Absturz am Piz Segnas
«Die Ju-52 ist ein fliegendes Geschichtsbuch»: Erinnerungen von CVP-Kantonsrat Peter Brotschi

Der Grenchner Peter Brotschi ist Aviatik-Journalist, Buchautor und Politiker und flog mehrfach als Passagier in der «Tante Ju» mit, die gestern Samstag am Piz Segnas abgestürzt ist. Für die «Nordwestschweiz» erinnert er sich an dieses «fliegende Geschichtsbuch» zurück.

Peter Brotschi
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Das erste Erlebnis mit der Junkers Ju-52 war ein verpasster Mitflug. Früher war es üblich, dass die Aspiranten der Flieger- und Flab-Offiziersschule kurz vor der Brevetierung zum Leutnant mit der Tante Ju einen Flug machen durften.

Das Flugzeug war schon damals eine Legende: Neben unserem Ausbildungshangar in Dübendorf war die Halle 9, wo die Ju-52 noch heute eingestellt sind. Nicht selten standen ältere deutsche Herren am Maschendrahtzaun, schauten mit feuchten Augen auf die Flugzeuge und sagten uns Jungen, dass sie im Zweiten Weltkrieg mit der Ju-52 Tausende Stunden geflogen seien.

Nun, ich lag damals im Mai 1980, am Tag des langersehnten Fluges, mit einer starken Grippe im Krankenzimmer und sah meine Kameraden über die Kaserne hinweg starten...

Später, als sie ab 1983 als Zivilflugzeug flog, erhielt ich mehrere Gelegenheiten für einen Mitflug. Auch über unserer Gegend, als im August 2009 an einem Flugtag ab Olten zu Rundflügen gestartet wurde. Es war jedes Mal ein besonderes Gefühl, in den Wellblechrumpf der Tante Ju zu steigen.

Dieses Foto von Peter Brotschi zeigt den Passagierraum der «Tante Ju».

Dieses Foto von Peter Brotschi zeigt den Passagierraum der «Tante Ju».

ZVG

Wenn die drei BMW-Sternmotoren auf Startleistung hochdrehen, erhöht sich der Puls auch bei flugerfahrenen Menschen. Und stets eine Freude, mit welch sichtbaren Emotionen die Mitpassagiere den Flug im Oldtimer genossen.

Die Ju-52 ist für mich ein fliegendes Geschichtsbuch. Als Mensch, der eine Affinität für Geschichte und Geschichten hat, schloss ich während der Flüge manchmal die Augen, spürte die Vibrationen und hörte das sonore Brummen der Motoren.

Dann sah ich General Guisan, wie er die Ju-52 während des Krieges oft als Reisemittel benutzte. Oder die Bordmechaniker, wie sie während des Lawinenwinters 1951 den eingeschneiten Bergbauern Hilfsmaterial und Heuballen aus der Luke warfen. Oder die Fallschirmgrenadiere der ersten Stunde, wie sie mit ihren Rundkappenschirmen aus der Tante Ju ausstiegen.

Die Ju-52 ist nicht nur ein Teil der Luftfahrtgeschichte. Sie ist seit vier Generationen ein Teil der Schweiz. Der Unfall erschüttert mich tief. Den Opfern und ihren Angehörigen gehört mein tiefstes Beileid und Gebet.

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