Herr Lips, was bedeutet für Sie der Wechsel nach Basel?

Gerhard Lips: Einerseits ist es ein Karrieresprung, ich kann von der Funktion des stellvertretenden Kommandanten in diejenige des Kommandanten wechseln. Gleichzeitig ist es eine geografische Neuausrichtung. Beruflich ist es ein Wechsel in einen Bereich, der mir grundsätzlich schon bekannt ist.

Was gab den Ausschlag, von Zürich nach Basel zu wechseln?

Lips: Für mich ist es die Möglichkeit, etwas Neues zu machen. Im Korps, dem ich jetzt angehöre, gibt es oberhalb meiner Funktion nur eine Stelle, und diese wird in nächster Zeit nicht frei. Also kann ich nur warten oder jetzt, da sich die Gelegenheit ergibt, die Chance für etwas Neues ergreifen.

Haben Sie keine Angst, nach Basel zu kommen? Die Mentalität von Zürich und Basel ist nicht die selbe . . .

Lips: Ich habe überhaupt keinen Bammel. Ich nehme es sportlich: Zwischen den beiden Städten geht eine uralte Fehde hin und her, es sind sportliche Sticheleien. Manchmal im wahrsten Sinn des Wortes, wenn man an den Fussball denkt. Beide Mentalitäten haben sehr viele Stärken, und diese werden gegeneinander ausgespielt. Ich sehe dies als gesunden Wettbewerb. Ich weiss aus vielen Kontakten mit Basel, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben, trotz unterschiedlicher Dialekte. Wenn ich aus der Stadt Zürich hinausgehe, habe ich nach 20 Kilometern eine sehr ländliche Mentalität vor mir, die mir fremder ist als die Stadt Basel.

Sie machen einen Transfer von Stadt zu Stadt.

Lips: Ja, aber auch von einer Stadtpolizei zu einer Kantonspolizei. Das ist für mich ein Schritt aufwärts. In Basel kommt noch der internationale Aspekt dazu, mit den Grenzen zu Deutschland und Frankreich sowie der Zusammenarbeit mit der Grenzwache.

Was kennen Sie von Basel schon?

Lips: Ich erinnere mich, wie ich als Kind an der Herbstmesse Mässmögge bekam. Ich kenne die Läggerli, und an der Fasnacht gibt es die traditionelle Mehlsuppe. Der FC Basel ist mir natürlich ein Begriff, obwohl ich kein Fuss-ballfan bin – aus polizeilicher Sicht, wegen der Gewaltbereitschaft von gewissen «Fans». Aber mit diesem Problem sitzen die Basler und die Zürcher im gleichen Boot. Ganz spannend ist die Messe mit ihrem Angebot, wenn ich an Baselworld oder die ART denke. Zürich kann von Basel lernen, Basel ist da viel grosszügiger und internationaler. Dieser Bereich ist auch von der Polizeiarbeit her interessant.

Wie gut kennen Sie das Basler Polizeikorps denn schon?

Lips: Die Struktur des Korps ist ähnlich wie an anderen Orten. Ich werde bekannte Grundstrukturen antreffen. Ich kenne die durchgeführten Reorganisationsprojekte, wir haben in Zürich Ähnliches gemacht. Solche Veränderungen sind Prozesse, die intern und von den Bürgern mitgetragen werden müssen.

Was ist Ihre Vorstellung einer modernen Polizei?

Lips: Die Gesellschaft verändert sich ständig, und die Polizei muss immer einen Schritt voraus denken. Sie muss die zukünftigen Probleme vorweg denken. Man darf nicht allzu stark in alten Strukturen verhaften bleiben. Das ist ein schwieriger Spagat: Polizisten haben wie andere Menschen auch die Tendenz, sich am Bestehenden festzukrallen, und haben Mühe, sich auf etwas Neues einzustellen. Basel hat keineswegs ein rückständiges Polizeikorps, es wurde immer wieder den Realitäten angepasst. Erneuerungsprozesse sind aber im Grunde nie abgeschlossen.

Wissen Sie schon, wohin Sie die Basler Polizei führen werden?

Lips: Das ist noch nicht möglich, ich muss mir zuerst ein Bild machen. Unmittelbaren Handlungsbedarf sehe ich nicht, die Polizei ist gut organisiert, sie funktioniert. Aber es gibt sicher das eine oder andere, das sich noch verbessern lässt.

Genügt der heutige Bestand?

Lips: Ich weiss, dass das Korps einen Unterbestand aufweist. Die Aufgaben der Polizei werden eher zu- als abnehmen. Das muss man aber zuerst genau analysieren, selbstverständlich zusammen mit den politischen Vorgesetzten.

Welches sind Ihre Stärken?

Lips: Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, tausche gerne Argumente aus, führe Streitgespräche im positiven Sinn. Ich informiere mich gründlich, entscheide und setze es dann auch um. Ich setze mich nicht ins stille Kämmerlein, sondern gehe aktiv auf die Leute zu. Was man tut, muss man der Öffentlichkeit erklären. Dies geschieht auch über die Medien, mit denen ich bisher positive Erfahrungen gemacht habe.

Was machen Sie als erstes, wenn Sie am 1. September mit der Arbeit beginnen?

Lips: Ich möchte wenn immer möglich schon vorher in Basel Wohnsitz nehmen. Wenn ich dann beginne, wird es sicher viele Kontakte und Diskussionen geben.