzepte entwickeln. Brugg-Windisch hat hier, wegen der unterschiedlichen finanziellen Situation der beiden Kerngemeinden, jedoch ein Riesenhandikap. Das wird immer wieder spürbar. Es wäre aber gut, wenn die Region ihre Potenziale bündelt. Nur dann kann eine Region ein Gewicht entwickeln. Die Gemeinden müssen sich zu einer gemeinsamen Strategie finden.»