Zürich

Die Parkplatzfrage rückt wieder ins Zentrum

Umbauplan: Der Münsterhof soll einerseits von den Autos befreit werden, andererseits will man ihn gesamthaft neu gestalten. (Matthias Scharrer)

Münsterhof

Umbauplan: Der Münsterhof soll einerseits von den Autos befreit werden, andererseits will man ihn gesamthaft neu gestalten. (Matthias Scharrer)

Der Plan, die Parkplätze auf dem Münsterhof zu beseitigen, führt zu Missmut beim Gewerbe. Die Aufhebung steht im Zusammenhang mit dem Bau des Opern-Parkhauses und entspricht dem historischen Kompromiss.

Alfred Borter

Der historische Kompromiss vom 20. Mai 1996 führt wieder zu Unmut. Damals haben sich, im Beisein von verschiedenen Exponenten von Parteien und Wirtschaftsverbänden, der Präsident der gemeinderätlichen Verkehrskommission, Bruno Kammerer (SP), und Gabriel Marinello, Präsident der City-Vereinigung, demonstrativ die Hand gegeben.

Sie besiegelten damit das Ende eines jahrelangen Streits: Die rot-grüne Seite hatte zuvor mit der Ausdehnung der Fussgängerzonen die Zahl der Autoparkplätze in der Innenstadt drastisch verringern wollen, die Wirtschaftsverbände wollten dies, mithilfe der bürgerlichen Parteien, verhindern. Der Kompromiss hielt fest, dass man die Zahl der «kunden- und besucherorientierten Parkplätze» auf dem Stand von 1990 belasse. Für den Kreis 1 hiess das 3653, für die erweiterte Innenstadt 7622 Parkplätze.

Für jeden unterirdischen Parkplatz wird seither ein oberirdischer Parkplatz entfernt. Das gilt für das 2004 eröffnete Parkhaus Gessnerallee und jetzt für das Parkhaus Opéra, mit dessen Bau soeben begonnen worden ist. Wie schon in der Abstimmungsvorlage von 2003 erwähnt, verschwinden nun die Parkplätze auf dem Theaterplatz, aber auch etliche Parkplätze in der näheren und weiteren Umgebung samt denjenigen auf dem Münsterhof. Wie Stadträtin Ruth Genner (Grüne) zusammen mit Mitarbeitern aus der Stadtverwaltung gestern bekannt gab, wird der Münsterhof nicht einfach von den parkierenden Autos befreit, man will ihn gesamthaft neu gestalten. Baubeginn ist voraussichtlich im Herbst 2011.

Vereinigung will rekurrieren

Im Gegensatz zu früheren Aussagen will die Stadt jetzt doch zusammen mit den Anwohnern und den Ladenbesitzern ein Nutzungskonzept erarbeiten. Dies besänftigte den Präsidenten der Vereinigung Münsterhof, den Apotheker Lorenz Schmid, ein Stück weit. Die Vereinigung hat zwar bereits beschlossen, sich gegen die Aufhebung von Parkplätzen juristisch zu wehren. Nun meinte er, wenn die Stadt den Gewerbetreibenden entgegenkomme, könne man sich vielleicht noch finden.

Wie «heilig» ist überhaupt der historische Kompromiss? Für Mauro Tuena, den SVP-Fraktionschef im Gemeinderat, darf es nicht dazu kommen, dass Innenstadtgeschäfte nicht mehr lebensfähig sind. Man könnte, meint er, die Vereinbarung etwas gewerbefreundlich auslegen. Wäre er statt Genner in den Stadtrat gewählt worden, hätte er das sicher getan. «Jetzt können wir nur die Faust im Sack machen.»

Klar sei eine gewisse Liberalisierung das Ziel, meint auch sein Fraktionskollege Bruno Amacker, Leiter der SVP-Verkehrskommission. Aber im Augenblick sei das politisch nicht durchsetzbar. 2003 hatte die SVP sogar 5000 Parkplätze mehr gefordert.

1000 Parkplätze mehr waren im Jahr 2003 das Ziel der FDP, doch auch sie hat einsehen müssen, dass dafür keine Mehrheit zu gewinnen ist. «Wir sind nicht glücklich mit dem historischen Kompromiss», sagt FDP-Fraktionschef Michael Baumer. Vorderhand begnügt man sich damit, für die Bauzeit des Opernparkhauses für die wegfallenden Parkplätze Ersatz zu verlangen.

Lorenz Knecht, Geschäftsführer der Sektion Zürich des Automobil-Clubs der Schweiz, hält ebenfalls wenig vom historischen Kompromiss, er sei etwas in die Jahre gekommen und müsste überprüft werden. «Aber im Moment scheint er unantastbar.»

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