In der Schweiz hingegen ist es ein plausibles Szenario, dass Simonetta Sommaruga nach dem Rücktritt von Doris Leuthard bald die einzige Frau im Bundesrat sein wird.

Natürlich: In der Schweiz ist die Ausgangslage komplizierter als in Kanada oder Frankreich. Die Regierungsmitglieder werden nicht vom Staatschef ernannt, sondern vom Parlament gewählt. Die Zauberformel muss gewahrt und die Sprache und die regionale Herkunft müssen berücksichtigt werden.

Schliesslich ist die Schweizer Regierung wesentlich kleiner als die französische und die kanadische, und die Mitglieder bleiben länger im Amt. Dennoch kann sich die Schweiz eine Regierung mit nur einer Frau eigentlich nicht leisten. 

Die Komplexität der Regierungszusammensetzung spürt auch die CVP. Die Partei steht im Fokus, weil der Rücktritt von Leuthard naht. Lange wurden als mögliche Nachfolger Leuthards nur Männer gehandelt. Seit der Tessiner Anspruch mit der Wahl Ignazio Cassis’ befriedigt ist, ist die Frauenfrage plötzlich virulent geworden. Und siehe da, plötzlich fallen auch die Frauennamen. 

Eine Mehrheit des Parlamentes mag sich derzeit dagegen wehren, dass die «angemessene Vertretung der Geschlechter» im Bundesrat genauso in die Verfassung geschrieben wird wie Sprache und Herkunft. Faktisch kann sie sich dieser öffentlichen Diskussion aber nicht mehr entziehen.