Bundesrätin

Die Königin und der stille Prinz: Neues Buch gibt seltene Einblicke ins Privatleben von Doris Leuthard

Seit 1979 ist die abtretende Bundesrätin Doris Leuthard mit Roland Hausin liiert, Silvester 1999 heirateten sie. Ein neues Buch gibt seltene Einblicke in das Leben des Paares. Ein Auszug.

So kommunikativ Doris Leuthard in ihrem Beruf ist und sein muss, so diskret und verschwiegen ist ihr Ehemann Roland Hausin. Um seine Frau zu unterstützen, versandte er im Vorfeld von Leuthards Wahl in den Bundesrat einen ausführlichen Lebenslauf an die Presse. Mit Ausnahme von einigen wenigen Bemerkungen anlässlich sozialer Veranstaltungen mit Pressebeteiligung blieb er danach den Medien gegenüber still – bis heute.

Roland Hausin wurde 1960 als Kind einer Arbeiterfamilie in Anglikon geboren, einem kleinen Dorf unweit von Doris Leuthards Heimatgemeinde Merenschwand. Nach der Primarschule und der Bezirksschule (Progymnasium) absolvierte er eine Lehre als Chemielaborant und anschliessend ein Chemiestudium an der Fachhochschule Winterthur. Daran anschliessend folgten vier Jahre an der University of Calgary in Kanada. 1990 kehrte er – nunmehr mit Doktortitel in Chemie – zurück in die Schweiz, wo er eine Kaderstellung beim amerikanischen Chemiekonzern Dow Europe annahm. Alternativ dazu hatte er wohl weltweit verschiedenste Jobangebote, entschloss sich aber wegen seiner damaligen Freundin und späteren Frau zu einer Rückkehr in die Schweiz.

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Doris Leuthard beweist während der Abschiedsrede der Nationalratspräsidentin, dass sie den Sinn für Humor auch bis zur Verabschiedung nicht verloren hat.

Doris Leuthard kannte Roland Hausin bereits seit ihrer frühen Jugendzeit; im Jahr 1979 lernte sie ihn bei einem Discoabend in Wohlen jedoch noch näher kennen. Hausin betrieb mit Kollegen eine fliegende Disco namens Raven. Neben verschiedensten Stilrichtungen wurden damals auch Schmachtfetzen von Procol Harum, Moody Blues, den Bee Gees, Uriah Heep oder Bob Marley aufgelegt. Diese Romantik des Rock- und Pop-Zeitalters war auch deshalb für amouröse Anbahnungsoperationen besonders geeignet, weil die einzelnen Songs gut und gerne fünf, sechs oder sieben Minuten dauern konnten. Gerade eine Serie solcher Slows war somit die perfekte Startpiste für einen ersten Höhenflug jugendlicher Annäherung. Bis Doris Leuthards Eltern aber merkten, dass zwischen Doris und Roland zarte Bande geknüpft worden waren, dauerte es noch ein Weilchen – mit der Zeit jedoch wurden diese zarten Bande verstärkt und die Beziehung gefestigt.

Die nachfolgenden kanadischen Studienjahre von Roland Hausin allerdings waren für die beiden keine einfache Zeit, obwohl Doris Leuthard alle drei Monate über den Atlantik flog. Abermals einige Jahre später und nachdem das Paar eine Zeit lang zusammengelebt hatte – in «wilder Ehe», wie man es damals nannte –, bekam die Beziehung am 31. Dezember 1999 auch offiziellen Status: Die wilde Ehe wurde gezähmt und in eine rechtsgültige Verbindung umgewandelt. Diesem letzten Tag des Jahrtausends hatte die Computerbranche ja mit Schrecken entgegengesehen und Milliarden investiert, um Programmabstürze durch den sogenannten Millennium-Bug zu vermeiden. Auch für die frischgebackenen Eheleute hatte dieser in jeder Hinsicht besondere Jahreswechsel seine Folgen: Roland Hausin war als Projektleiter für einen reibungslosen Übergang der Computersysteme ins nächste Jahr und Jahrhundert auf Pikett – mit anderen Worten: Gefeiert wurde später. Es war gleichsam die Hochzeitsnacht 2.0.

Wenig mit Politik am Hut

Mit Politik hatte Roland Hausin zunächst wenig am Hut, ja die Begeisterung hielt sich sozusagen in engen Grenzen, denn wer etwas erreichen, wer in den Nationalrat gewählt werden will, zahlt einen hohen Preis dafür: Hunderte von Abenden, die man bei Veranstaltungen und Sitzungen verbringt, und Tausende von Kilometern, die man auf den Strassen seines Kantons abspult. Hat man seinen Fuss erst einmal in den Nationalratssaal gesetzt, so wird die Latte des persönlichen zeitlichen Aufwands nochmals deutlich höher gelegt. Hausin hatte somit aus zwei Gründen eine gesunde Distanz zum politischen Engagement seiner Frau: Zum einen, weil er von Haus aus nicht sonderlich an Politik interessiert war, und zum anderen, weil er an all diesen Tagen und Abenden auf seine Frau verzichten musste.

Vor der Bundesratswahl 2006 sprach Roland Hausin – als grosse Ausnahme – ausführlich mit dem Freiämter Lokalblatt «Der Freischütz». Die «Aargauer Zeitung» übertrug dieses Gespräch für ein breiteres Lesepublikum: Zunächst habe er, so Hausin, die Begleitung seiner Frau zu politischen Anlässen auf fünf Abende pro Jahr limitiert. Als er gemerkt habe, dass sie darunter litt, immer alleine zu Veranstaltungen zu gehen, bei denen die meisten Kollegen und Kolleginnen «zu zweit» erschienen, habe er dieses Kontingent sukzessive erhöht.

