Integration

Die meisten Gemüter besänftigt

Betreut: Die Integration von lernbehinderten Kindern in die Regelklasse wird von der SVP grundsätzlich in Frage gestellt. Oliver menge/archiv

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Betreut: Die Integration von lernbehinderten Kindern in die Regelklasse wird von der SVP grundsätzlich in Frage gestellt. Oliver menge/archiv

Der Kantonsrat hat dem Regierungsrat die Information von Schulen und Gemeinden über die Einführung des integrativen Unterrichts als Dauerauftrag ins Pflichtenheft geschrieben. Anders die SVP: Ihr Sprecher sprach von «brachialer Bildungsverschlechterung» und rief nach einem Volksentscheid.

Christian von Arx

Der Kanton Solothurn will an seiner Volksschule die Einführungs-, Klein- und Werkklassen auflösen und diese Schülerinnen und Schüler in Zukunft in die Regelklassen integrieren. Lernbehinderte, verhaltensauffällige, aber auch hochbegabte Kinder werden dafür speziell gefördert. Die Gesetzesgrundlage für diesen integrativen Unterricht hatte der Kantonsrat im Mai 2007 mit 84:1 Stimmen beschlossen.

Die Umsetzung ist allerdings schwierig. So beschloss der Regierungsrat im Juni, die flächendeckende Einführung des integrativen Unterrichts um ein Jahr zu verschieben, nämlich auf August 2011. Das habe Schulen und Gemeinden verunsichert, kritisierten daraufhin 45 Kantonsräte von SP, CVP, FdP, EVP und Grünen.

Mit einem überparteilichen dringlichen Auftrag verlangten sie von der Regierung, Rahmenbedingungen, Umsetzungsmassnahmen und ein Informationskonzept für die Einführung der integrativen Schulung vorzulegen. Schon zuvor hatte sich die Fraktion CVP/EVP/glp mit einer Interpellation nach Vorgehen, Fahrplan und Kommunikation erkundigt.

«Fehlentscheid rückgängig machen»

«Das Amt für Volksschule und Kindergarten konnte keine verbindlichen Zahlen liefern, was die Integration kostet», hielt Franziska Roth (SP, Solothurn) als Sprecherin der Bildungs- und Kulturkommission fest. Stefan Müller (CVP, Herbetswil), Fränzi Burkhalter (SP, Biberist), Hubert Bläsi (FdP, Grenchen) und Iris Schelbert (Grüne, Olten) nahmen die Auskünfte der Regierung positiv auf, wobei allerdings manches noch vage bleibe. Darum dürfe der Auftrag nicht abgeschrieben werden.

Ganz anders tönte es von der SVP: «Der integrative Unterricht ist für uns der wohl grösste Fehler der laufenden Reformen bezüglich der Bildungsqualität», erklärte Roman Jäggi (Fulenbach). 2007 hatte die SVP der Einführung allerdings zugestimmt. Zunehmende Unruhe werde den Unterricht beeinträchtigen, prophezeite Jäggi, und der Glaube an Kosteneinsparungen sei rasch verflogen.

Wo der integrative Unterricht eingeführt wurde, funktioniere er schlecht: «Unhaltbare Zustände für ‹normale› Schüler» führten im Kanton Zürich dazu, dass Eltern ihre Kinder in Privatschulen schickten. Das Volk sei nie zur dieser «brachialen Bildungsverschlechterung» befragt worden, aber die SVP werde dafür sorgen. Es gelte, einen Fehlentscheid rückgängig zu machen. Die SVP lehnte auch den Auftrag ab.

«Niveau ist nicht gesunken»

Stefan Müller (CVP, Herbetswil) hielt Jäggi entgegen, gegen den Kantonsratsbeschluss von 2007 habe niemand das Referendum ergriffen. Er empfahl, jetzt den Finger auf wunde Punkte zu legen, statt Fundamentalopposition zu machen. Kurt Bloch (CVP, Mümliswil) berichtete, in seiner Gemeinde würden die Schulen schon seit 2002 voll integrativ geführt: «Die Erfahrungen sind sehr gut, das Niveau ist nicht gesunken, sondern gestiegen, das Sozialverhalten in den Klassen hat sich verbessert.» Stören würden nicht frühere Einführungs- oder Kleinklassenschüler, sondern gesunde, intelligente Kinder mit Erziehungsdefiziten.

Landammann Klaus Fischer zeigte Verständnis für die Skepsis: «Das Thema Integration bewegt stark, eine offene Diskussion ist gut.» Bei Schulbesuchen erhalte er positive Rückmeldungen. Die Lehrerschaft stehe hinter dem integrativen Unterricht. Fischer stellte klar, es werde weiterhin Kinder gehen, die nicht in die Regelklassen integriert werden könnten und den Unterricht in Sonderschulen und Schulheimen besuchen würden. Mit 74:18 Stimmen erklärte der Kantonsrat den Auftrag erheblich und beschloss, ihn nicht abzuschreiben.

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