Zürich West
Die perfekten Randsteine im «Labor» in Zürich im Test

Randsteine: Velofahrer und Gehbehinderte mit Rollstühlen wollen tiefe, Sehbehinderte brauchen zur Orientierung hohe. Im ersten «Randsteinlabor» werden nun verschiedene Randsteinformen getestet, um die Baunormen für alle zu optimieren.

Matthias Scharrer
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Die 14 verschiedenen Randsteine im «Randsteinlabor» in Zürich
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Randstein 2
Randstein 3
Randstein 4
Randstein 4A
Randstein 4B
Randstein 5
Randstein 5A
Randstein 6
Randstein 6A
Randstein 6B
Randstein 6C
Randstein 7
Randstein 8

Die 14 verschiedenen Randsteine im «Randsteinlabor» in Zürich

Matthias Scharrer

Die Schweiz ist ein basisdemokratisches Land, das zeigt sich auch bei der Randsteinplanung. So lassen das Bundesamt für Strassen, das eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Behinderten und das Tiefbauamt der Stadt Zürich derzeit in Zürich West 14 Arten von Randsteinen testen. Im sogenannten Randsteinlabor wollen sie die besten Lösungen finden für verschiedene Anforderungen im Strassenverkehr, wie das Tiefbauamt am Dienstag mitteilte. Und alle können mittels Online-Fragebogen (www.zuerich.ch/masterplanvelo) noch bis März 2013 mitmachen, wie es sich für ein basisdemokratisches Projekt gehört. Also auf ins Randsteinlabor!

Randsteinlabor im Selbstversuch

Das Labor ist ein Trottoir-Abschnitt an der Förrlibuckstrasse, Ecke Mühleweg. Als Testgerät nehme ich ein altes Damenvelo mit frisch aufgepumpten Reifen mit. Schliesslich gehören neben Sehbehinderten, Rollstuhlfahrern, Gehbehinderten und Schulklassen auch Velofahrer zur Zielgruppe der Testreihe.

Randstein 1 löst beim Überfahren in gemächlichem Tempo ein sanftes Rumpeln aus, das sich aufs Gesäss überträgt. Er ist aus einem grossen Stück aus massivem Naturstein gefräst und senkt sich zur Strasse hin schräg ab. Fahrgefühl: Okay.

Bei Randstein 2 rumpelts etwas weniger. Er ist ähnlich gefertigt wie Randstein 1, nur weniger steil abgeschrägt. Okayer aus Velofahrersicht.

Randstein 3 besteht aus kleinen, zur Strasse hin schräg angeordneten Pflastersteinen, ist schmaler und steiler als die ersten beiden, aber auch okay.

Mit Blindenstöcken Kanten ertasten

Marco Starkermann von der Firma Metron Verkehrsplanung, die das Randsteinlabor betreut, ist gerade mit Sehbehinderten am Testen. Sie tasten mit ihren Blindenstöcken vorsichtig über die Testmodelle ab. «Sehbehinderte haben lieber klar ertastbare Kanten», erklärt er. Velofahrer und Rollstuhlfahrer bevorzugten hingegen tendenziell Schrägen, die Trottoir und Strasse stufenlos verbänden. Als Kompromiss sind auch sogenannte Lücken in der Testreihe. Das sind abgeschrägte Randstein-Abschnitte, die den Trottoirrand kurz unterbrechen.

Um es kurz zu machen: Randstein 4a, eine Lückenmodell, ist mein Favorit. Aus zwei Pflasterstein-Reihen gefertigt, ist er nicht nur hübsch anzusehen. Mit seiner perfekt-sanften Abschrägung zur Strasse hin ermöglicht er Rollen ohne allzu festes Rumpeln. Und als Lücke ist er breit genug, damit man ihn als Velofahrer schon von Weitem erkennen kann, so die vollkommen subjektive Wertung des Testfahrers auf dem alten Damenvelo. Für ein objektiveres Urteil werden die Tests wissenschaftlich ausgewertet, wie es in der Tiefbauamts-Mitteilung heisst. Insgesamt kostet das Projekt 170 000 Franken.