«Ist es denkbar, dass für Privatkunden nur noch A-Post angeboten wird?» Diese Frage stellte die az Post-Chef Jürg Bucher vor einem halben Jahr. Antwort: «Wir überlegen uns Massnahmen, um den Veränderungen richtig begegnen zu können.» Ein klares Bekenntnis zur B-Post würde sich ganz anders anhören.

Gemäss Informationen der «SonntagsZeitung» stehen nun bereits in diesem Sommer erste Entscheide in Sachen B-Post an. Aktuell würden diverse Szenarien durchgerechnet. «Weil die Volumina der frankierten Briefe Jahr für Jahr sinken», zitiert das Sonntagsblatt einen Post-Kader, «ist es ohne Qualitätseinbussen möglich, alle Briefe aufs Mal zu verarbeiten.» Mehr noch: Es wäre für die Post sogar günstiger, die Trennung zwischen A- und B-Post aufzugeben. Zwar sagt eine Post-Sprecherin am Sonntag zu az, dass es «kein konkretes Projekt in diese Richtung» gäbe. Fakt aber ist erstens: Das Nachdenken über das Ende der B-Post hat beim Post-Management Tradition. Bereits Buchers Vorgänger, der heutige SBB-Präsident Ulrich Gygi, liebäugelte vor drei Jahren schon damit. Seine Begründung damals: Die B-Post-Mengen seien zu «bescheiden», um eine separate Behandlung zu rechtfertigen. Seither haben sich die Mengen bei A- und B-Post weiter reduziert.

Bucher will mehr Qualität

Zweitens hat Post-Chef Bucher erst kürzlich bekräftigt, dass er die Qualität der Post-Dienst erhöhen will. Statt über Poststellen-Schliessungen oder Tariferhöhungen sollen die Kunden wieder über verbesserten Service reden können. Am Mittwoch dieser Woche hat er extra eine Medienkonferenz angesetzt, bei der er über «spürbare Massnahmen» punkto Qualitätsverbesserung informieren will. Der Abschied von der B-Post wäre ein solcher Schritt. Insbesondere dann, wenn die neue Einheits-A-Post günstiger wäre als die A-Post. Laut «SonntagsZeitung» ist genau das geplant: Heute kostet ein A-Post-Brief 1 Franken. Das Porto soll bei der Einheits-A-Post auf 95 oder 90 Rappen sinken.

Dritten schliesslich wäre das Ende der B-Post eine Rückkehr zu alten Tugenden. Schliesslich hat die Post die briefliche Zweiklassengesellschaft erst vor 20 Jahren überhaupt eingeführt. Vorher war der Grundsatz «heute eingeworfen, morgen zugestellt» der Grundsatz für sämtliche Briefe und nicht das Privileg der A-Post-Sendungen.