Die Lehrer entscheiden über das Tragen von Burkinis

Schulen sollen auf Traditionen aller ihrer Schüler Rücksicht nehmen. Ramadan und Verschleierung sind dabei wichtige Punkte. Auch im Freiamt kennt man diese Diskussionen – die Verantwortung liegt jeweils beim Lehrer.

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«Nichts spricht gegen Burkini»

«Nichts spricht gegen Burkini»

Keystone

Andrea Weibel

Der Kanton hat es erlaubt: Burkini, die zweiteiligen Ganzkörper-Badeanzüge für Musliminnen, sind im Schwimmunterricht zugelassen. «Dispensationen für den Sportunterricht sind grundsätzlich nicht vorgesehen, hier kann mit entsprechender Kleidung religiösen Vorschriften Genüge getan werden», heisst es in der Handreichung für Schulleitungen, Schulpflegen und Lehrpersonen des Departements für Bildung, Kultur und Sport.

«Bisher keine Burkini»

In Wohlen war dies bisher kein Thema, denn mangels Hallenbad beginnt die Badesaison hier erst mit der Öffnung des Freibads im Frühsommer. «Bis jetzt hatten wir noch nie ein Kind, das sich aus religiösen Gründen geweigert hätte, den Schwimmunterricht zu besuchen», weiss Rolf Stadler, Schulleiter der Oberstufe Bünzmatt. «Und auch Schülerinnen mit Burkini hatten wir hier noch nie.» Das bestätigt auch Cornelia Wey, Unterstufenleiterin.

Wollten Schülerinnen allerdings im Burkini in die Badi, so würden sich die Lehrer erst mit dem Badmeister absprechen müssen. «Mit normalen Jeans oder T-Shirts darf man ja auch nicht ins Wasser, das verbietet der Badmeister strengstens», so Stadler.

Sicherheit der Badenden

Zu den Vorschriften will Badmeister Stefan Meier jedoch nichts sagen und verweist auf die Bauverwaltung. Dort kann Florian Püntener, der Verantwortliche für die Liegenschaften der Gemeinde Wohlen, wozu auch die Badi zählt, Auskunft geben: «Kleidervorschriften gibt es bisher keine.» Sie seien bis heute schlicht nicht nötig gewesen, und darüber sei man froh. «Einzig wichtig ist aber natürlich, dass es sich um geeignete Kleidung fürs Wasser handelt», klärt Püntener auf. «Normale Kleider saugen sich voll Wasser und werden schwer, sodass sie einen hinunterziehen. Das darf nicht passieren.» Hier gehe es um die Sicherheit der Badenden, wie er betont. «Da Burkini aber eigens fürs Wasser entwickelt worden sind, sollte das kein Problem sein.»

Muri hält sich an Richtlinien

In Muri klingt es ähnlich wie in Wohlen. «Wir hatten noch nie mit Kindern zu tun, die den Schwimmunterricht aus religiösen Gründen verweigert hätten», sagt Martha Imfeld, Präsidentin der Schulpflege. «Aber in einem solchen Fall würden wir uns an die Richtlinien des Kantons halten. Das bestätigten ihr auf Anfrage auch die Stufenleiter.

Rücksicht auf Ramadan

Die Rücksicht auf die religiösen Bedürfnisse der Schüler geht über den Schwimmunterricht hinaus. «Wenn Kinder am Ramadan teilnehmen, wird Rücksicht auf sie genommen», bestätigt Rolf Stadler. Das sei Sache der einzelnen Lehrer. «Wir haben aber auch schon erlebt, dass Schüler sagten, sie fasten, und später sahen wir sie draussen etwas essen. Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen.»

Das BKS fordert zudem separate Einzelduschen. «Damit hatten wir nie Probleme. Schwieriger ist es, die Kinder nach dem Sport überhaupt zum Duschen zu bewegen.»

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