Landesausstellung
Die Ostschweiz tut sich schon heute schwer mit der Expo 2027

Heute in zwölf Jahren soll die Expo 2027 ihre Tore öffnen. Bis dann sind allerdings noch viele Hürden zu überwinden. Eine davon: Die Ostschweiz muss sich auch als solche zeigen

Rinaldo Tibolla
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Innerrhoder finden in den Kantonen darum zwar durchaus Gehör. Doch einfach so wollen sie nicht bei jeder Idee der Nachbarn mitmachen.Daniel Ammann/Ex-Press

Innerrhoder finden in den Kantonen darum zwar durchaus Gehör. Doch einfach so wollen sie nicht bei jeder Idee der Nachbarn mitmachen.Daniel Ammann/Ex-Press

Ex-Press

Klar ist es bis 2027 noch eine lange Zeit. Aber eine Landesausstellung kann nicht früh genug geplant werden. Gerade die Expo in Mailand zeigt auf, wie vieles nicht gelingen und von unsauberem Finanzgebaren geprägt sein kann. Auch Verzögerungen sind keine Seltenheit. Klar ist eine Landi keine Weltausstellung. Wichtigste Voraussetzung dafür ist aber, dass die Region, die sie veranstalten möchte, geeint ist und am gleichen Strick zieht. Dies ist bislang bei der Expo 2027 im Raum Bodensee-Ostschweiz jedoch nicht der Fall. Die Region zeigt sich gespalten. Ein Streifzug durch die Kantone im Osten des Landes lässt die Gräben erkennen.

Die Anfänge

Fahrplan für die Expo 2027

Ende Januar sagte der Bundesrat seine vorläufige Unterstützung für eine Expo 2027 in der Ostschweiz zu. Jedenfalls bis im Jahr 2017 eine Machbarkeitsüberprüfung vorliegen soll. Bereits im Herbst soll das Siegerkonzept für die Expo 2027 vorliegen. Dieses wird danach geprüft. Abhängig vom Planungsfortschritt könnten schon 2016 oder 2017 Volksabstimmungen erfolgen. 2018 jedenfalls wollen die teilnehmenden Kantone dem Bund die Bewerbung für die Landesausstellung im Raum Ostschweiz-Bodensee mit Studie und Finanzplan vorlegen. Der Bundesrat und danach das Parlament werden 2018 – allenfalls 2019 – über das Projekt entscheiden und Gelder sprechen. Der allfällige Bundesanteil entspräche maximal 50 Prozent der Gesamtkosten und höchstens eine Milliarde Franken. Nach positiven Volks- und Parlamentsentscheiden kann der Bundesrat wohl 2019 den Auftrag zur Durchführung der Expo an die dann eingesetzte Organisation geben. Ab 2020 sollen «die Konturen, Inhalte und Merkmale der siebten Landesausstellung markanter werden», heisst es offiziell. Mit den Bauvorhaben soll 2023 begonnen werden. In dieser Phase werden auch Personal- und Betriebskonzept ausgearbeitet sowie Partner und Sponsoren gewählt. Heute in zwölf Jahren – also am 6. Mai 2027 – soll die Expo Bodensee-Ostschweiz ihre Tore öffnen. (rit)

Im Juni 2011 war die Gründung des Vereins Expo 2027 Bodensee-Ostschweiz Tatsache. Mit dabei: Vertreter der Kantone Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau. Die Regierung von Innerrhoden dagegen hatte schon im Mai 2011 ein Nein für die Expo Bodensee-Ostschweiz 2027 beschlossen und entsprechend die Absichtserklärung auch nicht unterzeichnet. Ebenso lehnten die Kantone Glarus, Graubünden und Schaffhausen eine Beteiligung ab. In der Ostschweizer Regierungskonferenz sicherten diese im März 2014 zumindest aber ihre ideelle Unterstützung zu.

Das Innerrhoder Völklein

Seit diesen Jahres steht nun auch der Bundesrat hinter einer Expo 2027. Und vor zwei Wochen haben die Kantone Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau ihren Plan für die Landesausstellung Bodensee-Ostschweiz vorgestellt. Sie rechnen mit Kosten von 8,8 Millionen Franken für die Projektierung. Erneut hiess es allerdings, dass Innerrhoden immer noch «auf den Expo-2027-Zug aufspringen könne».

