Altersvorsorge
Die Reform bessert die Finanzen, aber auf Kosten einer gerechten Lastenverteilung zwischen Jung und Alt

Die UBS hat das Schweizer System der Altersvorsorge auf finanzielle Nachhaltigkeit und Lastverteilung zwischen den Generationen untersucht.

Tommaso Manzin
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Die Untersuchung der UBS zeigt: Diese Reform ist besser als keine Reform.

Die Untersuchung der UBS zeigt: Diese Reform ist besser als keine Reform.

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Grossbank UBS hat das Schweizer Vorsorgesystem unter die Lupe genommen und am Dienstag die Resultate präsentiert. Durchgerechnet wurden insbesondere die Effekte des Reformpakets «Altersvorsorge 2020», das im September vor das Volk kommt.

Untersucht wurden finanzielle Nachhaltigkeit und Lastverteilung zwischen den Generationen. Unter beiden Aspekten bleibt die 2013 angestossene und von Bundesrat Alain Berset verteidigte Reform einiges schuldig. Doch wie die UBS-Ökonomin Veronica Weisser richtigerweise zu bedenken gibt: Was wäre die Alternative?

Zwei Jahre arbeiten für die Lücke

Eines ist klar: Diese Reform ist besser als keine Reform. Nimmt man den Wert aller Ein- und Auszahlungen zum heutigen Zeitpunkt, klafft in der AHV eine Finanzierungslücke von rund 1000 Milliarden Franken, rechnet die UBS vor. Anders gesagt: Zwischen ungedeckten Leistungsversprechen und Vermögensreserven steht eine Billion Franken. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung der Schweiz in einem Jahr (Bruttoinlandprodukt BIP) sind das 173,4 Prozent. Die Schweiz müsste also fast zwei Jahre produzieren bzw. arbeiten und alles davon in die erste Säule stecken, um diese Lücke zu schliessen. Dieses Vorgehen ist bestenfalls «Polit-Fiction» und hätte keine Chance. Schon die vorliegende Reform durchlief ihr dramatisches Hin und Her zwischen den Räten, bis sie sich einigen konnten. Kein Wunder ist sie ein Sammelsurium an Kompromissen, ohne die sie gescheitert wäre.

Quelle: EFD; BFS; BSV, eigene Berechnungen - Grafik: NCH/MTA

Immerhin: Die Altersvorsorge 2020 verringert die AHV-Lücke auf 135 Prozent des BIP. Die finanzielle Nachhaltigkeit verbessert sich also, wenngleich zu einem Preis: jenem der Umverteilung. Die Last dieser Sanierung werden vor allem die Jungen zu schultern haben. Die bereits bestehende Umverteilung von Jung zu Alt verschärft sich, erklären die UBS-Ökonomen.

Auf die heute 18- bis 35-Jährigen kommt eine Mehrbelastung von geschätzten 9000 bis 15 000 Franken im Verlauf ihres Lebens zu, die 65- bis 85-Jährigen tragen dagegen nur 600 bis 4000 Franken bei und die 53 bis 63-Jährigen profitierten gar. Sie müssten nur noch wenige Jahre die von der Reform vorgesehenen höheren Beiträge zahlen, profitierten aber bereits von den höheren AHV-Renten um 70 Franken. Diese Erhöhung war nur einer der vielen nötigen Kompromisse.

In der zweiten Säule sieht es weniger dramatisch aus. Doch auch hier müssen Sanierungsmassnahmen wie die Senkung des Umwandlungssatzes – er bestimmt, wie gross die Rente aus dem angesparten Kapital ausfällt – mit Umverteilung erkauft werden.

Die Reform brächte zwar die ungedeckten Leistungsverpflichtungen der Pensionskassen für alle Jahrgänge zum Sinken. Der vorgesehene Besitzstandsschutz sorgt indes dafür, dass Männer über 45 Jahre durch die Senkung des Umwandlungssatzes nahezu nicht belastet würden, wie die UBS herausgefunden hat. Der Schutz dieser Alterskohorte war Absicht, da sie es trotz Beitragserhöhung nicht schafft, in der vergleichsweise kurzen Zeit bis zur Pensionierung genug zusätzliches Kapital anzusparen, um die Senkung des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6 Prozent auszugleichen.

Frauen holen bei Sparkapital auf

Es handelt sich um die Babyboomer, jene geburtenstarken Jahrgänge im Aufschwung zwischen 1950 und 1970. Sie stemmten bisher einen Grossteil der AHV-Finanzierung. Nicht nur wegen ihrer hohen Zahl. Sie befinden sich in einem Alter, in dem die Löhne ihren Höhepunkt erreichen. Ihre Pensionierung wird die AHV-Rechnung weiter belasten. Denn an den durchschnittlich eineinhalb Kindern pro Paar werde sich so rasch nichts ändern, geben sich die Autoren überzeugt. Und das reiche nicht, um die Babyboomer zu ersetzen. Die neuen Jungen werden zudem einem Heer von Pensionierten gegenüberstehen. Ihre Zahl wird sich bis 2016 nämlich verdoppeln (vgl. Grafik).

Am meisten steige das Sparkapital mit der Reform für Frauen, wie aus der Studie weiter hervorgeht. Allerdings ohne Subventionierung durch andere Bevölkerungsgruppen, sondern allein durch die Erhöhung ihrer Beiträge wegen der vorgesehenen Senkung des Koordinationsabzugs. Der Koordinationsabzug bestimmt, welcher Lohn bei der zweiten Säule (Pensionskasse) versichert ist, indem er vom Jahreseinkommen abgezogen wird. Mit der Reform fallen die unter Frauen besonders verbreiteten Teilzeitstellen leichter unter die berufliche Vorsorge. Damit würden bei mehr Teilzeitstellen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern BVG-Beiträge in die Pensionskassen eingezahlt.

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