Eine Flasche Prosecco und mindestens eine Flasche Rotwein: So viel hat Lea, die mit diesem Decknamen anonym bleiben möchte, zu den schwersten Zeiten ihrer Alkoholsucht täglich getrunken. Diese Zeit liegt heute sieben Jahre zurück, seither hat Lea keinen Schluck Alkohol mehr angerührt. 

Angefangen hat ihre Trinksucht, als sie 25 Jahre alt war. «Damals war das ‹just for fun›, mit Freundinnen im Ausgang», erinnert sich Lea. Irgendwann habe sie aber gemerkt, dass sie lieber alleine zu Hause trinkt und auch nicht mehr nur am Wochenende. Schleichend rutschte die junge Frau tiefer und tiefer in die Alkoholsucht. 

Zwar stand Lea mit beiden Beinen fest im Leben, hatte einen guten Job und eine stabile Beziehung. Trotzdem wurde es für sie immer schwieriger, ihr Problem zu verheimlichen. «Es war ein Versteckspiel», sagt Lea. So habe sie etwa viel Energie aufgewendet, um die zahlreichen leeren Flaschen unbemerkt zu entsorgen.

Eingeständnis ist grösste Hürde

Laut Statistik trinken fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmässig Alkohol, elf Prozent sind gar einmal pro Monat betrunken. Wieviele Menschen sich ihr Alkoholproblem eingestehen und sich Hilfe suchen, ist hingegen nicht bekannt. 

Auch Lea brauchte viel Zeit und Überwindung, sich professionelle Hilfe gegen ihre Trinksucht zu suchen. Über ihre Therapeutin fand sie schliesslich den Weg zu den Meetings der Anonymen Alkoholiker

Marianna Egli ist Mediensprecherin dieser Selbsthilfeorganisation und weiss: «Das Eingestehen, dass man ein Alkoholproblem hat, ist sehr schwierig.» Dies sei die schwerste Hürde, die Betroffene überwinden müssen. 

Lea hat diese Hürde überwunden und besucht die Treffen der Anonymen Alkoholiker bereits seit sieben Jahren. Seit damals ist sie trocken, bezeichnet sich aber weiterhin als Alkoholikerin. «Als Alkoholkranke ist es nie fertig», erklärt sie. «Es ist eine Krankheit, die ich bis an mein Lebensende haben werde.» (luk)