Sucht ein Restaurantbetreiber einen Koch, muss er die Stelle seit Anfang Juli den Behörden melden, bevor er sie öffentlich ausschreibt. Das sieht die Meldepflicht vor, die das Parlament zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative eingeführt hat. Die neue Regel gilt für Berufe mit einer Arbeitslosigkeit von über 8 Prozent. Ziel ist, dass vermehrt Arbeitslose einen Job finden. Im Vorfeld gab es Zweifel, ob die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) und IT-Systeme rechtzeitig bereit sein würden.

Gut einen Monat nach der Einführung ist man beim Bund soweit zufrieden. «Der Start der Stellenmeldepflicht ist insgesamt erfolgreich verlaufen», sagt Fabian Maienfisch, Sprecher des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Anders klingt es beim Branchenverband Gastrosuisse. Gastgewerbe und Hotellerie sind von der neuen Regelung besonders betroffen, da Köche, Hilfspersonal in der Küche und auch Serviceangestellte unter die Meldepflicht fallen.

Laut Gastrosuisse läuft das System noch nicht reibungslos. «Sehr problematisch» sei, dass nach einer Stellenmeldung die Sperrfrist nicht umgehend ausgelöst werde, erklärt der Verband. Die RAV müssen bestätigen, dass die Stelle erfasst ist, bevor das fünftägige Publikationsverbot zu laufen beginnt. Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer sagt: «Es darf nicht sein, dass Betriebe mehrere Tage oder gar Wochen einfach warten müssen, ohne dass beim RAV etwas passiert.»

Platzer hat selbst schlechte Erfahrungen gemacht: Bei der Suche nach einem Zimmermädchen musste sein Betrieb 17 Tage warten, bis die Eingabe vom RAV bestätigt wurde. Letztlich durfte Platzer die Stelle 23 Tage lang nicht ausschreiben. «Wir wissen, dass weitere Stellenmeldungen ähnlich betroffen waren», sagt er. Allgemein bestehe bei den Betrieben «eine hohe Unzufriedenheit über das grosse Bürokratiemonster».

Laut dem Seco ist der von Platzer geschilderte Fall auf ein technisches Problem zurückzuführen. Zu Beginn seien nicht alle Stellen, die über die Online-Plattform des Bundes gemeldet wurden, automatisch ins Bearbeitungssystem der öffentlichen Arbeitsvermittlung weitergeleitet worden. Bei einem «kleinen Prozentsatz» der so gemeldeten Stellen sei es deswegen zu Verzögerungen gekommen, heisst es beim Seco. In der Zwischenzeit sei das Problem behoben.

Erste Bilanz positiv

Schweizweit sind bei den Behörden bereits Tausende Meldungen eingegangen. Allein im Kanton Zürich wurden in den ersten dreieinhalb Wochen rund 2000 meldepflichtige Stellen registriert. «Mindestens 20 Personen konnten wir schon vermitteln», sagt Sprecherin Lucie Hribal. In anderen Kantonen liegt die Zahl tiefer: In St. Gallen gingen in den ersten zwei Wochen knapp 300 meldepflichtige Stellen bei den RAV ein, in Luzern waren es bisher rund 720. Der Aargau verzeichnet seit Anfang Juli ungefähr 30 bis 40 Prozent mehr Stellenmeldungen als sonst.

Die erste Bilanz fällt bei den kantonalen Behörden positiv aus. «Wir machen gute Erfahrungen mit der Umsetzung der Stellenmeldepflicht», sagt Hribal vom Kanton Zürich. Die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern funktioniere gut. In Luzern klingt es ähnlich: «Die Erfahrungen sind bisher grösstenteils positiv und wir konnten einige erfolgreiche Vermittlungen verzeichnen», sagt Karin Lewis, Leiterin Arbeitsmarkt im Kanton Luzern. Das IT-System sei durch den Bund «massiv verbessert» worden. Auch in St. Gallen ist das erste Fazit positiv. «Im Juli konnten bereits erste Stellensuchende aufgrund der neuen Regelung erfolgreich vermittelt werden», erklärt Walter Abderhalden, Hauptabteilungsleiter Arbeitslosenversicherung.

«Teilweise braucht es ein dickes Fell»

Auch im Aargau heisst es, man habe bisher gute Erfahrungen gemacht. «Etwas unterschätzt haben wir, wie viele Firmen sich im letzten Moment noch informieren wollten», sagt Isabelle Wyss, Leiterin Arbeitsmarktliche Integration beim Kanton Aargau. Manche Arbeitgeber hätten sich auch über den zusätzlichen bürokratischen Aufwand geärgert. «Teilweise brauchten wir in den Gesprächen ein dickes Fell», sagt Wyss. Umso mehr freut sie sich über die ersten Erfolgsgeschichten: Bereits konnten einige Arbeitslose vermittelt werden. Insgesamt liefen die Prozesse gut, sagt Wyss. Es brauche aber noch vereinzelt Verbesserungen, etwa bei der Liste der Berufsbezeichnungen. Verschiedene Branchenverbände hatten bereits im Vorfeld kritisiert, die Liste der Berufe enthalte Bezeichnungen wie etwa «Allrounder Gewerbe-Bau», die im Arbeitsmarkt nicht gebräuchlich seien. Der Bund ist daran, die Liste zu überarbeiten.