Tobias Granwehr

Über 57 Prozent der Stimmberechtigten sagten Ende November Ja zu einem Minarettverbot in der Schweiz. Sogar 60 Prozent waren es in Langenthal. Ein herber Schlag für die Langenthaler Muslime, die an der Bützbergstrasse 101 ein Minarett auf ihre Moschee bauen wollen. Dabei sah es Mitte dieses Jahres noch ziemlich gut aus für die Glaubensgemeinschaft Xhamia e Langenthalit.

Anfang Juli fällte das Stadtbauamt im mittlerweile dreijährigen Baubewilligungsverfahren einen neuerlichen Entscheid: Die Stadt erteilte Xhamia e Langenthalit die Bewilligung für den Minarettbau. Die Glaubensgemeinschaft habe die massgeblichen Bedingungen erfüllt, erklärte damals Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP). Mutalip Karaademi, Präsident der Langenthaler Glaubensgemeinschaft, freute sich über den Entscheid und zeigte sich zuversichtlich, dass der Bau bald beginnen könne: «Unser Anwalt hat das Dossier sehr genau erarbeitet.»

«Stopp Minarett» wehrte sich

Doch Karaademi täuschte sich: Das Aktionskomitee «Stopp Minarett», dass sich schon lange gegen das Bauvorhaben wehrte, legte auch dieses Mal sein Veto ein. Es reichte bei der kantonalen Baudirektion eine Beschwerde ein - hauptsächlich wegen ideeller Gründe. Seither ist wieder der Kanton am Zug - schon einmal wies dieser das Verfahren nach einer Einsprache an die Stadt zurück. Die Behörden mussten weitere Abklärungen treffen.

Nach der Abstimmung folgte die grosse Debatte: Als «politisch gescheitert» bezeichnete Rufener das Bauvorhaben. Rechtlich dürfte der Abstimmungsausgang hingegen keinen Einfluss haben. Die SVP Langenthal verlangte von den Muslimen umgehend, auf das Minarett zu verzichten. Karaademi und seine Kollegen denken allerdings nicht daran - via Anwalt teilten sie mit, die Glaubensgemeinschaft ziehe das Baugesuch nicht zurück. Oder wie es Karaademi nach der Abstimmung sagte: «Schliesslich wurde unser Bauvorhaben schon zweimal bewilligt.»