Längi-Quartier
Die Lebensqualität steigern

Bevölkerung, Institutionen, Firmen und Behörden sollen gemeinsam Ideen und Projekte initiieren um die Lebensqualität und das Image des Quartiers zu verbessern.

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Die Lebensqualität steigern (2)

Die Lebensqualität steigern (2)

bz Basellandschaftliche Zeitung

Nathalie Martin

In der Längi tut sich etwas, und dies sei auch nötig, wie der Bund in einer Quartiersanalyse feststellte. Die Gemeinde Pratteln und das Quartier Längi wurde als «Gebiet mit besonderen Anforderungen» identifiziert, angesichts ihrer räumlichen, sozialen und ökonomischen Situation. Aufgrund dieser Studie wurde die Gemeinde Pratteln vom Bund eingeladen, sich am Pilotprojekt «projet urbain» zu beteiligen.

Problemfelder angehen

In der Längi sollen Problemfelder wie das schlechte Image, die mangelnde Sauberkeit und die soziale und ökonomische Zusammensetzung der Bevölkerung angegangen werden. Das Projekt «Quartierentwicklung Pratteln Längi» ist ein Pilotprojekt im Bundesprogramm «projet urbain».
Einen zentralen Ansatzpunkt werden Integrationsfragen darstellen. Im Längi-Quartier leben überdurchschnittlich viele ausländische Bewohner. Die Quartiersanalyse zeigt auf, dass 85 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Längi-Schulhaus nicht-deutscher Muttersprache sind. Es gebe aber wenige Konflikte, das Zusammenleben im Quartier sei friedlich. «Die Bewohnerinnen und Bewohner der Längi leben gerne hier», sagte Beat Stingelin, Gemeindepräsident von Pratteln, an der Informationsveranstaltung zur Quartierentwicklung Längi. Nur stimme die Innenansicht nicht mit der Aussenansicht überein. «Die Längi ist im ganzen Kanton bekannt als das Ghetto von Pratteln», bestätigte eine Bewohnerin der Längi. Neuzuzüge in das Quartier gebe es kaum.

Startschuss mit S-Bahn-Haltestelle

Mit der Einweihung der S-Bahn-Haltestelle «Salina Raurica» im Vorjahr sei der Startschuss gefallen: «Mit dieser Haltestelle wollen wir den Anschluss finden», sagte Stingelin. Dass die Quartierbewohnerinnen und -bewohner ebenfalls etwas verändern wollen, zeigte das breite Interesse an der Veranstaltung. Rund 200 Leute hatten sich im Längi-Schulhaus eingefunden. «Wenn letztlich auch nur 40 Leute tatsächlich aktiv mithelfen, können wir erfolgreiche Projekte gemeinsam mit der Bevölkerung initiieren», freute sich Stingelin. Mit diesem breiten Echo habe er nicht gerechnet. Auch Michael Emmenegger, Projektkoordinator, zieht ein positives Fazit: «Es sind viele verschiedene Leute hier, das freut uns sehr», sagte Emmenegger.

Als nächsten Schritt wird er den direkten Kontakt im Quartier suchen, um möglichst viele Leute für die «Mitwirkungsveranstaltung» Mitte Juni zu gewinnen. Da sollen dann konkrete Ideen entwickelt und «Ideen-Teams» gebildet werden.

Der Gemeinde ist es ernst

Um den Einwohnern zu zeigen, dass es die Gemeinde tatsächlich ernst meint, hat der Gemeindepräsident schon eine Idee für eine kleine Geste: «Ich möchte rund um die Bushaltestelle einen kleinen Dorfplatz errichten. Dabei könnten wir schon das Abfallproblem mit einer unterirdischen Recyclingstation lösen», berichtete Stingelin nach der Veranstaltung optimistisch.
Eine grosse Chance erhofft sich das «projet urbain» vom neuen Quartier «Salina Raurica», das angrenzend an die Längi entstehen soll. Mit ungefähr 8000 Arbeitsplätzen und nochmals 2000 Bewohnern (was der Zahl der Längi-Einwohner entspricht) soll ein neues Wohn- und Arbeitsquartier am Rhein aus dem Boden gestampft werden - die grösste Siedlungs- und Infrastrukturausweitung der Region Basel. Die Längi soll durch dieses neue Nachbarsquartier ihren Inselcharakter verlieren, schreibt Emmenegger in der Quartiersanalyse. Ausserdem sollen die Wohnmöglichkeiten in höherem Preissegment den heutigen Längi-Bewohnern den sozialen Aufstieg ermöglichen, ohne dabei das Quartier verlassen zu müssen.