Wahlkampf
Die Parteien knausern bei ihren Internetauftritten

Die Internet-Revolution bleibt in der Politik aus – trotz Millionenbudgets. Die meisten Online-Parteiseiten hinken der Zeit hinterher.

Benno Tuchschmid
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Zur Verfügung gestellt

Die Parteien blasen zum Halali in der Stimmenjagd: Mindestens 7,2 Millionen Franken stehen SP, CVP, FDP und Grünen zusammen für den Wahlkampf 2011 zur Verfügung. Die SVP dürfte noch ein massiv grösseres Budget haben. Doch trotz steigender Beiträge – für den Wahlkampf im Internet bleibt praktisch nichts übrig. «Die Parteien investieren verschwindend kleine Summen in den Internet-Wahlkampf», sagt Mark Balsiger, Politikberater.

Zu genauen Zahlen beim Budgetposten «Multimedia» schweigen sich die Parteien zwar aus. Klar ist aber: Besonders finanziell schwachen Parteien fehlt das Geld für den Angriff im Netz. «Online heisst nicht automatisch günstig», sagt Miriam Behrens, Generalsekretärin der Grünen. Teuer ist vor allem das ständige Aktualisieren der Medien, denn dazu braucht es personelle Ressourcen. Auch grösseren Parteien fehlt das Personal.

Eine Umfrage der az bei den Parteien zeigt, dass nur gerade die SVP über mehr als 100 Stellenprozent für die Betreuung von Online-Aktivitäten geschaffen hat. In den anderen grossen Parteien werden die neuen Medien von Teilzeitangestellten betreut. Laut Balsiger war die SVP bei den letzten Wahlen die «innovativste Partei» im Internet: Sie habe zum Beispiel als erste Partei ein Web-TV betrieben.

Klagen über das Internet

Die «Obamaisierung» der Schweizer Politik bleibt also aus. Der amerikanische Präsident hatte seinen Wahlkampf als Erster stark über soziale Netzwerke betrieben. In der Schweiz bringt das Netz der unbegrenzten Möglichkeiten die Parteien vor allem zum Klagen: «Bei Facebook und Twitter präsent zu sein, ist das eine. Aber man muss die Kanäle auch bearbeiten», sagt Andrea Sprecher, Kampagnenleiterin bei der SP. Marianne Binder, Kommunikationschefin der CVP, bestätigt: «Gerade das Betreiben von Blogs ist extrem aufwändig.

Man muss sie bewirtschaften und leider ständig von unflätigen Kommentaren säubern.» Stefan Brupbacher, Generalsekretär der FDP, sagt: «Social Media hat in der Schweizer Politik noch lange nicht die gleiche Bedeutung wie
in den USA.» Twitter und Facebook würden zwar «schrittweise wichtiger», dürften aber nicht überschätzt
werden.

Doch wieso investieren die Parteien nicht in einen Ausbau im Bereich der neuen Medien – jetzt, wo sie mehr finanzielle Mittel zur Verfügung haben als noch vor vier Jahren? «Das liegt daran, dass die Gönner der Parteien lieber etwas ‹Handfestes› bezahlen, zum Beispiel ein Plakat. Das Internet ist in den Köpfen noch nicht angekommen», sagt Mark Balsiger.

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