Wer die Kernostschweiz – die beiden Appenzell, St. Gallen und Thurgau – anschaut, dem wird schnell klar, warum gerade die Innerrhoder immer noch die Möglichkeit haben, bei der Expo mitzumachen. Eine Landesausstellung ohne den kleinen Kanton, umringt von den anderen, wäre wie ein Erdbeercornet ohne Erdbeersauce in der Mitte. Oder wie ein Berliner ohne Konfitüre. Etwas also, auf das man keine Lust hat, und das nicht wirklich überzeugt.

Überraschend ist es allerdings nicht, dass die Innerrhoder nicht mitmachen bei der Landesausstellung 2027. Schon 1946 schrieb Autor Karl Neff im «Appenzeller Kalender»: «Innerrhoden ist eine kleine Welt für sich.» Und bis heute hat dies Bestand. Immer wieder hat der Kanton seine Eigenheit bei nationalen Abstimmungen unter Beweis gestellt. Auch mit der Landsgemeinde zeigen dies die Innerrhoder noch immer.

Die Erklärung der Eingesessenen

Am liebsten verfolgen sie ihre eigenen Ideen, gleisen Projekte selber auf. Sie verfolgen das Prinzip «Nur was der Innerrhoder anrührt, kommt auch gut.» Anders beschrieb es Neff damals: «Die Neigung der Innerrhoder zum Grübeln, der Zug ins Eigenbrötlerische und Eigene» dürfe nicht verschwiegen werden und «Am Alpstein ist ein gar eigen Völklein beheimatet (...) zwar eigenwillige, aber bestimmt gute Eidgenossen.» Die Zurückhaltung bei der Expo erklären Eingesessene auch damit.

Vielmehr spiele aber die Grösse – Innerrhoden hat gerade mal 16 000 Einwohner – und die politische Struktur eine Rolle. Zum jetzigen Zeitpunkt, ohne Fakten zum Projekt, hätte das Vorhaben an der Landsgemeinde keine Chance. Überdies sei die Expo noch nicht in den Köpfen der Innerrhoder präsent. Zu sehr würden sie sich mit den derzeitigen Herausforderungen beschäftigen. Vor allem Mitte- und Links-Politiker aus den anderen Kantonen nehmen der Innerrhoder Regierung die «fehlende Solidarität mit der Ostschweiz» übel. Diese behält sich mittlerweile vor, «die Angelegenheit» später nochmals zu beurteilen.

Als es etwa darum ging, das Bundesverwaltungsgericht nach St. Gallen zu holen, stand die Ostschweiz – mit Glarus, Graubünden und Schaffhausen – zusammen. Auch bei verkehrstechnischen Angelegenheiten zeigen die Kantone Einigkeit – nicht zuletzt, weil sie vom Bund profitieren können. Bei der Expo könnte die Kernostschweiz nun genauso profitieren, aber eben nur, wenn sie zur Region steht. Doch etwa im Thurgau ist dies alles andere als der Fall: Zur Metropolitanregion Ostschweiz wollte sich der Kanton nicht zählen.

Geeint bei Prestigesachen

Die Thurgauer orientieren sich nämlich ebenfalls in drei Richtungen. Von Frauenfeld westlich gilt Winterthur und Zürich als Anhaltspunkt, im Norden Konstanz und im Osten St. Gallen. Ausserrhoden bemüht sich um Einigkeit, kann aber als «Vorort» und damit Juniorpartner von St. Gallen mit zu wenig Vehemenz auftreten. St. Gallen hält mit der grössten Stadt in der Region klar den Lead. Doch national vermögen der Kanton und die Stadt die Stärke der Ostschweiz – im Vergleich zu Zürich für die Region Zürich – nicht überzeugend vermarkten. Für viele Politiker ist deshalb klar, dass die Region für die Expo ihre «Bescheidenheit» ablegen muss. Ebenso wissen sie, dass dem Projekt auch mit der ganzen Bodenseeregion, aber ohne Inner-rhoden keine Flügel wachsen.

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