Gesundheitskosten
Die Pharmabranche bringt Ärzten und Spitälern das Sparen bei

Nicht nur über Medikamentenpreise lässt sich sparen – auch Ärzte und Spitäler sollen effizienter arbeiten. Das fordert die Pharmabranche. Das Sparpotential wird auf mehrere Milliarden Franken geschätzt.

Anna Wanner
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Viel Sparpotenzial im Gesundheitswesen – nicht nur beiden Medikamenten. (Symbolbild)

Viel Sparpotenzial im Gesundheitswesen – nicht nur beiden Medikamenten. (Symbolbild)

Keystone

Die Pharmafirmen forschen nach neuen Wirkstoffen und helfen, Krankheiten zu heilen und Schmerzen zu lindern. Dass sie damit eine Menge Geld verdienen, ist zwar nicht verboten. Doch wenn es darum geht, im Gesundheitswesen Ausgaben zu kürzen, gehört die Pharmabranche zu den ersten Anlaufstellen. Da nicht der Markt, sondern die Politik die Medikamentenpreise diktiert, sind Sparmassnahmen relativ einfach umzusetzen. Auch die Argumente für tiefere Medikamentenpreise sind schnell zur Hand: Die Preise seien im Vergleich zum Ausland zu hoch, es würden zu wenig Generika verkauft und selbst diese seien in der Schweiz noch zu teuer.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Seit zwei Jahren purzeln die Medikamentenpreise, weil der Bundesrat deren Bestimmung neu definiert hat: Die Schweizer Preise müssen seither jenen im Ausland angepasst werden. Unabhängig davon, dass damit mehr als 700 Millionen Franken eingespart werden können, steigen die Gesundheitskosten ungebremst: Die alternde Bevölkerung bezieht mehr Leistungen und muss versorgt werden.

Effiziente Ärzte und Spitäler?

Anstatt sich ständig zu rechtfertigen, dass über Medikamentenpreise auch die Forschung zu finanzieren sei, schlägt die Industrie nun einen neuen Weg ein. Die Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz (Vips) hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zeigt, wo sich im Gesundheitswesen überall sparen liesse. Die Studie leitet den Fokus weg von der Pharmabranche, sie richtet ihn auf die Leistungserbringer, auf Ärzte, Spitäler und auch Patienten.

Die Idee kommt nicht von ungefähr. Auch Bundesrat Alain Berset rechnet in seinem Bericht «Gesundheit 2020» damit, dass über Effizienzgewinne und verbesserte Qualität die Gesundheitskosten gedämpft werden können: «Experten gehen davon aus, dass die heutigen Leistungen ohne Qualitätseinbussen rund 20 Prozent günstiger erbracht werden könnten.» Das Sparpotenzial schätzen sie auf mehrere Milliarden Franken.

Bersets Liste mit Vorschlägen, die die Effizienz steigern sollten, wurde gestern durch das Institut Infras ergänzt. Die Forscherinnen, die von der Vips mit der Studie beauftragt wurden, wählten Lösungsansätze, die in der Schweiz bisher wenig Beachtung fanden, im Ausland aber funktionieren.

Beispiele, um Kosten zu sparen

Die Studienleiterinnen betonten, dass es kein einzelnes Allheilmittel gebe, um die Kosten zu senken. Dass aber Potenzial brachliege und über verschiedene Ansätze Effizienz gewonnen und Kosten gespart werden könnten. Ob die folgenden Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden, hängt auch von den Leistungserbringern ab. Die Anwendung soll hauptsächlich freiwillig sein:

Abrechnung von Komplexpauschalen anstatt Einzelleistungen. Beispiel Schlaganfall: Der Arzt, die Pflege, die Rehabilitation und möglicherweise die Spitex müssen sich den Betrag (Komplexpauschale), der für Schlaganfälle vorgesehen ist, untereinander aufteilen. Ziel ist eine bessere Koordination unter den Leistungserbringern und Verhindern von Doppelspurigkeiten und Komplikationen.

Optimierung des Skill-Mix. Die Betreuung von chronisch Kranken, das Verschreiben von Medikamenten und kleinere Diagnosetätigkeiten sind Aufgaben, die nicht nur ein Arzt, sondern auch dazu ausgebildete Pfleger erledigen können.

Medizinische Guidelines. Beispiel Darmkrebs: Der Arzt befolgt eine Richtlinie zur Behandlung des Patienten. Ein Standard führt dazu, dass Medikamente weniger gewechselt und dass Behandlungsmethoden rational gewählt werden.