Aargauer Zeitung
«Die Initiative geht zu weit und löst keine Probleme»

Der Lehrerverband will im Gesetz verankern, dass keine Primarlehrer mehr auf der Oberstufe unterrichten dürfen. Der Bildungsdirektor hat dafür kein Verständnis.

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Kampf dem Lehrermangel

Kampf dem Lehrermangel

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Maja Sommerhalder

Viel Arbeit für wenig Geld: Das Klassenzimmer ist kein beliebter Arbeitsplatz mehr. Es droht ein schlimmer Lehrermangel. Der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrer-Verband (ALV) findet dies alarmierend und will den Lehrerberuf deshalb wieder attraktiver machen. Er lancierte gestern die kantonale Volksinitiative «Für eine Schule mit Lehrpersonen». Diese fordert, dass im Gesetz folgende drei Punkte verankert werden.

Erstens soll der Kanton alle Klassen mit qualifizierten Lehrern besetzen: Will heissen, dass nur Lehrer eingesetzt werden dürfen, die auch über eine stufengerechte Ausbildung verfügen. Momentan unterrichten beispielsweise viele Primarlehrer auf der Oberstufe. «Dies schadet der Qualität der Schule», so Niklaus Stöckli, Präsident ALV. Er ist der Meinung, dass fehlende Qualifikationen in Zukunft nachgeholt werden müssen.

1000 Franken mehr Lohn

Zweitens soll der Kanton die Anstellungsbedingungen so verbessern, dass genug Lehrerinnen und Lehrer im Aargau unterrichten wollen: Der ALV fordert unter anderem, dass die Lehrer zeitlich entlastet und die Löhne angepasst werden. «In den Nachbarkantonen verdienen Einsteiger bis 1000 Franken mehr», so Stöckli. Dieses Ungleichgewicht soll mit der Initiative beseitigt werden

Zudem will der ALV, dass die Schwankungen des jährlichen Anstellungsverhältnisses beseitigt werden. «Das Pensum wird heute jeweils der Klassengrösse angepasst. Lehrer müssen sich jedes Jahr auf Kurzarbeit einstellen.»

Drittens soll im Gesetz verankert werden, dass der Regierungsrat jährlich dem Grossen Rat einen Bericht über die Stellenbesetzung vorlegen muss. Sollte sie ungenügend sein, sind unverzüglich Massnahmen einzuleiten.

Regierungsrat Hürzeler ist skeptisch

Bildungsdirektor Alex Hürzeler hat zwar durchaus Verständnis für die Anliegen des Lehrerverbandes: «Auch wir wollen, dass genügend und gut qualifizierte Lehrer unterrichten.» Aber: «Die Initiative geht zu weit und löst keine Probleme.»

Er kritisiert vor allem, dass die Initiative verlangt, dass man nur noch stufenspezifisch ausgebildete Lehrpersonen einsetzen darf: «Dann hätte man noch mehr Schwierigkeiten, Lehrer zu finden. Der Lehrermangel würde sich dadurch nur verschärfen.» Er betont auch, dass der Kanton Massnahmen plant, um die Lehrer zu entlasten und die Attraktivität des Berufes zu stärken. Zudem seien gezielte Anpassungen bei den Löhnen vorgesehen: «Der ALV ist bei diesem Prozess beteiligt.»

Lehrerverband-Geschäftsführer Urs Kaufmann ist da ganz anderer Meinung: «Seit Regierungsrat Alex Hürzeler am Ruder ist, werden wir nicht mehr richtig einbezogen.» Er befürchtet, dass im Hintergrund etwas gemacht wird und der ALV am Schluss einfach vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Deshalb ist er lieber selbst aktiv. Noch vor den Sommerferien soll die Lehrer-Initiative eingereicht werden.

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