Des Weiteren, so erzählt Roland Hausin, habe er Doris Leuthard im Jahr 1999 bei der Wahl in den Nationalrat versprochen, ihr härtester Kritiker zu sein. «Das ist natürlich im konstruktiven Sinn gemeint», fügte der Chemiker im «Freischütz» hinzu. Ausserdem wolle er darauf achten, dass Doris Leuthard an ihrem Engagement nicht kaputtgehe. Und zweitens werde er aufpassen, dass sie realistisch bleibe. «Wenn Doris mal abheben sollte, hole ich sie auf den Boden zurück.» In den ehelichen Diskussionen übernehme er deshalb die Rolle des aussenstehenden Bürgers, welcher der Politikerin die nötige Rückmeldung für ihre Arbeit gebe. Dem «SonntagsBlick» sagte Roland Hausin: «Heute unterstütze ich sie uneingeschränkt, damit sie ihre Ziele erreichen kann. Wenn Doris es wünscht, werde ich sie begleiten.» Dabei gibt er offen zu: «Ich bin kein Gesellschaftstiger.» Die beiden haben ein System entwickelt: Sie sagt ihm anhand einer Skala von eins bis zehn jeweils, wie wichtig ihr seine Begleitung ist. Bei acht, neun oder zehn geht er mit. 

Im Jahr 2014 schrieb der «SonntagsBlick» über den Ehemann der Bundesrätin: «Ein Strahlemann ist Roland Hausin (54) nicht unbedingt – eher zurückhaltend nimmt der promovierte Chemiker seine Pflichten an der Seite von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard (51) wahr. Zwischendurch bringt er schon mal das Protokoll durcheinander. Bei Staatsbesuchen im Präsidialjahr von Leuthard 2010 wollte er sich partout nicht von seinem Rucksack trennen, was die diplomatische Entourage immer wieder ins Rotieren brachte. Lobend meinte Leuthard Ende 2010: ‹Er nahm alle seine Ferien, um mich auf meinen Auslandsreisen zu begleiten.›»

Roland Hausin ist im Übrigen keine Ausnahme unter den Bundesratsgatten und -gattinnen. Von den Partnern und Partnerinnen des ersten Bundesratskollegiums, in das Doris Leuthard hineingewählt wurde, hatte einzig Silvia Blocher ein eigenes Profil in den Medien. Der Gatte von Micheline Calmy-Rey sowie die Frauen von Pascal Couchepin, Moritz Leuenberger, Hans-Rudolf Merz und Samuel Schmid zogen es ebenfalls vor, möglichst wenig in der Presse in Erscheinung zu treten.

Die bald 40 Jahre währende Bezieh- ung und spätere Ehe zwischen Doris Leuthard und Roland Hausin kann durchaus als Power-Couple mit einer sehr selbst- ständigen Aufstellung beider Ehepartner interpretiert werden. Nicht nur die Bundesrätin ist ständig in Bern oder auf Reisen, auch ihr Mann reist geschäftlich sehr viel – mindestens 50 Tage pro Jahr.

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Eine herbe Enttäuschung musste das Ehepaar allerdings einstecken, als der gemeinsame Kinderwunsch nicht in Erfüllung ging. Besonders für Doris Leuthard musste dies eine bittere Erfahrung gewesen sein, denn sie ist der Familienmensch par excellence. Neben einer starken Bindung zu beiden Elternteilen hat sie auch eine für sie sehr wichtige enge Beziehung zu ihren Brüdern. Und ihr Studium sowie ihren ursprünglichen Beruf als Rechtsanwältin hatte sie extra so gewählt, dass sie Familie und Arbeit hätte kombinieren können.

Nach über zwölf Jahren im Bundesrat reflektiert Doris Leuthard die Vereinbarkeit von höchster politischer Karriere und einer Mutterschaft mit Kleinkindern oder Jugendlichen wie folgt: «Ich für mich persönlich hätte nie das Amt einer Bundesrätin angestrebt, wenn ich zur gleichen Zeit in einer Mutterrolle mit kleinen Kindern gewesen wäre. Und wenn ich hier das Beispiel meines Bundesratskollegen Alain Berset heranziehen darf, dann bin ich immer noch der Überzeugung, dass er dieses Amt und das damit verbundene Pensum nur deswegen erfolgreich ausüben kann, weil seine Frau bereit ist, die meisten Pflichten und Arbeiten im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung und -erziehung zu übernehmen.

Sicher hätte mein Mann auch seinen Teil zur Kinderbetreuung beigesteuert, aber ich habe sein Bedürfnis, eine eigene berufliche Karriere zu verfolgen, immer unterstützt, genauso, wie er das in meinem Fall auch tat. Wäre ich Anwältin geblieben, hätte ich problemlos auf ein Teilzeitmodell zurückgreifen können. Aber dies war bei uns ja nicht eine Frage des Modells – ich wurde nicht schwanger … Als Bundesrat steht einem diese Möglichkeit (der Teilzeit, Anm. d. Red.) nicht zur Verfügung, denn das Amt verlangt eine hundertprozentige Hingabe.

Es hätte auch meinem Verständnis der Rolle einer Mutter widersprochen, wenn ich meinen Kindern nicht die nötige Aufmerksamkeit hätte zuwenden können. Das heisst aber nicht, dass ich der Meinung bin, Mütter sollten keine beruflichen Ambitionen pflegen, im Gegenteil. Ich rate jeder Frau, ihre Verbindungen ins Berufsleben aufrechtzuhalten, denn eine berufliche Betätigung ausserhalb der Familie ist erstens bereichernd, zweitens wichtig für allfällige Lebensrisiken wie eine Trennung und Scheidung, und drittens das Recht jeder Frau, sich mit dem Partner eine Rollenteilung zu organisieren und die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und zu realisieren.»

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