Das Video diffamiert sechs Deutsche Bischöfe, die in ihren Krankenhäusern die «Pille danach» erlauben. Mit Hakenkreuzen werden die Vorsteher von sechs Bistümern als Nazis verunglimpft, die Moderatorin des Beitrags droht ihnen, sie hätten sich vor Gott zu verantworten.

Aufgetaucht ist der umstrittene Filmbeitrag auf «Gloria TV», einem Webportal, das sich als besonders katholisch sieht. Einer der Betreiber des Portals ist der Sedruner Pfarrer Reto Nay oder Don Reto, wie ihn seine Anhänger im Internet gerne nennen.

Seine Pfarrei ist Teil des Bistums Chur, zu dem auch das Administrationsgebiet Zürich gehört. Bischof Vitus Huonder will laut einer Mitteilung Nay im Februar aufgefordert haben, das Video zu löschen und sich schriftlich davon zu distanzieren. Doch Nay habe ihm dargelegt, dass das nicht ginge, weil der rechtliche Sitz von «Gloria TV» in Moldawien sei, wo offenbar der Server steht, über den die Website läuft.

Von Sedrun aus wird gehetzt

Das Video, eine Eigenleistung von «Gloria TV», entstand jedoch nicht etwa in Moldawien, sondern wie die restlichen «News» der Website im bündnerischen Sedrun. Dort hockt Nay zusammen mit seinen Mitstreitern, dem österreichischen Priester Markus Doppelbauer, und der Rumänin (oder Moldawierin, je nach Quelle) Doina Buzut. Letztere ist gemäss Handelsregister Eigentümerin von «Gloria TV», Nay besitzt die Einzelprokura. Der Firmensitz ist im Haus von Nays Mutter Adelina in Ilanz. Als kürzlich eine Equipe von «Spiegel TV» an Nays Wirkungsort auftauchte, versuchten Doppelbauer und Buzut, die Journalisten in die Flucht zu schlagen - und sie drehten Videos, in denen sie die Medienschaffenden als Stalker beschimpften.

Am Bischofssitz in Chur gibt man sich angesichts dieses Treibens eher passiv. Auf Anfrage sagt der bischöfliche Sprecher Giuseppe Gracia, Nay habe dem Bischof schriftlich versichert, dass er mit den englischsprachigen Inhalten von «Gloria TV» nichts zu tun habe und auch die Löschung des Videos nicht veranlassen könne - wieder mit Verweis auf den Firmensitz in Moldawien.

Tatsächlich existiert neben der Schweizer Firma Gloria TV ein Firmensitz in Moldawien, die Nina Buzut Dodalu S.R.L, die der Schwester von Doina Buzut gehören soll. Gemäss moldawischem Register vertreibt die Firma Kosmetikartikel.

Reichen diese Hinweise nicht , um seitens der Bistumsleitung gegen Nay und seine Kumpanen vorzugehen? Nein, sagt, Gracia. «Wir bräuchten einen klaren Beweis, dass Nay für die englischsprachigen News und das Hakenkreuz-Video verantwortlich ist.»

Dabei musste sich Huonder nicht zum ersten Mal mit Nays radikal rechter Propaganda auf Internetportalen befassen. Er hatte für das mittlerweile vom deutschen Verfassungsschutz verbotene Webportal «kreuz.net» geschrieben. Die ultrarechte und erzreligiöse Website hatte mehrfach gegen Juden und Schwule gehetzt und zahlreiche kirchliche Würdenträger diffamiert. Huonder hatte Nay seinerzeit verboten, für «kreuz.net» tätig zu sein.

Gemeinde macht Druck auf Kirche

Das Treiben Nays und seiner Anhänger in Sedrun wird nun auch der Gemeinde zu viel. Am Montag befand der Gemeindevorstand, Nay sei nicht mehr tragbar, solange er sich nicht vom Hakenkreuz-Video distanziere. Dies bestätigte Lucas Collenberg, Leiter der Gemeindeverwaltung. Gestern Abend traf sich der Vorstand der Politischen Gemeinde mit derjenigen der Kirchgemeinde, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Gemäss Collenberg verfügt Doina Buzut über eine Aufenthaltsbewilligung. Doppelbauer jedoch hat einen Touristenstatus und darf eigentlich nur drei Monate am Stück in der Schweiz bleiben. Die Gemeinde hatte schon zuvor dem Kanton gemeldet, dass Doppelbauer sich permanent in Sedrun aufhalte.

Der Österreicher ist auch im Visier des Churer Bischofs. Gemäss Sprecher Gracia gehört Doppelbauer zum Erzbistum Vaduz. Huonder schrieb darum gestern an seinen Kollegen Wolfgang Haas und bat ihn, Doppelbauer aus seinem Bistum abzuziehen. Man toleriere nicht, dass er hier ohne offizielle Aufgabe als Priester auftrete.

Sollte Nays Arbeitgeberin, die Kirchgemeinde Sedrun, ihn entlassen, kann auch der Bischof ihm die Missio entziehen. Für viele Zürcher Katholiken ist die zögerliche Haltung des Bischofs jedoch ein weiteres Ärgernis. Umso mehr, als dass Huonder gegenüber den zahlreichen Unterstützern der Pfarrei-Initiative durch die Blume mit dem Entzug des Verkündungsauftrages droht, einen wie Nay jedoch so lange gewähren lässt.