Peter Siegrist

Das Schicksal der Poststelle Zetzwil ist besiegelt: Sie wird noch vor dem Sommer in eine Agentur umgewandelt. Diese neue Dienstleistung wird künftig im Volg-Laden, gleich nebenan, angeboten.

Im März 2009 kam es zum ersten Kontakt zwischen Post und Gemeinderat. Thema war die rückläufige Nachfrage nach Postdienstleistungen. So musste der Gemeinderat erfahren, dass 2008 im Schnitt täglich 112 Einzahlungen getätigt wurden, dass rund 12 Pakete und 220 Briefe über den Tresen gingen. Diese Bewegungen sind aus dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit zu gering für die Post. Und so kamen die Verantwortlichen zum Schluss, eine Agentur im Volg-Laden der Landi Mittleres Wynental sei die richtige Alternative.

Brief an Michael Kunz

Der Gemeinderat Zetzwil hat sich schriftlich und mündlich an Meetings für die Post im Dorf gewehrt. «Wir führten vor allem den Service public und unsere Bemühung für ein attraktives Dorf an», sagt Gemeindeammann Thomas Brändle, «wir haben sogar dem damaligen Konzernchef Michael Kunz unser Anliegen in einem Brief kundgetan.» Zusätzlich hat die Gemeindebehörde die Kommission Poststellen der Postregulationsbehörde angerufen. Alles ohne Erfolg. Die Post blieb bei ihrem Entscheid. «Sie haben die wirtschaftlichen Gründe in den Vordergrund gestellt», sagt Brändle. Das sei aus rein ökonomischer Sicht – die Post sei eine eigenständige Firma – verständlich. Dennoch hat sich der Gemeindeammann an der «eher starren Haltung der Post» gestört.

Für den Gemeinderat stand «die Post im Dorf» im Zentrum seiner Bemühungen. Thomas Brändle: «Die Öffnungszeiten werden in der Agentur sogar besser sein, das stimmt, aber die Dienstleistungen sind eingeschränkter, und dies zum gleichen Preis.» Brändle denkt dabei an den Zahlungsverkehr. Auf der Postagentur wird es nicht mehr möglich sein, mit Bargeld Einzahlungen zu machen. «Da liegt eine Klippe für unsere älteren Einwohner, die über keine Postkarte verfügen.» Die jüngere Bevölkerung werde sich rasch umgewöhnen, meint Brändle. Es habe bei der ersten Publikation des Vorhabens der Post auch keine Proteste gegeben. «Wir haben es einfach als unsere Pflicht angesehen, uns zu wehren.»

Wechsel bis im nächsten Juni

René Gysi, der Bäckermeister mit seinem Laden neben dem Volg, bringt der Wechsel im Zahlungsverkehr Änderungen. «Heute wickle ich einen Teil meiner Zahlungen direkt am Postschalter mit Bargeld ab», sagt Gysi, «das werde ich künftig via Bankkonto tun.» Den Versand seiner Paketlieferungen an Kunden hingegen werde er weiterhin über die Postagentur abwickeln.

Peter Stalder, der Geschäftsführer der Landi Mittleres Wynental, rechnet damit, dass der Wechsel von der Post zur Agentur in seinem Volg-Laden in den nächsten drei Monaten erfolgt. Sobald die Termine mit der Post abgesprochen sind, könnten sie mit den nötigen Bauarbeiten im Laden beginnen. «Wir haben die Postagentur zwar nicht aktiv gesucht», sagt Stalder, «aber ich stehe dieser Bereicherung in unserem Laden positiv gegenüber.» Ob die Postagentur mehr Kundschaft bringt, kann Stalder heute nicht abschätzen.

Betrieben wir die Agentur vom Volg-Personal. Sämtliche Angestellten des Volg-Ladens werden vor Ort von einer Personaltrainerin ausgebildet.