Gekocht wird heute auf allen Kanälen. Doch wie steht es am Ende der obligatorischen Schulzeit wirklich mit den Alltagskompetenzen, die man in den handwerklichen Fächern Hauswirtschaft, textiles Werken und technisches Gestalten erwirbt? Eine Arbeitsgruppe des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV) hat sich mit dem Gewerblich-industriellen Bildungszentrum Zug zusammengetan, um diesem Phänomen mit einer Umfrage auf den Grund zu gehen.

An der Umfrage beteiligten sich verschiedene nationale Berufsverbände: Hauswirtschaft, Ernährung, Gesundheitsberufe, aber auch Schreiner oder Bäcker-Konditoren. Ebenso wurden die bäuerlich-hauswirtschaftlichen Fachschulen und die nationalen Verbände der Lehrpersonen für Hauswirtschaft, textiles und technisches Gestalten sowie der Logopädinnen begrüsst. Einige Fragen und Ergebnisse:

  • Wie wird die Qualität der in der Volksschule erworbenen Alltagskompetenzen beurteilt? 21 Prozent antworteten mit «gut», 57 mit «genügend», 35 mit «unbefriedigend».
  • Haben die inhaltlichen und zeitlichen Veränderungen der letzten 20 Jahre in den Fächern Hauswirtschaft, Handarbeit und Werken Auswirkungen auf die Fertigkeiten der Lernenden in den Alltagskompetenzen? 84 Prozent antworteten mit Ja.
  • Haben diese Veränderungen einen Einfluss auf die Exaktheit der Arbeiten und die Entwicklung der Feinmotorik? 74 Prozent antworteten mit Ja.
  • Haben diese Veränderungen Einfluss auf die Schnelligkeit, das handwerkliche Geschick und die Ausdauer? 79 Prozent antworteten mit Ja.
  • Die Umfrage zeigt auch auf, dass die heutige Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen zu wenig Alltagskompetenzen vermittelt. Die Lehrberechtigung in den praktischen Fächern erhält man heute nach einem Nebenfach-Studium – und in der vorhergehenden Gymnasiumszeit fristen diese Fächer ja auch ein Randdasein.

Manuelles Geschick fördern

Die Initianten ziehen aus den Ergebnissen ernüchternde Schlüsse:

Durch die Reduktion der praktischen zugunsten von kopflastigen Fächern haben die handwerklichen Fertigkeiten «einen gewaltigen Rückgang» erlebt. Die Folgen sind bereits heute spürbar. Es muss eine Neuorientierung stattfinden, damit das manuelle Geschick wieder stärker gefördert werden kann.

«Wir laufen auf den Gebieten Hygiene, Eigenverantwortung, Gesundheit und Ernährung zurück in die Anfänge der Gesundheitslehre vor 80 Jahren, als man erkannte, dass Alltagskompetenzen geschult werden müssen, um die soziale Wohlfahrt zu stärken.»

In den Bereichen Genauigkeit, Ausdauer und handwerkliche Fertigkeiten müssen von den Berufsausbildnern immer grössere Abstriche gemacht werden. «Die Jugendarbeitslosigkeit steigt unter anderem auch, weil viele Jugendliche nicht arbeitsfähig und belastbar sind.»

Forderungen der Projektgruppe

Die Initianten erinnern auch an die Verantwortung der Eltern: Oftmals sei ihnen zu wenig bewusst, welche Anforderungen an Berufslernende gestellt würden. Sie sollten eine Vorbildfunktion wahrnehmen und die Kinder zum Mithelfen im Haushalt anhalten. Allerdings: «Gerade im Bereich Hauswirtschaft gibt es Eltern, die selber wenig Wissen haben.» Alltagskompetenzen müssten deshalb auch Bestandteil von Elternbildungsangeboten werden.

Die Projektgruppe hat die Forderungen in einer Resolution zusammengefasst und an alle Bildungsdirektoren geschickt:

In der Volksschule muss mehr Zeit zum Üben und Vertiefen der handwerklichen und hauswirtschaftlichen Fächer zur Verfügung gestellt werden. Von den Jugendlichen sollen wieder vermehrt Exaktheit, Sauberkeit und Ausdauer verlangt werden.

In der Ausbildung von Fachlehrpersonen müssen die praxisnahe Wissensvermittlung und die praktischen Fertigkeiten der künftigen Lehrpersonen wichtige Bestandteile sein.

Den Eltern muss die Wichtigkeit dieser praktischen handwerklichen Fächer aufgezeigt werden, denn sie sind wichtige Multiplikatoren.